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US-Wahlen US-Presse verbannt Donald Trump ins Dunkel

Keine einzige der 100 auflagenstärksten Zeitungen im Land unterstützt Donald Trump – auch die konservativen nicht. Das ist ein Novum und prompt (t)wittert Trump eine Medienverschwörung. Ob ihm die kalte Schulter der Zeitungen schadet, bleibt allerdings fraglich.

Donald Trump in Baseballmütze mit geballten Fäusten. Um ihn herum ist es dunkel.
Legende: Für Donald Trump stecken hinter der Ablehnung der Zeitungen eine Verschwörung seiner Gegner. Reuters

«Die Medien sind geschlossen gegen mich», klagt Donald Trump oft. Das ist so nicht richtig: Von den einflussreichen rechten Talk-Radios wird er kräftig unterstützt. Zudem profitiert der Präsidentschaftsanwärter davon, dass er seit eineinhalb Jahren täglich auf allen Fernsehkanälen präsent ist.

Donald Trump hat aber Recht, spricht man nur von den Printmedien. Keine einzige ernst zu nehmende Zeitung unterstützt den New Yorker Immobilien-Mogul.

Daniel Gonzalez und Elvia Diaz, Journalisten bei der «Arizona Republic» stehen in ihrer Redaktion.
Legende: Daniel Gonzalez und Elvia Diaz, Journalisten bei der «Arizona Republic» sind keine Trump Fans. SRF

Die in Phoenix erscheinende «Arizona Republic» zum Beispiel ist seit 125 Jahren eine konservative Institution. Und doch empfiehlt die grösste Zeitung im Südwesten der USA nun ausdrücklich, Hillary Clinton zu wählen. «Das ist schon sehr bedeutend», sagt Inlandredaktor Gonzalez, «noch nie hat die Zeitung einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten unterstützt.»

Die Wahlempfehlung der Zeitung aus Arizona hat im ganzen Land Schlagzeilen gemacht.

Elvia Diaz hat als Mitglied der Chefredaktion die Erklärung zur Unterstützung für Hillary Clinton mitverfasst und zuvor den Meinungsumschwung bei den stramm konservativen Herausgebern der Arizona Republic miterlebt: «Zuerst plädierten sie für Stimmfreigabe, doch dann wandten sie sich entschieden gegen Trump. Seine Kandidatur würde allen republikanischen Prinzipien widersprechen, fanden sie.»

So eine Person ist völlig ungeeignet als Präsident unseres Landes.
Autor: Elvia DiazCo-Chefredaktorin AR

Diaz unterstützt die Entscheidung ihrer Bosse voll und ganz und zählt einige der Fehltritte von Donald Trump auf: «Er machte sich über einen behinderten Journalisten lustig, verunglimpfte Mexikaner pauschal als Kriminelle und Vergewaltiger, beleidigte den Kriegshelden und Senator John McCain aufs Gröbste, erniedrigte immer wieder Frauen. Die Liste liesse sich endlos fortsetzen. So eine Person ist völlig ungeeignet als Präsident unseres Landes.»

Alte Prinzipien über Bord geworfen

Das sehen nicht nur die Leute bei der «Arizona Republic» so. Keine einzige der 100 auflagenstärksten amerikanischen Zeitungen unterstützt den republikanischen Kandidaten.

Das sind längst nicht nur liberale Blätter wie die New York Times oder die Washington Post, sondern oft durchaus konservative Zeitungen, die eigentlich den Republikanern nahe stehen.

Der «Columbus Dispatch» etwa unterstützte seit 1920 sämtliche republikanischen Präsidentschaftskandidaten, sogar den Rechtsaussen Barry Goldwater. Jetzt aber bezeichnet die grösste Zeitung Ohios Donald Trump als «moralisch bankrott».

Die «San Diego Tribune» zeigt Trump ebenso die kalte Schulter wie die «Chicago Tribune», oder der «Cincinnati Enquirer». Das «Atlantic Magazine» empfahl seit 1860 genau zwei Kandidaten zur Wahl, Abraham Lincoln und Lyndon B.Johnson. Hillary Clinton ist nun die dritte in der Reihe.

Und «USA Today», eine der wenigen im ganzen Land erhältlichen Zeitungen, verzichtet traditionellerweise ganz auf eine Wahlempfehlung. Nicht so dieses Jahr: Entweder Hillary Clinton oder eine Drittparteienkandidatur, ganz sicher aber nicht Donald Trump, lautet der Rat.

Zeit des Einflusses ist definitiv vorbei

Trump schäumt und wittert eine Verschwörung der Medien, doch das ist wenig plausibel. «Es ist allerdings fraglich, wie sehr ihm die Haltung der Zeitungen schadet», gibt Daniel Gonzalez zu bedenken. «Früher waren die Zeitungen vor allem in den Städten sehr einflussreich, doch diese Zeiten sind definitiv vorbei. Immerhin: Was jetzt geschieht, ist schon sehr aussergewöhnlich und das registrieren die Leute.»

In Arizona könnte das grosse Folgen haben. Lange war der Staat eine republikanische Hochburg, doch inzwischen haben die Demokraten kräftig aufgeholt. Gut möglich, dass Hillary Clinton in Arizona nun gewinnt, auch dank der Unterstützung der einst so verlässlich republikanischen «Arizona Republic».

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    Die Medien haben viel zu viel Macht, speziell diejenigen die sie steuern. Es geht nicht mehr darum neutral zu informieren sonder die eigene politische Agenda durch Halbwahrheiten zu verbreiten. Zum Glück hat das Volk in der Zwischenzeit gelernt auch zwischen den Zeilen zu lesen!
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  • Kommentar von André Piquerez (Nemesis1988)
    glaube nur dank der medialen Präsenz von Trump über all die Monate hinweg ist Trump soweit gekommen...die Medien sind wohl verantwortlich dafür dass jetzt Trump der republikanische Präsidentschaftskandidat ist und nicht z.B. dieser Rubio. Das macht doch soviel aus wenn in den Medien immer wieder über ihn geschrieben wird, auch wenn es in negativer Weise ist...aber für Clinton ist das die Riesenchance!! wenn sie in Ohio und Florida gewinnt dann wars das für Trump...
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Da ist im Web ein richtiger Krieg! Seiten werden attakiert / gesperrt, Videos versucht man zu sperren, wie dieses: "Must Watch!! Hillary Clinton tried to ban this video" Bei Frau Clinton ist die Situation einfach, man muss nur die Vergangenheit analysieren.
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