Syrien: Menschliche Tragödien und weitere Massaker

In Syrien leiden Millionen Menschen unter den katastrophalen Bedingungen des Kriegsalltags. Die Gräueltaten machen die Bevölkerung rat- und hoffnungslos. Erneut wurden in Aleppo 56 Leichen gefunden – geknebelt und durch einen Schuss in den Kopf hingerichtet. Die UNO ruft zur Soforthilfe auf.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London erklärte, die 56 Männer seien offensichtlich hingerichtet worden. Sie seien alle im Alter zwischen 20 und 30 Jahren gewesen.

Leichen am Rande eines Kanals in Aleppo. (keystone) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Geknebelt und durch einen Kopfschuss hingerichtet: Neue schockierende Bilder aus Syrien. Keystone

Aktivisten filmten die Leichen am Kanal im Bustan-al-Kasr-Viertel in Aleppo. Auf den Bildern sind Dutzende Tote zu sehen, vorwiegend junge Männer. Vielen von ihnen wurden die Hände auf den Rücken gebunden.

Die Meldung konnte von unabhängiger Seite nicht überprüft werden. Der Leiter der Organisation in London konnte ebenfalls keine Angaben über die Hintergründe der Tat machen.

Bevölkerung braucht dringend Hilfe

In Syrien geht es für viele Bewohner nicht mehr um die Revolution, sondern um das nackte Überleben. Die humanitäre Situation ist katastrophal – es fehlt an allem. Um den Menschen zu helfen sind laut der UNO 1,5 Milliarden Dollar nötig. Mit dem Geld soll die humanitäre Hilfe in Syrien und den Nachbarländern bis im Juli sichergestellt werden.

Am Vorabend der internationalen Geberkonferenz in Kuwait haben die Schweiz und die EU ihre Hilfsbudgets aufgestockt. Die Schweiz hat 10 Millionen Franken bewilligt, die EU stockt ihre Hilfe um 100 Millionen Euro auf. Auch die USA haben weitere Hilfen angekündigt. 155 Millionen Dollar sollen zusätzlich fliessen. Damit engagieren sich die USA mit 365 Millionen Dollar.

«Die Menschen frieren, hungern und haben Angst»

Es ist das erste Mal, dass die UNO einen solch gigantischen Appell für eine so kurze Zeit erlassen hat. Das bestätigt Manuel Bessler, Delegierter des Bundesrates für Humanitäre Hilfe. Bessler spricht von einer menschlichen Tragödie sondergleichen – zumal sich der Krieg in dicht besiedelten Regionen abspiele. Hinzu kommen die Temperaturen – auch in Syrien ist Winter.

Auch EU-Kommissarin Kristalina Georgieva beschrieb die Lage als dramatisch: «Die Menschen frieren, hungern und haben Angst. Jenen, denen es gelungen ist, über die Grenzen zu flüchten, haben oft nicht mehr als die Kleidung auf ihrem Leib.»

In Syrien sind zwei Millionen Menschen Flüchtlinge im eigenen Land. Insgesamt vier Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen – das ist jeder fünfte Syrer. 700'000 Menschen sind geflohen und 60'000 Menschen wurden getötet.

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Internationale Hilfe für Syrien

1:18 min, aus Tagesschau am Mittag vom 29.1.2013