Nato-Gipfel in Brüssel Trumps Haltung zur Nato ist eine Wundertüte

Trump und Stoltenberg an Rednerpulten vor Mikrofonen, Trump spricht und schaut zum stoisch dastehenden Stoltenberg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im April hatte Nato-Generalsekretär Stoltenberg (l.) Trump im Weissen Haus besucht. Reuters

  • Donald Trump nimmt erstmals an einem Nato-Gipfeltreffen teil.
  • Der US-Präsident hatte die Nato als «überflüssig» bezeichnet, später aber eine Kehrtwende gemacht.
  • Für die europäischen Bündnispartner stellt sich darum die Frage: Was gilt nun?

Wenn Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit einer Auftaktpressekonferenz den Nato-Gipfel in Brüssel eröffnet, wird er die Einigkeit und Geschlossenheit der Militärallianz beschwören. Soviel ist jetzt schon sicher. Die Maxime lautet: Bloss keine Schwäche zeigen – angesichts von entschlossenen Widersachern des Westens wie Russland oder China.

Grosser Rückhalt der Nato in Europa

Stoltenberg erhält zudem willkommene Rückenstärkung durch eine repräsentative Umfrage des Pew-Forschungszentrums: Demnach geniesst die Nato grossen Rückhalt in praktisch allen Mitgliedsländern, am meisten in Polen und Holland. Das Vertrauen in die Nato ist seit 2013 sogar noch deutlich gewachsen.

«  Die USA brauchen Partner; nur so gibt es mehr Sicherheit – auch für die Amerikaner selber. »

Herbert Raymond McMaster
Sicherheitsberater von Donald Trump

Dennoch gibt es keinen Grund zur Selbstzufriedenheit. Das Hin und Her von US-Präsident Trump ist ein Problem für die Nato. Zwar nahm er seine Wahlkampfaussage, derzufolge das Bündnis «überflüssig» sei, zurück. Bloss: Gilt das auch noch nach dem nächsten Tweet?

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Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St.Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» und Chefredaktor der «Weltwoche».

Trumps Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster versucht vor dem Gipfel in Brüssel Ruhe zu verbreiten: «Die USA brauchen Partner; nur so gibt es mehr Sicherheit – auch für die Amerikaner selber.» Ebenso um Zuversicht bemüht ist die deutsche Kanzlerin Angela Merkel: «Die Nato als transatlantisches Bündnis wird ihren Aufgaben gerecht.»

Trump möchte die Nato gegen den IS einsetzen

Dennoch drohen dunkle Wolken über dem Brüsseler Treffen. Trumps Forderung, die Nato solle als Ganzes in den Kampf gegen die Terroristen des IS in Syrien eingreifen, lehnen Deutschland oder Frankreich entschieden ab. Und während die Amerikaner erwägen, ihr Kontingent in Afghanistan wieder aufzustocken, haben die wenigsten europäischen Partner Lust, dabei nachzuziehen.

Auch die Trumpsche Forderung nach höheren Rüstungsausgaben der europäischen Nato-Mitglieder stösst auf Widerstand, in Berlin und anderswo. Während umgekehrt die Europäer Trumps Lavieren gegenüber Russland misstrauisch beobachten.

Das Gipfeltreffen ist nur kurz, aber für Zwist ist gesorgt. Fragt sich, ob es dennoch gelingt, nach aussen einigermassen Einigkeit zu demonstrieren.