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FBI-Ermittlungen laufen Verwicklungen von Trumps Team mit Russland im Fokus

Legende: Video «Hat Russland den US-Wahlkampf manipuliert?» abspielen. Laufzeit 1:37 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.03.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bei einer Anhörung im Kongressausschuss kam es zu einem doppelten Donnerschlag für das Weisse Haus.
  • Einerseits bestätigte FBI-Chef James Comey, dass das FBI wegen möglicher Verbindungen des Trump-Wahlkampfteams mit Russland ermittelt.
  • Andererseits entkräftete Comey Trumps Vorwurf, wonach Barack Obama ihn abgehört haben soll. Laut FBI-Chef gibt es keinerlei Erkenntnisse dazu.

In den FBI-Untersuchungen zu den mutmasslichen russischen Hacker-Angriffen während des US-Wahlkampfes geht es nicht nur darum, ob Russland versucht hatt, die Wahlen zu beeinflussen. Es geht auch um die «Art von Verbindungen» zwischen Mitgliedern des Trump-Teams und der russischen Regierung.

Dabei werde der Frage nachgegangen, ob es «irgendwelche Koordination» zwischen Trump-Mitarbeitern und den versuchten russischen Einmischungen in den Wahlkampf gegeben habe, sagte Comey vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses. Er könne aber keine Namen nennen und nicht in die Details gehen. Im Fokus der Untersuchungen steht also der enge Kreis um Trump.

Erste offizielle Bestätigung

Comey sagte vor dem Ausschuss, nach Ansicht des FBI habe Russland 2016 zum Ziel gehabt, die Demokratie in den USA und die demokratische Kandidatin Hillary Clinton zu beschädigen und Trump zu helfen.

Bislang war nur in den Medien darüber spekuliert worden, dass die seit Monaten laufenden FBI-Untersuchungen zu den mutmasslichen russischen Hacker-Angriffen auch die möglichen Verwicklungen des Trump-Teams einbeziehen könnten. Es war nun das erste Mal, dass diese Ausweitung der Untersuchungen offiziell bestätigt wurde. Comey sagte, er habe für diese Mitteilung die Erlaubnis des ihm übergeordneten Justizministeriums erhalten.

Korrespondentin Priscilla Imboden: «Aussagen werfen Fragen auf»

Dass das FBI auch gegen Personen aus dem Umfeld von Donald Trump ermittelt, ist brisant. In den letzten Monaten tauchten immer wieder Gerüchte und Details zu Beziehungen zwischen Vertretern des Trump-Teams und Moskau.
Das Zugeständnis des FBI-Chefs, dass er seit vergangenem Juli Ermittlungen führe, wirft aber weitere Fragen auf: Weshalb informierte er damals nicht darüber? Stattdessen erklärte er wenige Tage vor den Wahlen, dass neue E-Mails von Hillary Clinton aufgetaucht seien. Diese erwiesen sich aber nach den Wahlen als gegenstandslos.
Das Thema Russland verfolgt die US-Regierung seit Beginn. Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn musste nach kurzer Zeit zurücktreten, weil er Kontakte zu Russland verschwiegen hatte. Sein Justizminister Jeff Sessions kam deshalb auch unter Beschuss.

Keine Beweise für Spähangriff

Der Blitz schlug über dem Weissen Haus am Montag gleich noch ein zweites Mal ein – nämlich mit der Stellungnahme des FBI-Chef zu Trumps Vorwürfen gegen seinen Vorgänger Barack Obama.

Die Vorgeschichte:

  • Am 4. März setzt Trump die Vorwürfe in die Welt, Barack Obama habe ihn im Wahlkampf abhören lassen, im Trump-Tower.
  • Trump bezeichnet Obama in einem Tweet als «kranker Typ»
  • Beweise für die Vorwürfe liefert das Weisse Haus keine

Vor dem Kongressausschuss sagte der Chef der Bundespolizei, er habe keinerlei Kenntnisse von einer Abhöraktion und könne damit eine solche nicht bestätigen. Zudem, so fügte Comey an, könne ein Präsident ein solches Abhören schlicht gar nicht anordnen. In der Anhörung sagte auch der Chef des Geheimdienstes NSA, Mike Rogers, man wisse nichts von einer Abhöraktion gegen Trump.

Regierung Trump bleibt bei Vorwürfen

Das Weisse Haus nimmt die Abhörvorwürfe gegen Barack Obama jedoch nicht zurück. Trumps Sprecher Sean Spicer sagte, die Aussage von FBI-Chef James Comey, er habe keine Erkenntnisse über ein solches Abhören, habe nichts an der Lage geändert. Es handle sich nur um eine erste Anhörung, und es sei noch ein weiter Weg zu gehen.

55 Kommentare

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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Pardon, ist vielleicht eine blöde Frage, womöglich hab ich was verpasst. Aber wie genau soll diese Manipulation vonstatten gegangen sein? Haben russische Hacker die Zählmaschinen beeinflusst? Wahlzettel verschwinden lassen? Hatten die Russen Kampagnen-Spezialisten vor Ort - so wie damals die Amis bei der zweiten Wahl von Boris Jelzin? Wie muss man sich das vorstellen? Was genau und wie genau wurde manipuliert?
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    1. Antwort von Urs Vetterli (U.V.)
      Im Wahlkampf Trump Clinton wurden über verschiedene Kanäle Fakenews verbreitet. Beispielsweise die absurde Lüge, Clinton sei in ein Kinderhändlerring verwickelt. Leider gibts viele Leute, die solche Infos, egal aus welch dubiosen Quellen stammend, unkritisch annehmen und weiterverbreiten.
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    2. Antwort von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
      Ich habe soeben auf Infosperber einen Beitrag zu diesem leidigen Thema gelesen und bin auch der Meinung: Alles Schall und Rauch.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Am Feindbild Russland wird weiter gearbeitet. Die Verbindung des Trump-Wahlkampfteams zu Russland sollen die US-Geheimdienste schachmatt gesetzt haben? Das glaubt doch kein selbstdenkender Mensch!
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    1. Antwort von Kim Hansson (Freddy Tobler)
      Anscheinend doch... man muss es nur oft genug wiederholen....
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    2. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      stimmt schon Kim Hansson. Steter Tropfen höhlt das Hirn, äh Tschuldigung den Stein.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Immer das Gleich, die USA beschuldigen andere dessen was sie selber machen. Die USA haben sich mindestens bei 86 Ländern in deren Wahlkampf eingemischt, RF bei 35 Ländern. Die eine Einmischung der USA in D führte dazu, dass Deutschland beim völkerrechtswidrigen Krieg im ehemaligen Jugoslawien mitmischte und das ein Herr Schröder die völkerrechtswidrige Einmischung im öffentlich rechtlichen Sender zugeben konnte, ohne Folgen für ihn selbst.
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