Sturm auf Gerichtsgebäude bei Demonstration in Kairo

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo haben Demonstranten versucht, das Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft und ein Gericht zu stürmen. Die Polizei feuerte Tränengas in die Menge. Augenzeugen zufolge wurden acht Menschen verletzt.

Feuerwerkskörper explodiert an einem Haus Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch die Generalstaatsanwaltschaft nahmen Demonstranten ins Visier und schleuderten Feuerwerkskörper auf das Gebäude. Reuters

Die Demonstranten riefen Slogans zum Sturz der Regierung von Präsident Mohamend Mursi. Die Demonstranten hatten sich bereits den ganzen Tag über in Kairo versammelt.

Anlass der Proteste war der fünfte Jahrestag der Gründung einer Jugendbewegung, die ursprünglich gegen das frühere Regime von Ex-Machthaber Husni Mubarak entstanden war. Heute richten sich ihre Proteste gegen die Regierung Mursi.

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Gewalt in Ägypten

2:01 min, aus Tagesschau vom 6.4.2013

Demonstrationsmarathon

Die Demonstranten, grösstenteils Anhänger der Jugendbewegung 6. April, feuerten einem Bericht der Onlineausgabe der Zeitung «Al-Ahram» zufolge Feuerwerkskörper auf die Sicherheitskräfte ab und skandierten Slogans gegen Mursi.

Die Proteste sind Teil eines viertägigen Demonstrationsmarathons gegen die islamistische Regierung, zu dem Oppositionsaktivisten aufgerufen haben. Am Samstag gingen in mehreren Städten Tausende gegen Mursi auf die Strasse. Proteste gab es nach Angaben ägyptischer Medien und Augenzeugen in Kairo, Alexandria, der Industriestadt Mahalla sowie in Mursis Heimatbezirk Sagasig.

Demonstranten stehen Polizeifahrzeugen gegenüber Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tausende Demonstranten säumten die Strassen Kairos und lieferten sich Strassenschlachten mit der Polizei. Reuters

Aus Mursi-Anhängern wurden Gegner

Anlass der Demonstrationen ist der fünfte Jahrestag des Arbeiteraufstands in Mahalla im Jahr 2008. Damals hatte die Jugendbewegung für den 6. April zu einem Streik aufgerufen, um das Regime von Präsident Husni Mubarak herauszufordern.

Die Proteste änderten an den damaligen Machtverhältnissen wenig. Mubarak wurde erst im so genannten Arabischen Frühling 2011 gestürzt. Bei der Wahl im Juni 2012 hatte die Jugendbewegung Mursi noch unterstützt. Inzwischen wirft sie dem islamistischen Präsidenten jedoch vor, sich wie ein Diktator zu verhalten.

Demonstranten: Altes System noch an der Macht

Im Gebäude des Obersten Gerichtshofes ist auch das Büro des umstrittenen Generalstaatsanwaltes untergebracht, den Mursi erst im November berufen hat. Seine Gegner sehen darin den Versuch des Präsidenten, seine Macht auf Kosten der Justiz zu vergrössern.

Die 6.-April-Bewegung erklärte, das alte System sei nach wie vor nicht gestürzt. Deshalb wolle sie das zu Ende bringen, was vor fünf Jahren in Mahalla begonnen habe.

Religiöser Gewaltausbruch

Zuvor waren bei Zusammenstössen zwischen Christen und Muslimen in Chusus in der Nähe von Kairo fünf Menschen getötet worden. Vier der Toten seien Christen und einer sei ein Muslim. Die Gewalt sei am späten Freitagabend ausgesprochen, nachdem christliche Kinder etwas auf die Mauer eines islamischen Glaubensinstituts gemalt hätten.

Etwas zehn Prozent der 83 Millionen Ägypter sind Christen. Die Gewalt zwischen den Religionsgruppen hat seit dem Sturz von Mubarak 2011 zugenommen.