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International Streiks in Frankreich an allen Fronten

Die Streiks in Frankreich belasten den Bahnverkehr und die Wirtschaft. Und das eine Woche vor der Fussball-EM. Nun kündigten auch die Piloten der Air France an, sie würden während der EM in Frankreich in den Ausstand treten.

Personen mit Rollkoffern auf einem Bahnsteig.
Legende: In den Bahnhöfen in Frankreich sind zahlreiche Reisende gestrandet. Reuters

Zugreisende in Frankreich bekommen weiter die Folgen eines Eisenbahnerstreiks zu spüren. Nur 60 Prozent der TGV-Hochgeschwindigkeitszüge fuhren. Andere Wirtschaftsbereiche waren erneut von Protesten gegen die geplante Arbeitsmarktreform betroffen.

Französische Medien sprachen von einem «Nervenkrieg» gut eine Woche vor Beginn der Fussball-EM. Auch am Freitag wird mit zahlreichen Zugausfällen gerechnet.

Die für dieses Wochenende geplanten Streiks bei der Flugaufsicht bleiben Reisenden dagegen erspart. Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies gab bekannt, dass alle Gewerkschaften ihre Pläne nach einer Einigung zurückgezogen hätten.

Beim Bahnkonzern SNCF legten gut 15 Prozent der Mitarbeiter ihre Arbeit nieder. Bei den internationalen Thalys-Zügen wurden sieben Verbindungen zwischen Paris und Brüssel gestrichen. Obwohl eine von drei streikenden Gewerkschaften ihren Aufruf für Freitag auf Eis legte, rechnet die SNCF weiterhin damit, dass 40 Prozent der TGV und jeder zweite Regionalzug ausfallen. Der Protest richtet sich gegen neue Arbeitszeitregelungen.

TGV in einem Depot.
Legende: 60 Prozent der TGV blieben im Bahnhof. Reuters

In mehreren Städten an der Atlantikküste fiel am Donnerstag zeitweise der Strom aus, nachdem Gegner der Arbeitsrechtsreform einen Transformator besetzt hatten. Etwa 125'000 Haushalte in der Region Saint-Nazaire seien betroffen gewesen, berichtete die Regionalzeitung «Ouest-France» unter Berufung auf den Netzbetreiber. Der Arbeitgeberverband Medef warf der Gewerkschaft CGT «Unverantwortlichkeit» vor.

Die Lage an Frankreichs Tankstellen entspannte sich unterdessen weiter, bei Total gab es noch an 153 von 2200 Tankstellen Versorgungsengpässe. Zeitweise Blockaden von Treibstoffdepots hatten vergangene Woche zu Sprit-Problemen geführt. Allerdings sind sechs von acht Raffinerien des Landes weiterhin von Streiks betroffen.

Demonstrationen gegen Hollande-Regierung

Gegen die Pläne von Staatschef François Hollande für eine Lockerung des französischen Arbeitsrechts machen die Gewerkschaften schon seit rund drei Monaten mobil. Die Fronten sind verhärtet, weil die sozialistische Regierung an der Reform festhält und auch die weit links stehende Gewerkschaft CGT nicht nachgeben will.

Aus Protest gegen die Reformpläne von Hollande gab es erneut Demonstrationen. Dabei lieferten sich in der westfranzösischen Stadt Nantes jugendliche Demonstranten heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei, warfen Flaschen und Steine.

In Paris besetzten Demonstranten vorübergehend ein Stellwerk des Bahnhofs Gare de Lyon, eine Stunde lang konnte kein Zug abfahren.

Streiks auch in Belgien

Auch in Belgien wurde im Bahnverkehr weiter gestreikt, seit Beginn vor gut einer Woche fielen nach Angaben des Netzbetreibers Infrabel rund 12'000 Züge aus, wie die Nachrichtenagentur Belga meldete. Die Aktionen der Beschäftigten richten sich gegen Reformmassnahmen des staatlichen Bahnunternehmens SNCB.

Streik zum EM-Auftakt

Die Pilotengewerkschaften wollen zum Auftakt der Europameisterschaft an vier Tagen die Fluggesellschaft Air France bestreiken. Sie planen Arbeitsniederlegungen für den 11. bis 14. Juni – am 10. Juni wird im Stade de France bei Paris das Eröffnungsspiel angepfiffen. Die Piloten wehren sich gegen Sparmassnahmen des Managements.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Die franz. Wirtschaft muss sich den heutigen Umständen anpassen, mit allen Konsequenzen. Die Hauptlast werden die Arbeitnehmer tragen müssen. In der franz. Elite hat längst die Moderne Einzug gehalten. Die franz. Wirtschaft profitiert immer noch von ihren früheren Kolonien und entsprechenden Kontakten auch in Nahost. Doch die Zeit der Grande Nation geht ihrem Ende entgegen. Wenn die Bevölkerung nicht reagiert, könnte es FR schlecht ergehen. Die Wahrheit tut oft weh, ist aber eine Chance.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Diese "mächtigen" Gewerkschaften werden Frankreich zum europäischen "Griechenland" herunter wirtschaften! Es wird nicht mehr lange dauern, dann muss Deutschland auch ihrem (bis jetzt noch) einigermassen solventen EU-Nachbar auch noch unter die Arme greifen! Merken eigentlich die streikenden Büezer und Angestellte nicht, dass sie sich mit solchen "Zwängeri-Luxus-Ansichten", schlussendlich das eigene Grab schaufeln?
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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Streiken, weil man etwas länger als 35 Std. pro Woche arbeiten oder das rekordverdächtige Pensionsalter etwas erhöhen soll? Frankreich benötigt offensichtlich jemanden wie eine Lady Thatcher, welche seinerzeit in Grossbritannien ähnlich chaotischen Zuständen mit harter Hand gründlich ein Ende bereitet hat.
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