Verhaltene Vorfreude auf Olympische Spiele in Rio

In Rio de Janeiro werden in der Nacht auf Samstag die Olympischen Spiele eröffnet. Die Freude darüber ist verhalten. Denn in Brasilien war man lange im Verzug mit dem Bau der Austragungsorte. Die Wirtschaftskrise trug einiges dazu bei.

Ein Mann sitzt in einem der fünf Olympischen Ringe und lässt sich fotografieren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kritik an den Rahmenbedingungen: Offenbar gibt es noch Probleme mit dem Strassenverkehr in Rio. Keystone

Die Brasilianer sehen der bevorstehenden Eröffnung der Olympischen Spiele ziemlich verhalten entgegen. «Das hängt damit zusammen, dass die Unterschicht wegen der Wirtschaftskrise nachhaltig verstimmt ist», erklärt SRF-Korrespondent Ulrich Achermann die fehlende Vorfreude. Die Bevölkerung frage sich, ob es wirklich notwendig war, dass so viele öffentliche Gelder ausgegeben wurden für die Spiele.

Auch die sportaffine Mittel- und Oberschicht scheint momentan noch nicht Feuer und Flamme für Olympia zu sein, wie Achermann in Rio de Janeiro beobachtet. «Aber ich kann mir gut vorstellen, dass wenn die Spiele losgehen und wirklich der Sport im Vordergrund steht – nicht mehr so sehr das Drumherum – die Begeisterung merklich zunimmt und es zu sehr flotten Spielen kommen wird.»

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Geldspritze für Rio

Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), äusserte sich sehr kritisch zu den Rahmenbedingungen der Spiele. Obwohl Rio im Grossen und Ganzen bereit sei, so fehle es dennoch an vielem – etwa an grosszügigen Lösungen für den Strassenverkehr zu den Wettkampfstätten. Dabei habe das IOK Geld vorschiessen müssen, so Bach.

«Die Kirche ist im Dorf geblieben»

Allerdings: Auch sportlich gesehen liegt ein Schatten über den Spielen. Die Dopingkrise rund um Russland hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. In Brasilien habe man das aber nur am Rande zur Kenntnis genommen, weiss der Südamerikakorrespondent. «Da jetzt eben doch eine beträchtliche Anzahl Athleten aus Russland teilnimmt, ist für die Brasilianer die Kirche im Dorf geblieben.»

Die Wirtschaftskrise – wahrscheinlich die schwerste in der Geschichte Brasiliens – beschäftige die Menschen noch weitaus mehr als die Spiele. Das habe auch stark mit der derzeitigen brasilianischen Innenpolitik zu tun. «Es gibt einen Interimspräsidenten, die gewählte Präsidentin wird wohl demnächst abgesetzt», erläutert Achermann.

Schüsse auf chinesische Sportler

Bis zum allerletzten Augenblick hätten deshalb eine Menge Zweifel darüber geherrscht, ob Rio für die Austragung der Spiele bereit sei: «Zum Beispiel hat man bis zuletzt nicht gewusst, ob die Metro rechtzeitig fertiggestellt würde; die U-Bahn, die zu den Wettkampfstätten fährt.»

Zwar fährt die U-Bahn nun tatsächlich zu den weit vom Stadtzentrum entfernten Austragungsstätten. Andere Meldungen sind dafür weniger positiv: So ist die chinesische Basketballmannschaft auf dem Weg vom Flughafen zum Olympischen Dorf in einen Schusswechsel mit Kriminellen geraten. Verletzt wurde niemand.

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