Viel Rechnerei im US-Präsidentschaftswahlkampf

Lässt sich Donald Trump als Präsidentschaftskandidat noch aufhalten? Im Wahlkampf kommt es nun zu weiteren wichtigen Vorwahlen, bei denen eine grosse Menge an Delegiertenstimmen zu holen sind. Es schlägt die Stunde der Wahl-Mathematiker.

Trump an einem Rednerpult Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trump kann den Sack zwar noch nicht zu machen, aber dennoch seinen Vorsprung gewaltig ausbauen. Keystone

Egal, ob Baseball oder Präsidentschaftswahlkampf: Die Amerikaner lieben Zahlen, Daten und Statistiken. Jede Veränderung wird genau registriert und analysiert – in den Zeitungen wie im Radio und Fernsehen.

Der 15. März lässt die Herzen der Wahlmathematiker wieder höher schlagen. Es handelt sich dabei nicht um den «Super Tuesday», aber im verrückten Wahljahr 2016 ist dieses Datum nicht weniger wichtig für die Kandidaten. Beide Parteien führen Vorwahlen in wichtigen Bundesstaaten durch, darunter zwei Swing-States (Ohio und Florida), die im Herbst matchentscheidend sind.

Und eine Reihe von Delegierten wird zugeteilt, die an den Parteitagen im Juli den offiziellen Kandidaten oder die offizielle Kandidatin küren. Hier ist eine Übersicht:

Übersicht über die Delegierten

US-Wahlen
Bundesstaat
Delegierte Republikaner
Delegierte Demokraten
Florida
99 (winner-takes-all)
246
Ohio66 (winner-takes-all)159
North Carolina
72
121
Illinois69 (winner-takes-all)182
Missouri5284
Nördliche
Marianen (US-Gebiet)
9 (winner-takes-all)Vorwahl bereits gelaufen

Bei den Republikanern steht viel auf dem Spiel. Rubio (aus Florida) und Kasich (aus Ohio) müssen unbedingt ihre Heimatstaaten gewinnen. Cruz wird versuchen, Trump auf den Fersen zu bleiben.

Trump will Kasich und Rubio aus dem Rennen werfen. Das ist für ihn wichtig, denn das Partei-Establishment könnte Rubio oder Kasich künstlich – also mit viel Geld – am Leben erhalten. So sind die Delegiertenstimmen bei den Republikanern derzeit verteilt:

Delegierte Republikaner

Delegierte Republikaner
KandidatDelegiertenstimmen
Trump
460
Cruz369
Rubio163
Kasich63
Delegiertenzahl für
die Nomination
1237 (die Hälfte aller Delegierten)

Die Republikaner verteilen heute rund zusätzliche 360 Delegiertenstimmen. Wichtig: viele Bundesstaaten haben jetzt ein «Winner-Takes-All»-System: Das heisst, der Sieger erhält alle Delegierten zugeteilt und nicht mehr einen proportionalen Anteil wie bisher. Das ändert Tempo und Dynamik des Wahlkampfes.

«Contested Convention»

Trump kann den Sack aber noch nicht zu machen, weil er noch nicht bei den nötigen 1237 Stimmen angekommen ist. Seine Gegner wollen auch genau das um jeden Preis verhindern. Das geht sogar so weit, dass Marco Rubios Sprecher die Wähler in Ohio dazu aufruft, Konkurrent John Kasich zu wählen.

Alles ausser Trump ist recht. Sogar eine «contested convention» ist den Trump-Gegnern lieber. Von einer «contested convention» spricht man dann, wenn kein Kandidat im Vorfeld des Anlasses die Mehrheit der Delegierten hat und der Parteitag in einem Abstimmungsverfahren entscheidet, wer der Kandidat der Partei sein soll – wohl die letzte Hoffnung des Establishments, Trump doch noch zu stoppen.

Ist Sanders weiterhin für Überraschungen gut?

Bei den Demokraten wird sich zeigen, ob Bernie Sanders weiterhin für Überraschungen gut ist. Im bisherigen Vorwahlkampf hat er erstaunlich gut abgeschnitten.

Allerdings: Clinton führt deutlich, auch wegen der Super-Delegierten, die direkt von der Partei bestimmt werden. Solange Sanders sie bei den regulären Delegierten nicht überrundet, hat Clinton nichts zu befürchten. So sieht es derzeit bei den Demokraten aus:

Delegierte Demokraten

Delegierte Demokraten
Kandidat
Delegiertenstimmen
Clinton766 + 465 Superdelegierte
Sanders551 Delegierte + 25 Superdelegierte
Delegierten-Zahl für Nomination
2383 (die Hälfte aller Delegierten)

Alles in allem verteilen die Demokraten fast 800 Delegierte. Sie werden – anders als bei den Republikanern – weiterhin proportional verteilt. Das heisst: auch für Platz 2 gibt es noch eine (kleinere) Zahl Delegierte. Das Zweier-Rennen Clinton-Sanders dürfte deshalb noch eine Weile weitergehen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Trump sagte Wahlkampf-Auftritt ab

    Aus Tagesschau vom 12.3.2016

    Donald Trump hat zum ersten Mal einen Auftritt abgesagt. Aus Sicherheitsbedenken trat er in Chicago nicht auf. Anhänger und Gegner sind wegen Protesten gegen ihn aneinandergeraten.

  • Überraschungssieg von Sanders

    Aus Tagesschau vom 9.3.2016

    Bernie Sanders gewinnt den Bundesstaat Michigan gegen die favorisierte Hillary Clinton. Obwohl Clinton in Mississippi triumphiert, kann sie Sanders nicht abhängen.