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International Ukrainische Anti-Terror-Einheiten wechseln die Seiten

Der Anti-Terror-Einsatz der ukrainischen Regierung gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes stockt. In den Städten Kramatorsk und Slawjansk liefen Regierungseinheiten mit bis zu zehn gepanzerten Fahrzeugen zu den Aktivisten über.

Legende: Video In der Ukraine spitzt sich die Lage weiter zu abspielen. Laufzeit 1:30 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.04.2014.

Örtliche Medien berichteten, die Truppen des Anti-Terror-Einsatzes seien mit den Fahrzeugen durch die beiden Städte rund 80 Kilometer nördlich der Gebietshauptstadt Donezk gefahren. Eigentlich waren die ukrainischen Einheiten zur Bekämpfung der moskautreuen Aktivisten in den Osten des Landes beordert worden. Das Verteidigungsministerium in Kiew wies die Berichte zurück.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Christoph Wanner. abspielen. Laufzeit 2:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.04.2014.

SRF-Korrespondent Christoph Wanner konnte jedoch mit eigenen Augen am Mittwochmorgen das Überlaufen der Soldaten beobachten. Rund 100 Armeeangehörige hätten in Kramatorsk die Seiten gewechselt. Danach hätten die pro-russischen Kämpfer die gepanzerten Fahrzeuge übernommen und nach Slawjansk gebracht.

Wieso die ukrainischen Soldaten ihre Waffen strecken, scheint für Wanner klar zu sein. «Die Mehrheit der Soldaten würde nicht auf die pro-russischen Aktivisten schiessen, weil sie ihnen wahrscheinlich nicht gewachsen wären. Dazu kommt, dass sie Soldaten schlecht bezahlt, schlecht ausgebildet und schlecht ausgerüstet sind. Die Moral der Truppe ist ganz weit unten.»

Bevölkerung traut sich nicht raus

In Slawjansk berichteten Bewohner der Nachrichtenagentur dpa, dass in der Bevölkerung Angst herrsche und sich kaum noch jemand auf die Strasse traue. In die ostukrainische Stadt sind sechs Panzer mit einer russischen Flagge eingefahren. Auf den Fahrzeugen sassen schwer bewaffnete Männer in Uniformen mit unterschiedlichen Tarnmustern. Es handelte sich offenbar um pro-russische Aktivisten.

Die Panzer, die auch die Separatisten-Flagge trugen, machten halt vor dem Rathaus der Stadt, das vor einigen Tagen von den Separatisten eingenommen worden war. Ukrainische Soldaten waren in Slawjansk nicht zu sehen. In der Stadt sind mehrere öffentliche Gebäude unter Kontrolle der pro-russischen Kräfte.

Die Männer auf den Radpanzern trugen zum Teil Sturmhauben und waren mit Kalaschnikow-Gewehren, Granatwerfern, Messern und Pistolen bewaffnet. Eines der Fahrzeuge trug das Emblem der von den Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk. Einige Bewohner der Stadt winkten den Männern zu und riefen: «Russland, Russland» oder «Gut gemacht, Jungs!».

Bürgerwehren gegen Separatisten

In der Gebietshauptstadt Donezk übernahmen Maskierte gewaltlos den Stadtrat. In anderen Städten der Region bildeten sich Bürgerwehren. Sie wollten die Sicherheitskräfte der prowestlichen Führung in Kiew unterstützen und sich gegen die Separatisten verteidigen. Die Ausrufung eines Ausnahmezustandes im Osten lehnte Verteidigungsminister Michail Kowal ab.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Peinlicher geht es nun wirklich nimmer - sogar die eigenen Soldaten laufen der Kiewer-Pseudoregierung davon.
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  • Kommentar von Francois Wiget, 8633 Wolfhausen
    Die USA sind ein imperialistischer Schurkenstaat und ihr Vasale die EU, angeführt durch Sigmar Gabriel, will sich nach Osten ausbreiten. Der Westen und die Nato halten sich nicht an die Abmachungen, die nach dem Mauerfall mit Russland getroffen wurden. Es bleibt zu hoffen, dass die Schweiz neutral bleibt, so wie während des zweiten Weltkriegs und keine gemeinsame Sache mit Brüssel und den USA macht. Die Parallelen zum 2. Weltkrieg sind erstaunlich!
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  • Kommentar von E. Qurer, Buchs SG
    ...Wieso die ukrainischen Soldaten ihre Waffen strecken,scheint für Wanner klar zu sein.«Die Mehrheit der Soldaten würde nicht auf die pro-russischen Aktivisten schiessen,weil sie ihnen wahrscheinlich nicht gewachsen wären.Dazu kommt,dass sie Soldaten schlecht bezahlt,schlecht ausgebildet und schlecht ausgerüstet sind.Die Moral der Truppe ist ganz weit unten.»...Vielleicht sollte Herr Wanner mal darüber nachdenken, dass die Truppen einfach nicht auf die eigene Bevölkerung schiessen wollen!
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    1. Antwort von Marianne Roe, Gwatt
      Wer eine solche Meinung hat wie Herr Wanner, der dürfte auf keinen Fall als Korrespondent oder als irgend etwas in einem Öffentlichen Unternehmen arbeiten, wenn man das so nennen darf. So weit ist unser Fernsehen und Radio in der Schweiz. Es müssen Klagen folgen von uns Schweizern gegen solche Zustände. Nur hier unseren Frust auszulassen, nützt nichts und das SRF lacht nur darüber. Es gibt auch Moderatoren am Fernsehen, die vor dem Auftreten auf Drogenkonsum getestet werden sollten.
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