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International Ukraine: So richtig ernst wird die Waffenruhe nicht genommen

In der Ostukraine ist am Samstag um Mitternacht Ortszeit eine Waffenruhe in Kraft getreten. Theoretisch. In vielen Gebieten sind die Angriffe zwar zurückgegangen. Aber nicht so beim Verkehrsknotenpunkt Debalzewe. Allein in den letzten 36 Stunden soll es über 100 Artillerie-Angriffe gegeben haben.

Legende: Video Waffenruhe in der Ukraine seit Mitternacht abspielen. Laufzeit 1:30 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.02.2015.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Um Samstag Mitternacht ist in der Ostukraine eine Feuerpause zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Aufständischen in Kraft getreten.
  • Die vereinbarte Waffenruhe scheint nicht durch grössere Gefechte verletzt worden zu sein.
  • Gekämpft wird offenbar weiterhin in der strategisch wichtigen Stadt Debalzewe.
  • Beide Seiten melden jedoch Verstösse. Bei einem Raketenangriff der Separatisten sollen zwei Zivilisten ums Leben gekommen sein.
Ein Mann in Militärkleidunhg kontrolliert einen Wasserkessel auf einer Feuerstelle
Legende: Zeit für ein heisses Getränk: Im von Separatisten kontrollierten Donezk scheint die Waffenruhe bislang zu halten. Reuters

Nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe in der Ostukraine ist die Lage unübersichtlich. An gewissen Orten scheint die seit Samstag Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr MEZ) vereinbarte Feuerpause zu halten. Dennoch werfen sich die Konfliktparteien gegenseitig Verstösse vor.

Gefechtslärm in Debalzewe

Die Regierungstruppen würden weiterhin angegriffen, sagte ein Militärsprecher in Kiew. Augenzeugen berichteten von Artilleriefeuer in der Region. Aus Militärkreisen verlautete, seit Beginn der ausgerufenen Waffenruhe in der Nacht zum Sonntag seien vier ihrer Soldaten getötet worden. Zudem habe es 21 Verwundete gegeben.

Der ukrainische Aussenminister Pawlo Klimkin rechnete vor, dass sich in den vergangenen 24 Stunden insgesamt 112 Fälle von Artillerie- und Raketenbeschuss durch die Rebellen ereignet hätten.

Im Gebiet Lugansk blieb es nach Darstellung der Separatisten ruhig – ebenso in der Stadt Donezk, wie Journalisten vor Ort berichten.

Wiederum anders erweist sich das Bild in Marioupol, einer von Kiew gehaltenen Hafenstadt in der Nähe von Debalzewe. Laut einem ukrainischen Militärsprecher seien seit Inkrafttreten der Waffenruhe bei Rebellen-Angriffen mindestens fünf ukrainische Soldaten getötet und 22 andere verletzt worden.

Auch Regierungstruppen schiessen weiter

Laut dem stellvertretenden Stabschef der Volkswehr der selbsterklärten Volksrepublik Donezk, Eduard Bassurin, hätte allerdings auch die ukrainische Armee gegen die Waffenruhe verstossen. Ukrainische Truppen hätten bei den Orten Debalzewe und Gorlowka sowie am Donezker Flughafen die Aufständischen unter Beschuss genommen, sagte der Separatistenführer am Sonntagmorgen Agenturen zufolge.

Russischer Hilfskonvoi überquert Grenze

Mit Beginn der Waffenruhe in der Ostukraine hat Russland den mittlerweile 14. Hilfskonvoi mit rund 1800 Tonnen Ladung in das Krisengebiet geschickt. Mehr als 170 weisse Lastwagen mit der Aufschrift «Humanitäre Hilfe der Russischen Föderation» überquerten am Sonntagmorgen die Grenze zur Ukraine, wie der Zivilschutz mitteilte.

Die Ukraine kritisiert Russlands Hilfskonvois als Verletzung ihrer Souveränität. Sie wirft dem Nachbarland vor, den Separatisten auf diese Weise Nachschub wie etwa Waffen und Munition zu bringen. Russland weist dies vehement zurück und begründet die Hilfe mit der humanitären Katastrophe, die auch von einer ukrainischen Wirtschaftsblockade des Donbass verschärft worden sei.

Abzug schwerer Waffen in Vorbereitung

Die Militärführung in Kiew bereitet nach eigener Darstellung den Rückzug schwerer Kriegstechnik vor. Dmitri Kuleba vom ukrainischen Aussenministerium machte jedoch deutlich, dass die Geschütze nur gleichzeitig mit den Waffen der prorussischen Separatisten abgezogen würden.

Durch den Rückzug der Waffen soll eine entmilitarisierte Pufferzone im Konfliktgebiet entstehen.

Die Lage in der Ukraine

Gibt es eine diplomatische Lösung im Ukraine-Krieg? Wo verlaufen die Fronten zwischen ukrainischer Armee und Separatisten? Sind wirklich russische Soldaten in der Ostukraine im Einsatz? SRF beantwortet die wichtigsten Fragen zum Krieg in der Ukraine.

145 Kommentare

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  • Kommentar von P.Eigenmann, KT.ST.Gallen
    IN meinen Augen Wirt sehr einseitig Kommentiert die Rebellen sind immer die Braven und die Regierung und der Westen die Bösen dabei ist ja umgekehrt!!!!!!!!!???????
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ P. Eigenmann: Nur z.B.: Haban die USA und EU die Schuld für den Absturz von MH17 Russland in die Schuhe geschoben und darauf hin Sanktionen beschlossen ? Ist heute bewiesen, wer MH17 abgeschossen hat, liegt das Resultat der internationalen Untersuchung vor? Was halten Sie davon, jemanden ein schweres Verbrechen vorzuwerfen und ihn dafür zu bestrafen, wenn noch Monate später immer noch nicht bewiesen ist, wer letztlich verantwortlich ist für die Tat? Ist das hinnehmbar?
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  • Kommentar von N.Belg, Luzern
    F.B. UA muss Debaltzewo verlassen!!! Aufständischen abschiessen nicht, nur antworten. Vor dem Waffenstillstand hat UA Lugansk diese Tage durch bombardiert!!! Wofür hat ein Mensch ein Gehirn???
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Noch besser E.Belg: Alle sollen sich an den Waffenstillstand halten, überall, ohne Wenn und Aber, dann werden vertragsgemäss die schweren Waffen zurückgezogen und das Abkommen wird Schritt für Schritt umgesetzt. Die Menschen brauchen Frieden und keine Putin-Machtspiele!
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Leider hat Poroschenko schon am Sonntag angekündigt, dass er die schweren Waffen nicht abziehen wird. Jetzt tun es die Separatisten halt auch nicht mehr. Und es ist Putin, der beide Parteien dazu aufordert es zu tun & sich unbedingt an den Waffenstillstand zu halten. Poroschenko aber will Waffen aus Amerika & der EU! Dafür tut er eben alles, nur keine Waffenruhe & sich an getroffene Vereinbarungen halten. Würde sie halten, gäbe es keine Waffen für ihn. Alles Kalkül.
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    3. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ F. Buchmann: falls Sie es nicht mitbekommen hätten: sowohl Poroschenko wie auch rechtsradikale ukrainische Kämpfer haben kurz nach der Abmachung das Minsker-Protokoll relativiert oder abgelehnt. Wie sollen sich da die Separatisten verhalten, wenn sie null Vertrauen haben können, dass sich die Gegenseite an das Abkommen halten wird? Ihre Faktenresistenz und Rosabrille wird immer offensichtlicher. Der Realität ins Auge zu sehen, ist Voraussetzung für richtige Entscheide!
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    4. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ F. Buchmann: Haben Sie schon mal von den USA gehört, dass sie Druck auf Kiew ausüben, sich am Abkommen zu halten oder, dass sie die rechtsradikalen Kämpfer krisierten dafür, dass sie sich nicht am Abkommen halten wollen?
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    5. Antwort von N.Belg, Luzern
      Eben mit "wenn und aber", Poroschenko will nicht seine angekesselte Söldner retten. Bleiben sie dort am verhungern, wenn die Waffen ausgehen? Gestern Zacharchenko sagte zu UA Söldner, die sich ausgegeben haben: "Ihr seid egal für Poroschenko!" Und später sagte, sie sollen sich sauber machen und essen bekommen".
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    6. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Kaum wird die Monotonie der Putin-Propaganda "gestört", steht ein ganzer "Chor" auf der Matte, um zu "beweisen", dass alles "genau umgekehrt" ist :-) Ich kann nichts dafür, dass die Realität nicht in Ihr Weltbild passt, und ich habe keine Zeit und keine Lust, das alles nochmals "durchzukauen". Ich wünsche den betroffenen Menschen von Herzen, dass sich die Vernunft gegen Rechthaberei und Machtgehabe durchsetzt!
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  • Kommentar von Thomas Ceskutti, Kloten
    ...und immernoch glaubt man, nur die Russen sein die Bösen. Ich sage NEIN - das glaub ich nicht! Ich glaube, der sogenannte Westen sollte aufhören sich da einzumischen. Ich glaube auch das Putin da nicht viel zu melden hat, in diesem beschämenden Konflikt. Längst ist aus diesem Gemetzel ein unverständliches Politikum geworden. Hoffen wir - das dieser menschenunwürdige Konflikt regional bleibt ! Mehr können wir einzelne Bürger wohl nicht tun.
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