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International «Tsipras' Popularität ist ungebrochen»

Tabula rasa in der griechischen Politik. Alexis Tsipras ist als Ministerpräsident zurückgetreten und macht den Weg frei für Neuwahlen. SRF-Korrespondent Werner van Gent erklärt, was sich der Premier davon erhofft.

Legende: Video Tsipras tritt zurück abspielen. Laufzeit 2:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.08.2015.

Der griechische Premier Alexis Tsipras hat in einer Ansprache an die Nation seinen Rücktritt bekannt gegeben. Damit ist der Weg frei für Neuwahlen. Als Termin für den Urnengang ist der 20. September im Gespräch.

Er werde dann dem griechischen Volk Rechenschaft ablegen, was er seit seinem Regierungsantritt im Januar geleistet habe – «dann sollen sie von Neuem entscheiden». Jetzt wo das neue Hilfspaket unter Dach und Fach sei, brauche er ein neues «starkes Mandat» der Bürger, damit er demnächst Verhandlungen über eine Umstrukturierung des griechischen Schuldenbergs führen könne, sagte Tsipras.

Mit den Neuwahlen wolle Tsipras die Rebellion in der eigenen Partei bekämpfen, sagt SRF-Korrespondent Werner van Gent. Denn: «Bei der letzten Abstimmung zum Sparprogramm hatte es innerhalb der Syriza 44 Abweichler gegeben.» Tsipras kann das Sparprogramm deshalb nur mit HiIfe der Opposition realisieren – «das sind langfristig gesehen keine politisch tragfähigen Zustände», sagt van Gent.

Beliebter Premier

Zwar sei unsicher, ob der griechische Premier mit Neuwahlen die notwendige Mehrheit im Parlament erreiche, so van Gent weiter. «Aber Tsipras' Popularität ist ungebrochen.» Bei einer Umfrage Ende Juli hatten ihn über 60 Prozent positiv beurteilt.

Doch das könnte sich ändern, wenn die Sparmassnahmen erst einmal umgesetzt werden. Auch deshalb seien baldige Neuwahlen im Interesse Tsipras', sagt van Gent. Er geht davon aus, dass dies auch mit den europäischen Partnern so abgesprochen wurde.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Stefan Rathgeb abspielen. Laufzeit 3:23 Minuten.
Aus 10vor10 vom 20.08.2015.

Flüchtlinge als grosse Verlierer

Wenn Tsipras' Regierung am Montag zurück tritt, übernimmt während der folgenden Wochen eine Übergangsregierung die Geschäfte. Laut SRF-Korrespondent Stefan Rathgeb wird voraussichtlich die Präsidentin des obersten Gerichtshofs übergangsweise Ministerpräsidentin werden. Die grossen Verlierer von Tsipras' politischem Manöver seien indes die Flüchtlinge, hält Rathgeb fest. «Die Flüchtlingslage spitzt sich zu. Doch es ist nicht zu erwarten, dass eine Übergangsregierung sich in dieser Sache stark engagieren wird – obwohl das dringend nötig wäre.»

An der Grenze zu Mazedonien stauten sich Tausende Flüchtlinge, sagt Rathgeb. Er habe Schwangere und Kinder gesehen, die sich nur mit ihren Hemden und Badetüchern gegen den Regen schützen konnten. «Es gibt keine Toiletten, es gibt keine medizinische Versorgung.» Als Tsipras angetreten sei, habe er versprochen, dass unter seiner Regierung alle Flüchtlinge willkommen seien, sagt Rathgeb. «Aber davon war in den letzten Monaten herzlich wenig zu spüren.»

Syriza splittet sich auf

25 Abgeordnete der Syriza Partei bilden neu eine eigenständige Parlamentsfraktion. Chef der Gruppe werde laut Parlamentspräsidium Panagiotis Lafazanis sein, der Anführer des bisherigen linken Flügels der Partei. Der Name der neuen Fraktion ist Volkseinheit (LAE). Bald soll auch eine neue Linkspartei mit gleichem Namen gegründet werden.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Was Griechenland nötig hätte, wäre jemand mit dem Mut eines Miltiades und Leonidas, mit dem politischen Talent eines Perikles, mit dem Vermögen eines Onassis oder Niarchos und dem Willen, damit auch dem eigenen Volk zu helfen, aber auch mit der Weisheit eines Sokrates oder Platon im Wissen, dass es mit dem Kopf durch die Wand nicht geht, sondern auch die Zusammenarbeit mit mächtigeren Nachbarn unumgänglich ist. Mit der Türkei läuft es ja schon ganz gut - warum nicht auch mit der EU?
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      Die EU handelt nach dem Befehls der USA - und die wollen 1.jegliche Zusammenarbeit mit Russland verhindern und 2.möglichst viele Länder versklaven durch Verschuldung. Das Grundwasser in GR soll ebenso privatisiert werden wie viele Häfen oder kleine Inseln...
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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Dieser Tsipras kam, sah, versprach Geld zu verteilen (das schon längst gar nicht mehr vorhanden war!), wurde gewählt, musste bald einmal als "Bettelknabe" in Brüssel auftreten, Befehle schlucken und jetzt verlässt der Premier das "sinkende Schiff"! Schadenfreude ist aus schweizerischer Warte aus unangebracht: Auch bei uns (zB. bei der BDP) verliessen oder werden weitsichtige Parteisoldaten das sinkende Schiff vor den Wahlen im Herbst verlassen (Grunder, Haller, Siegenthaler, usw.)!
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  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    Ich bin jetzt zuversichtlich. Eine konservative Regierung wird GR aus dem Sumpf ziehen!
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