Zum Inhalt springen
Inhalt

Streit um Giftanschlag «Das Ganze ist voller Fragezeichen»

Legende: Audio Russland weist britische Diplomaten aus abspielen. Laufzeit 02:45 Minuten.
02:45 min, aus Echo der Zeit vom 17.03.2018.

Russland holt im Streit mit Grossbritannien um das Gift-Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zum Gegenschlag aus und verweist 23 britische Diplomaten des Landes. Angesprochen auf die Vorwürfe an Russland betonte Aussenminister Sergej Lawrow erneut, man habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Ein Gespräch über die diplomatische Krise mit ARD-Russland-Korrespondent Hermann Krause.

SRF News: Was genau will Lawrow, respektive der Kreml damit sagen?

Hermann Kause: Der russische Aussenminister ist umgeben von Leuten, die das die ganze Zeit behaupten. Beispielsweise hat sich gerade die Pressesprecherin des Aussenministeriums geäussert und hat eine ganz andere Version vorgetragen.

Sie hat erstens gesagt, es handle sich bei Skripal gar nicht um einen Doppelagenten, sondern er wäre nur ein Agent im russischen Dienst gewesen. Zweitens sagte sie das Nowitschok, das eingesetzte Kampfmittel, sei kein russischer Name. Dieses Produkt sei niemals in Russland hergestellt worden und sei hier nicht lizenziert. Das ist sozusagen die Message des Aussenministeriums, einmal vorgetragen vom Aussenminister und einmal von der Sprecherin.

Interessant ist auch, dass der russische Vertreter bei der Internationalen Organisation für das Verbot chemischer Waffen gesagt hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit könne angenommen werden, dass dieses verwendete Gift aus einem westlichen Labor stamme. Sein Argument: In den 1990er-Jahren hätten westliche Geheimdienste viele russische Chemiker angeworben. Ist das plausibel für sie?

Das Ganze ist voller Fragezeichen. Und je mehr Informationen man bekommt, desto mehr Fragezeichen bekommt man auch. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Briten oder die Amerikaner – so wie uns das gern von russischer Seite nun weisgemacht wird – nun einen Bürger auf ihrem Boden, beziehungsweise auf dem Territorium Grossbritanniens umbringen. Diese Version ist ja nun fast völlig auszuschliessen.

Wie beurteilen Sie diese Argumentation?

Das Ganze erinnert natürlich auch an die Argumentation von damals beim Abschuss der Malaysia Airlines über der Ukraine. Auch dort wurde alles geleugnet, verdreht, so dass die Öffentlichkeit dann überhaupt nicht mehr wissen sollte, was die Wahrheit ist. So ungefähr ist das jetzt auch, man akzeptiert überhaupt nicht, dass es eine Spur Richtung Russland gibt, weder vom Namen her – Skripal soll ja jetzt wie gesagt auch kein Doppelagent mehr sein – noch von dem Stoff der eingesetzt wurde.

Das Gespräch führte Samuel Wyss.

Russische Giftgas-Theorie zurückgewiesen

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Schweden und Tschechien haben die russische Darstellung zurückgewiesen, dass bei einem Anschlag in der britischen Stadt Salisbury verwendete Nervengift könnte aus den Ländern stammen. Eine Sprecherin des russischen Aussenministeriums hatte zuvor gesagt, das Gift stamme sehr wahrscheinlich aus Grossbritannien selbst oder aus Tschechien, der Slowakei, Schweden oder den USA.

Die schwedische Aussenministerin Margot Wallstrom erklärte, diese Behauptung sei «inakzeptabel und unbegründet». Russland solle stattdessen die Fragen Grossbritanniens beantworten. Es handele sich um eine Manipulation von Informationen mittels einer hochspekulativen Botschaft, die nicht bewiesen werden könne, erklärte seinerseits der tschechische Aussenminister Martin Stropnicky.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

34 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Daniel Schicker (iron5)
    In der internationalen Politszene git es nicht viel unglaubwürdigeres als ein Boris Johnson, der Junge toppt so ziemlich alles. Was von ihm lauthals vertreten wird kann nicht stimmen. Tsja liebes England, wünsche Euch viel Glück, vertrauen werden euch nicht viele.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Auch bei diesem Vorfall wird man die ganze Wahrheit nie erfahren. Zumindest nicht in naher Zukunft. Bis heute weiss man nicht was wirklich auf dem Maidan geschah, noch was mit Malaysia-Airlines-Flug 17 genau passierte. Es gibt immer mehrere Meinungen, aber wer die Wahrheit sagt, ist stets eine Glaubensfrage. Dieser Vorfall in Grossbritannien reiht sich in eine Vielzahl weiterer "Konflikte" ein. Es dürfte vermutlich um mehr gehen als nur einen Anschlag, Wahlmanipulation oder Hackerangriffe.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sebastian Demlgruber (SeDem)
    Putin hat ja keine Skrupel, in Syrien seinen Verbündeten Assad den Weg zur Machtsicherung freizubomben und dabei auch Frauen, Kinder und Alte zu treffen - und damit einem Kriegsverbrecher als Busenfreund zu dienen, der nachweislich das eigene Volk mit Chemiewaffen attackiert. Wieso sollte der Kreml dann selber eine Hemmschwelle haben, Chemiewaffen weltweit einzusetzen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      nachweislich ist höchstens, dass sie ihre Meinung hier kundtun. Beweise dafür gibt es weit und breit keine.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen