Gewaltexzesse gegen Rohingya UNO «zutiefst besorgt» über Lage in Burma

Rohingya auf der Flucht durch Reisfelder an der burmeischen-bangladeschischen Grenzen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tausende Rohingya flüchten nach Bangladesch – vor der immer grösseren Gewalt gegen sie in ihrem Heimatland Burma. Keystone

  • In Burma sind im Bundesstaat Rakhine innert einer Woche mindestens 399 Menschen getötet worden.
  • Laut der Armee sind unter den Toten 370 Rohingya (muslimische Minderheit), 15 Sicherheitskräfte und 14 Zivilisten.
  • Angesichts der Gewalteskalation stellt das Welternährungsprogramm der UNO (WFP) seine Hilfe in Rakhine zwischenzeitlich ein.
  • Davon sind120'000 Vertriebene betroffen, die derzeit keine Lebensmittelhilfe bekommen. Die meisten von ihnen sind Rohingya.
  • UNO-Generalsekretär Antonio Guterres warnt vor einer humanitären Katastrophe.

Guterres sei «zutiefst besorgt über Berichte von Exzessen» bei Einsätzen der burmesischen Sicherheitskräfte im Bundesstaat Rakhine. Das teilt ein UNO-Sprecher mit.

Die Armee hatte zuvor mitgeteilt, bei Kämpfen seien innerhalb einer Woche 370 «Terroristen» der muslimischen Minderheit Rohingya getötet worden.

Der Konflikt im Bundesstaat Rakhine hatte vor einer Woche eine neue Eskalationsstufe erreicht, nachdem Rohingya-Rebellen Polizei- und Armeeposten im Norden der Provinz angegriffen hatten.

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Buddhisten gegen Rohingya

Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Burma betrachten die Rohingya als illegale, staatenlose muslimische Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele von ihnen schon seit Generationen in Burma leben. Sie gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt.

Zum Thema empfehlen wir den Artikel «Das andere Gesicht des Buddhismus».

Mindestens 38'000 Angehörige dieser muslimischen Volksgruppe flohen ins Nachbarland Bangladesch – dutzende ertranken dabei in einem Grenzfluss. Nach Angaben der UNO sitzen an dieser Grenze noch rund 20'000 Rohingya fest.

Tausende ohne Lebensmittelhilfe

Das Welternährungsprogramm (WFP) stellt angesichts der Gewalt seine Hilfe in Rakhine ein. Das Hilfswerk begründet den Entscheid mit zu grosser Unsicherheit in der Region. Das WFP stimmt sich nach eigenen Angaben mit den Behörden ab, um die Nahrungsmittelhilfen «so schnell wie möglich» wieder aufzunehmen.

Die Behörden in Burma werfen Hilfsorganisationen immer wieder vor, sie würden es zulassen, dass die Lebensmittelhilfe in die Hände der Rohingya-Rebellen fielen. Die Organisationen werden zudem regelmässig beschuldigt, auf Seiten der Rohingya zu stehen.

Seit 2012 waren rund 120'000 Menschen in Flüchtlingslagern von Hilfen abhängig.