Syrienkonflikt: Welche Partei besitzt fixfertiges Nervengas?

Es war keine schmutzige Bombe, sondern waffenfähiges Sarin, das in Syrien eingesetzt wurde und hunderte Menschen umbrachte. Dies steht im Expertenbericht und gibt Aufschluss über die Verantwortung für den Einsatz.

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Bildlegende: UNO- Generalsekretär Ban Ki-Moon bestätigt den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien vor den Medien. Reuters

Waffenfähiges Sarin nachgewiesen

2:17 min, aus HeuteMorgen vom 17.09.2013

Der Expertenbericht sei eine erschütternde Lektüre, sagt Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Er spricht von Kriegsverbrechen. Die Chemiewaffen-Experten der Uno sprechen von erdrückenden und eindeutigen Beweisen für einen massiven Giftgaseinsatz. Und: Das Nervengas wurde mittels Boden-Boden-Raketen eingesetzt.

Einsatzfertige Chemiewaffen

Damit ist auch die Schuldfrage geklärt: Es handelte sich nicht um eine simple schmutzige Bombe, nicht um Giftgas in niedrigerer Konzentration, sondern um waffenfähiges Sarin, um fixfertige C-Waffen. Solche besitzt in Syrien – nach allen heutigen Erkenntnissen – einzig das Regime von Baschar al-Assad.

Die Inspektoren stützen sich auf Besuche vor Ort, auf Befragungen von Opfern, Ärzten und Augenzeugen sowie auf Umweltproben, chemische Proben und medizinische Proben, also Untersuchungen von Haut, Blut oder Urin.

Ihr Schlussbericht war mit Spannung erwartet worden. Zwar dreht sich im Moment die politische Debatte nicht mehr primär darum, was am 21. August geschah. Im Vordergrund steht, wie man dafür sorgen kann, dass das Assad-Regime tatsächlich, wie am Wochenende in Genf vereinbart, sämtliche seine C-Waffen aushändigt und vernichten lässt. Und ob dafür am Ende doch noch Militärschläge nötig sind und zulässig wären.

Historische Wahrheit

Dennoch bleibt der Bericht enorm wichtig. Denn es geht auch um die historische Wahrheit. Erst jetzt liegt das Urteil einer neutralen Instanz vor, die anders als bisherige parteiische Geheimdienstaussagen, allseits akzeptiert werden müssten, sagt Ban Ki-Moon.

Der Bericht ist ausserdem von grösster Bedeutung, falls irgendwann Baschar al-Assad und seine Führungsriege tatsächlich vor einem internationalen Strafgericht landen.

Rund 1400 absichtlich vergaste Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, das dürfe nicht unbestraft bleiben, sagt Grossbritanniens Uno-Botschafter Mark Lyall Grant.