Spionageverdacht US-Regierung verbietet russische Kaspersky-Software

Ein Spiegel reflektiert einen Computerbildschirm auf einer Tastatur. Auf der Spiegelung sind binäre Codes. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Russische Softwarefirma Kaspersky unter Spionageverdacht. Keystone

  • US-Bundesbehörden dürfen in Zukunft keine Sicherheitssoftware des russischen Herstellers Kaspersky mehr verwenden.
  • Der Einsatz von deren Anti-Virus-Software könne die nationale Sicherheit gefährden, teilte die Regierung von US-Präsident Donald Trump mit.

Das Ministerium für Innere Sicherheit begründete das Verbot mit vermuteten Beziehungen zwischen Vertretern von Kaspersky und russischen Geheimdiensten. Somit bestehe das Risiko, dass die russische Regierung über Kaspersky-Produkte die Sicherheitssysteme der US-Behörden kompromittieren könnte.

Die Behörden hätten nun drei Monate Zeit, um andere Software-Lösungen zu finden. Kaspersky stellt Sicherheitsprogramme und Anti-Viren-Software her. Das Unternehmen weist Verbindungen zum Kreml zurück.

Grosser Anbieter von Anti-Viren-Software

Kaspersky Lab ist einer der weltweit grössten Hersteller von Anti-Viren-Software. Auch viele private Computernutzer haben einen Virenschutz des russischen Herstellers installiert. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in fast 200 Ländern tätig und soll 400 Millionen Software-Nutzer haben, davon 270 000 Firmenkunden.

Chef des Unternehmens ist Jewgeni Kaspersky. Er schloss 1987 sein Studium in Mathematik und Verschlüsselungstechnik an der damaligen Hochschule des KGB ab. Später entwickelte er das Antivirenprogramm AVP, für das er seine eigene Firma gründete.

Spätestens seit den Vorwürfen der Amerikaner, Russland habe mit einem Cyberangriff die Präsidentschaftswahlen beeinflusst, ist seine Herkunft zum
Problem des Unternehmens geworden. Ende Juni hatten das FBI die Wohnungen von mehreren Kaspersky-Mitarbeitern in den USA durchsucht. Kaspersky selbst hatte damals erklärt, sein Unternehmen habe nichts mit den russischen Cyber-Attacken zu tun. Er wolle mit den US-Behörden kooperieren.

Die Reaktion aus Russland liess nicht lange auf sich warten. Die russische Botschaft in Washington hat den US-Behörden wegen ihres Vorgehens gegen die Software-Firma Russenfeindlichkeit vorgeworfen. «Mit Erschrecken beobachten wir die täglichen Berichte über die russophobische Front in den USA», teilte die Vertretung der Agentur Interfax zufolge