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International Tag der Entscheidung in Schottland

Knapp 4,3 Millionen Schotten sind stimmberechtigt. 97 Prozent haben sich für die Stimmabgabe registrieren lassen. Sie entscheiden, ob Schottland aus dem Vereinigten Königreich austritt. Bei einem Nein haben britische Parteien den Ausbau der Selbstverwaltungsrechte versprochen.

Vor der Kneipe «Die Goldene Regel» versammeln sich Befürworter der schottischen Unabhängigkeit ein allerletztes Mal, um von Tür zu Tür zu gehen. Sie tauschen Erfahrungen aus. Zweiergrüppchen spalten sich ab. mit Listen von noch unentschlossenen Wählern. Diese wollen sie ein letztes Mal besuchen.

Rolf und Gene werden zu Eileen geschickt, die eben ihr Chemiestudium abgeschlossen hat. Ob sie sich schon entschieden habe, fragen sie sie. Sie sei immer noch unentschlossen, sagt sie, es gebe gute Gründe für ein Ja und ein Nein.

Es entspinnt sich ein ausführliches, detailliertes Gespräch. Rolf und Gene – er ein Mitglieder der Nationalistenpartei, sie eine Grüne – versuchen, Antworten zu geben. Eileen, so wird bald einmal klar, neigt dazu, Ja zu stimmen, gibt aber keine Zusage.

Hohe Stimmbeteiligung erwartet

Trotz seltenen Ausrutschern ist dieser ernsthafte, zivilisierte Umgangston zum Markenzeichen dieser langen Referendums-Kampagne geworden. Seit 307 Jahren besteht die Union mit England und Wales. Heute steht sie auf dem Prüfstand.

Die Stimmbeteiligung soll alle bisherigen Rekorde brechen. Die letzten Meinungsumfragen versprechen den Gegnern der Unabhängigkeit einen hauchdünnen Sieg. Aber die Ergebnisse liegen innerhalb des statistischen Fehlerbereichs.

Zwischen 5 und 14 Prozent haben sich noch nicht entschieden. Das gilt nicht für die paar Hundert Separatisten, die sich gestern Abend in einem Park in Edinburgh versammelten. Sie wollen Ja stimmen und kritisieren die angebliche Befangenheit des britischen Senders BBC. Sie skandierten: «Where are you, BBC?»

Was auch immer die Schotten heute entscheiden: Am Freitagmorgen werden die Britischen Inseln anders aussehen, und andere Europäer werden das genau verfolgen.

Fakten zum Ablauf des Referendums

- Die Wahllokale sind zwischen 7 und 22 Uhr Lokalzeit geöffnet (8 und 23 Uhr MESZ).
- 97 Prozent der knapp 4,4 Millionen Schotten ab 16 Jahren haben sich registriert.
- Die Wahlforscher rechnen mit einer sensationell hohen Beteiligung von bis zu 93 Prozent.
- Teils werden die Stimmzettel mit Schiffen und Helikoptern nach Edinburgh gebracht.
- Sobald einer der 32 Stimmbezirke ausgezählt ist, wird das Ergebnis bekanntgegeben.
- Das Endresultat wird am Freitag zwischen 7.30 und 8.30 Uhr (MESZ) erwartet.

Liveticker

Liveticker

«Yes or No», heisst es heute für die Schotten. Wir halten Sie ab heute Abend in unserem Liveticker auf srf.ch/news über die Ereignisse auf dem Laufenden.

8 Kommentare

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  • Kommentar von A. Brunner, Zurich
    Massenmedien sagen knappe Nein-Mehrheit voraus und setzen sich so ein, wie zB auch srf.ch in der obigen Grafik "Sezessions-Bestrebungen in Europa" (die dann grafisch NICHT dargestellt werden!): und dem Text "Noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts galten Sezessionen als legitimer Weg zur Gründung neuer Staaten. Heute sind sie völkerrechtlich umstritten". Mensch fragt sich: 1) Jura nicht legitim ? 2) Früher Sezessionen nicht umstritten ? 3) Fördern Medien EU-Einheits-Brei > Sägen am eigenen Ast?
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  • Kommentar von A. Brunner, Zurich
    Die Schotten sind nicht das einzige Volk, das sein Schicksal in eigene Hände nehmen will, um von selbstgewählten, ihm bekannten Leuten regiert zu werden. Die vielen Bewegungen in Europa haben sich zur "European Free Alliance" zusammengeschlossen. Gemeinsam ist ihnen der Wunsch, für ein EUROPA DER VOELKER statt - wie heute der Grosskonzerne und Hochfinanz - zu kämpfen. (Die heutige EU hat keine demokratisch legitimierte Verfassung ! Barroso, Truchet, Draghi usw. wurden nie vom Volk gewählt !)
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Ein Grossteil der Schotten sind nicht die Einzigen die mehr Unabhängigkeit wollen! Flandern und Katalonien möchten das auch. Die wären natürlich - gegenteilig zu Brüssel - froh wenn die Schotten Ja zu einem Austritt stimmen würden. Zum Thema lohnt sich auch den Artikel von Freeman zu lesen
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Die Unabhängigkeit von Katalonien bzw. die Loslösung des nördlichen Teils von Südtirol, wo im Gegensatz zum sog. Welsch-Tirol im Süden fast nur Deutsch gesprochen wird, von Italien und die Wiedervereinigung mit Österreich sind zwei realistische Ziele. In mehreren Kommentaren habe ich hier immer wieder zugunsten der Katalanen und Südtiroler geschrieben. Was Flandern betrifft, ist das nicht realistisch, weil die Hauptstadt Brüssel, wo fast nur Franz. gesprochen wird, mitten drin liegt.
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    2. Antwort von M. Wyrsch, Luzern
      Juha Stump: Die grosse Mehrheit der Südtiroler würde nach Umfragen sich gegen eine Unabhängigkeit aussprechen. Ich war in den letzten Jahren oft im Südtirol, auch im nördlichen Teil, und habe mit den Menschen darüber gesprochen. Auch wenn sie sich in erster Linie als Südtiroler fühlen, sie sind sie mit der aktuellen Situation zu frieden. Das betrifft insbesondere die gewährte Autonomie von Italien. Für Viele in diesem Bereich sogar die bessere Lösung als eine Wiedervereinigung mit Österreich.
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