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Syrische Gefängnisse als Vorhof zur Hölle
Aus Tagesschau vom 08.02.2016.
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International UNO: In Syrien werden systematisch Häftlinge getötet

In syrischen Gefängnissen sind in den letzten viereinhalb Jahren tausende Häftlinge gefoltert, verschleppt und getötet worden. Dies zeigt eine Untersuchungskommission des UNO-Menschenrechtsrates. Auch in Gefangenenlagern extremistischer Gruppen wird gequält und getötet.

In syrischen Gefängnissen sind Folter, Vergewaltigungen, Morde und weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit alltägliche Praxis, wie die vom UNO-Menschenrechtsrat berufene Untersuchungskommission für Syrien mitteilt.

Viele andere Häftlinge seien durch Krankheiten infolge unhygienischer Zustände sowie die Verweigerung medizinischer Hilfe ums Leben gekommen.

Männer hinter Gittern
Legende: Der Bericht macht das Assad-Regime für die Verbrechen hinter Gittern verantwortlich. Reuters

Viele junge Männer inhaftiert

Zehntausende Menschen seien im März 2011 von Sicherheitskräften der Regierung unter Präsident Baschar al-Assad inhaftiert worden, vor allem Männer und männliche Jugendliche von etwa 15 Jahren an, heisst es weiter.

Für Verhaftungen reiche dem Regime schon ein Verdacht, dass jemand mit der Opposition sympathisiere. Tausende seien seit ihrer Festnahme bis heute «verschwunden», stellt die Kommission in einem umfangreichen Bericht zur Tötung Gefangener in Syrien fest.

Grauenhafte Übergriffe

Eine konkrete Zahl getöteter Gefangener könnten die Ermittler allerdings nicht

«Der Westen hat sich verkalkuliert»

nennen, wie der Präsident der Untersuchungskommission, Paulo Sérgio Pinheiro, einräumte. Er verwies darauf, dass die syrische Regierung seit Jahren die Einreise der UNO-Experten verhindere. Der Bericht stütze sich auf Befragungen von 621 Zeugen ausserhalb Syriens sowie per Telefon und auf Dokumente.

Ex-Gefangene hätten von grauenhaften Übergriffen und Zuständen in Gefängnissen berichtet. «Das Schreckgespenst einer Festnahme oder Entführung und der schier unvermeidliche Horror, der dann folgt, haben Gemeinden überall im Land paralysiert», sagte Pinheiro.

Der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und der radikalislamischen Al-Nusra-Front werfen die Ermittler willkürliche Massenhinrichtungen von Soldaten sowie Exekutionen von Gefangenen nach Todesurteilen durch illegale Gerichte vor. Auch einige der eher gemässigten Rebellengruppen hätten gefangene Soldaten nach illegalen Prozessen in ganzen Gruppen umgebracht.

Audio
Vereinte Nationen beklagen Kriegsverbrechen in Syrien
02:49 min, aus Echo der Zeit vom 08.02.2016.
abspielen. Laufzeit 02:49 Minuten.

Alle Beteiligten müssen handeln

Die Verantwortung für die Verbrechen müsse Teil einer politischen Lösung sein, sagte Pinheiro. Um die Situation in Syrien zu verbessern, seien dringende Massnahmen von allen Beteiligten erforderlich, dazu gehörten die Regierung, die oppositionellen Gruppen, externe Akteure aber auch die internationale Gemeinschaft. «Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit», sagte die ehemalige UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte, die ebenfalls der Kommission angehört.

Die Syrien-Gespräche in Genf sind bis zum 25. Februar vertagt worden. In fünf Jahren forderte der Konflikt über 260'000 Todesopfer, 6,5 Millionen Vertriebene und 4,6 Millionen Flüchtlinge.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller  (kira)
    Putin feuert weiterhin Bomben auf die Bevölkerung. Es scheint, dass er seinen ganzen Frust in sich damit herauslässt. Er macht immer weiter - egal wer darunter leiddet. Frage mich was er vom Assad Regim dafür erhält? Will er damit seine Staatskasse aufbessern? Diese Kriegswütigen und auch die Folterknechte von Assad gehören vor ein Kriegsgericht. Mir tun die vielen Millionen Menschen aus Syrien leid. Soviel Elend, Hunger, Vertreibung aus der Heimat ohne Perspektiven. Einfach nur traurig.
    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Was denken Sie würde mit Syrien geschehen, würde sich Assad mit Hilfe Russland nicht gegen die Rebellen verteidigen können?
  • Kommentar von u. Felber  (Keule)
    Bürgerkriege sind die dreckigsten aller! Es ist immer sehr viel Hass und Vergeltung im Spiel.
    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @ u. Felber: Da haben Sie natürlich recht. Die Berichterstattung und der gewählte Zeitpunkt, ist trotzdem bemerkenswert. Man "riecht" die Manipulation der Nachritenempfänger dahinter.
    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Es ist kein Bürgerkrieg!
  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Wer waren diese Häftlinge? Rebellen, welche das Land terrorisierten? Die Geschichte beginnt ja erst übel zu werden, als von aussen eingedrungene und unterstützte Rebellen das Land mit Gewalt zu destabilisieren drohten. Das entschuldigt die Gräuel keineswegs, wofür die Regierung Assads gerade stehen muss. Aber man kann auch sagen, diese Zustände hätte es so ohne die von aussen eingedrungenen gewalttätigen Rebellen nicht gegeben. Die Berichterstattung ist problematisch.
    1. Antwort von u. Felber  (Keule)
      Diese Zustände existieren schon sehr lange, Assads Folterer waren vor dem Krieg schon berüchtig. Natürlich will man das aber nicht wahrhaben.
    2. Antwort von Christian Szabo  (C. Szabo)
      @Felber: Sie haben Recht. Die syrischen Gefängnisse waren bekannt für ihre Foltermethoden. So bekannt, dass NATO-Staaten ihre Gefangenen dort fremdfoltern ließen. Doch da ist Syrien in prominenter Gesellschafft.