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US-Wahlen Clinton oder Trump? «Die Auswahl ist schockierend»

Die USA sind ein Zweiparteienland, aufgeteilt in Republikaner und Demokraten. Diesmal tun sich besonders die Konservativen schwer mit ihrem Präsidentschaftskandidaten. Donald Trump ist kaum einzuordnen, auch für die Leute am Claremont Institute, der Denkfabrik in Südkalifornien.

Bill Voegeli vor zwei Gemälden an einer Wand.
Legende: Konservativer mit Schweizer Vorfahren: Bill Voegeli, Herausgeber des «Claremont Review of Books». SRF/Max Akermann

Von aussen ist das Claremont Institute ein graues Bürogebäude wie jedes andere in der unendlichen Häuserwüste des Grossraums Los Angeles. Ein dreistöckiger Klotz, der robust aussieht und doch nur vor allem aus Spanplatten besteht. Im Innern verströmen jedoch schwere, dunkle Ledersessel, massive Schreibtische und üppig bestückte Bücherregale einen Hauch von Kolonialstil-Atmosphäre.

Die Gründerväter nicht vergessen

An den Wänden hängen Bilder von Lichtgestalten der amerikanischen Geschichte. Für Bill Voegeli sind die Gründerväter der Vereinigten Staaten zwar nicht gerade Götter, aber doch unvergleichlich viel wichtiger für die USA als alle ihre Nachfolger.

Claremont Institute von aussen, dunkle Wolken, Abendsonne.
Legende: Republikaner sind eher konservativ, Demokraten eher liberal. Das elitäre Claremont Institute steht ersteren nahe. SRF/Max Akermann

Voegeli, dessen Urgrossvater Willy Voegeli hiess und aus Grafenried bei Bern in die USA auswanderte, ist ein überzeugter Konservativer. Im Gegensatz zu den Progressiven, die glaubten, die Welt ständig verbessern zu müssen und auch zu können, seien die Konservativen viel pessimistischer, erklärt er. Angesichts all der schlechten Erfahrungen, der extrem blutigen Menschheitsgeschichte, der Brutalität und Dummheit der Menschen sei es schon schwer genug, den kompletten Zerfall zu verhindern.

Möglichst wenig staatliche Eingriffe

Veränderungen bekämpfen, statt für scheinbare Verbesserungen einzutreten – das sei das Gebot der Stunde. Und das predigen Politphilosoph Voegeli und seine Kollegen im vornehm-elitären Claremont Institute seit Ende der 1970er-Jahre, seit der Ära von Ronald Reagan. Sie tun es mit der in rechts-konservativen Kreisen geschätzten Vierteljahreszeitschrift «Claremont Review of Books», mit Sommerseminarien für junge Akademiker und mit Konferenzen und Vorträgen.

Das Clarement Institute will mithelfen, die philosophische Grundlage des Konservativismus zu stärken, gleichzeitig aber vertritt es handfeste politische Forderungen. Zum Beispiel jene, den Staat möglichst klein zu halten. Der Staat solle nur machen, was unbedingt nötig ist: Die Grenzen bewachen und die innere Sicherheit wahren, heutzutage vor allem den Islamismus und den internationalen Terror bekämpfen. Im Land selber soll er die Redefreiheit gewährleisten und für die USA möglichst vorteilhafte internationale Verträge abschliessen – nicht viel mehr.

Trump ist kein echter Konservativer

Donald Trump würde das wohl unterschreiben, glaubt Voegeli. Doch wer wisse schon, was Trump wirklich glaube. Persönlich hätte der konservative Voegeli jeden anderen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump vorgezogen. Der sei ein Zufallsprodukt, ein Resultat eines verfehlten Auswahlverfahrens – und wahrscheinlich gar kein Konservativer im üblichen Sinne.

Aber jetzt sei der egozentrische Immobilienhai nun mal offizieller republikanischer Kandidat – und sicher besser als Hillary Clinton. Diese habe in ihrer ganzen politischen Karriere versucht, den Staat auszubauen, statt ihn zu verkleinern. Und das werde sie als Präsidentin weiter tun, ist Voegeli überzeugt.

Losverfahren wäre besser gewesen

Er – Voegeli – werde deshalb Trump wählen. Und sei es auch nur, damit die wahrscheinliche Präsidentin Hillary Clinton eine Stimme weniger erhalte. Die Auswahl aber, die er und alle anderen Wählerinnen und Wähler 2016 hätten, «ist im Grunde genommen schockierend», fährt er fort.

Als vor mehr als 200 Jahren in den USA weniger als fünf Millionen Menschen lebten, wurde das Land von Leuten wie Washington, Franklin, Madison oder Jefferson geführt. Jetzt, mit 325 Millionen Einwohnern, stünden Hillary Clinton und Donald Trump zur Wahl. Hätte man die Kandidaten ausgelost, wäre es wohl besser herausgekommen, so Voegeli.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    Er war auch vorher ein Demokrat, hatte angeblich auch Tage vor der Wahl keine Chance und vieles mehr..... aber er entpuppte sich als einer der besten Präsidenten der Neuzeit der USA!
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  • Kommentar von A. von Burg (avb)
    Es ist doch nur noch lächerlich- egal ob Trump oder Clinton. Menschlich gesehen ist diese Show eine einzige Katastrophe und ein Spiegelbild der Gesellschaft, vor allem in den USA. Ein Land, das ohnehin nicht mehr zu retten scheint... Wie weit die USA als Modell für den auch uns drohenden persönlichen Zerfall gelten, zeigt folgendes: die USA stellen nicht mal 5% der Weltbevölkerung und konsumiert mehr als die Hälfte aller harten Drogen auf dem Weltmarkt. Dies sagt doch schon FAST alles.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Seit den Berichten hier - die in grosser Mehrheit gegen Trump gerichtet waren - nahm ich stehts für Trump Partei, sah und sagte dessen Sieg voraus - nun wendet sich das Blatt und der Wind bläst gegen die Frau Clinton und schon beginnen die ersten Schlafmützen und Voreingenommenen, die den Trump verfluchten und verleumdeten, in den Startlöchern zu scharren, um ja nicht zu spät auf der Richtigen Seite zu stehen . Ein widerlicher Zustand leider weltweit - der König ist tod es lebe der König !17h10
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