Tsipras schickt reformunwillige Minister in die Wüste

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat seine Regierung umfassend umgebildet. Die Aktion dürfte vor allem den schlechten Umfragewerten seiner linken Regierungspartei Syriza geschuldet sein. Und dem Widerstand einiger der nun Geschassten gegen Tsipras' Reformen.

Tsipras Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tsipras' Botschaft ans Ausland: «Wir bleiben auf Reformkurs!» Die Nachricht an die eigenen Wähler: «Bleibt uns treu!» Reuters

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat mehrere neue Minister ernannt, die in Kürze vereidigt werden sollen. Mit der umfassenden Regierungsumbildung reagiert er laut Beobachtern in Athen auf die Schlechten Umfragewerte seiner Syriza. Nach aussen wolle der Regierungschef mit der Umbildung ein Zeichen der Stabilität setzen.

Zusatzinhalt überspringen

Regierung vereidigt

Einen Tag nach ihrer umfangreichen Umbildung ist die neue griechische Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras am Samstag vereidigt worden.

Reformgegner fliegen aus der Regierung

Gehen müssen jene Minister, die sich wiederholt gegen Reformen gesträubt hatten – etwa Schifffahrtsminister Thodoris Dritsas, der sich gegen die Verpachtung der Häfen von Piräus und Thessaloniki an internationale Investoren gewandt hatte. Oder auch Kultusminister Aristidis Baltas, der mit juristischen Mitteln versucht hatte, den Verkauf des alten Athener Flughafens zu verhindern.

Zudem wurde der bisherige Energieminister Panos Skourletis ins Innenministerium versetzt. Er hatte die Privatisierung der Elektrizitätsgesellschaft und anderer griechischer Staatsfirmen torpediert.

Finanzminister Euklid Tsakalotos, verantwortlich für die Verhandlungen mit den internationalen Gläubigern und für den Sparkurs Griechenlands, ist dagegen weiterhin gesetzt. Damit wolle Tsipras zeigen, dass er hinter der Spar- und Reformpolitik steht, die dem notorisch pleitebedrohten Land von den Gläubigern verordnet wurde, meinen Beobachter.

Neue Syriza-Gesichter und Zugeständnis an die Rechtspopulisten

Aber auch innenpolitisch setzt Tsipras ein Zeichen. So wurden viele jüngere, unverbrauchte Parteimitglieder befördert. Unter anderem die 31 Jahre alte Efi Ahtsioglou aus Thessaloniki, die künftig das Ministerium für Arbeit leitet.

Tsakalotos Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Er bleibt: Finanzminister Euklid Tsakalotos ist für die Verhandlungen mit den Gläubigern und den Sparkurs verantwortlich. Keystone

Aufgewertet wurde zudem der Juniorpartner der Regierung, die rechtspopulistische Partei «Unabhängige Griechen». Sie behält das Verteidigungsministerium und stellt künftig zusätzlich die Ministerin für Tourismus.

Gestärkt wird das Engagement in der Flüchtlingskrise. So gibt es künftig ein Migrationsministerium unter Leitung des Migrationsministers Ioannis Mouzalas, der bisher dem Innenministerium zugeordnet war.

Skeptische Opposition

Die Opposition, die schon länger Neuwahlen fordert, äusserte sich kritisch zur neuen Formation. «Es handelt sich um die Umbildung einer sowieso gescheiterten Regierung», hiess es am Abend in einer Mitteilung der oppositionellen konservativen Partei Nea Dimokratia.