Verdacht auf Korruption Vizepräsident der Fifa festgenommen

  • Der spanische Fussball-Verbandschef Ángel María Villar Llona ist am Dienstagvormittag vorläufig festgenommen worden.
  • Dem 67-Jährigen, Vizepräsident in der Europäischen Fussball-Union (Uefa) und im Weltverband Fifa, wird wie seinem Sohn Gorka Villar Korruption und Unterschlagung vorgeworfen.
Zusatzinhalt überspringen

Fifa wartet ab

Der Fussball-Weltverband will nach der Festnahme zunächst die weiteren Entwicklungen abwarten. Es handle sich offenbar um «interne Angelegenheiten» des spanischen Verbands, teilte ein Fifa-Sprecher am Dienstag mit. Die Uefa wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

Ángel María Villar Llona ist wegen Korruptionsvorwürfen in Spanien vorübergehend verhaftet worden. Der Chef des spanischen Fussballverbandes RFEF und Vizepräsident des europäischen Dachverbands Uefa sowie der Fifa ist, sei zusammen mit seinem Sohn Gorka und drei weiteren Verdächtigen inhaftiert worden, so das Innenministerium am Dienstag. Gorka ist Ex-Generalsekretär des südamerikanischen Verbandes Conmebol. Im Juli 2016 verliess er den Verband.

Es werde unter anderem wegen Korruption, Fälschung und Unterschlagung ermittelt. Am Vormittag sei auch der Sitz der RFEF in Madrid durchsucht worden. Die Ermittlungen wurden Anfang 2016 eingeleitet. Die zuständige Staatsanwaltschaft beantragte den Einsatz.

Der spanische Minister für Erziehung, Kultur und Sport, Inigo Mendez de Vigo, sagte gegenüber den Medien, dass Gesetze in Spanien durchgesetzt würden. «Die Gesetze gelten für alle und niemand steht darüber.»

Ethik-Kommission verwarnte Villar Llona bereits

Villar Llona sitzt seit 19 Jahren in der Regierung des Weltverbands Fifa, die inzwischen als Rat firmiert, und seit 1992 im Exekutivkomitee der Europäischen Fussball-Union Uefa.

Die Ethik-Kommission der Fifa verwarnte ihn im November 2015 und belegte Villar mit einer Geldstrafe. Er wollte den damaligen Fifa-Ermittlern um Michael Garcia zunächst keine Aussage zur umstrittenen Vergabe der WM 2018 sowie 2022 an Russland und Katar liefern.

Bereitschaft zur Kooperation

Der jüngst durch die Fifa veröffentlichte Garcia-Bericht gibt einen Einblick in die Verweigerungshaltung Villar Llonas. Er habe jedoch später seine Bereitschaft zur Kooperation in der Untersuchung gezeigt, begründeten die unabhängigen Fifa-Ethiker ihr mildes Urteil.

Villar Llona ist neben dem Ägypter Hany Abo Rida inzwischen das einzige verbliebene Mitglied der damaligen Fifa-Exekutive, die im Dezember 2010 über die beiden WM-Gastgeber abstimmte. Am Rande von Veranstaltungen spricht der Spanier im Normalfall nicht mit den Medien.

Video «Villar Llona wird von der Guardia Civil eskortiert (unkomm.)» abspielen

Villar Llona wird von der Guardia Civil eskortiert (unkomm.)

0:33 min, vom 18.7.2017

Einschätzung von SRF-Redaktor Jean François Tanda

Die Frage war eigentlich nicht, ob Ángel María Villar verhaftet wird, sondern wann. Schon lange steht er auf der Liste verdächtiger Fussballfunktionäre ganz oben. Von daher ist die Verhaftung wegen des Verdachts auf Korruption keine sehr grosse Überraschung.

In die gleiche Kategorie wie er gehört sein Sohn, Gorka Villar. Er war Berater von nicht weniger als neun südamerikanischen Fussballbossen, die von den USA verhaftet wurden oder aber auf deren Fahndungsliste stehen.

Mit dem heutigen Tag beweist die spanische Justiz einmal mehr, dass sie meint was sie sagt: Das Gesetz gelte für alle gleich. Der frühere Präsident des FC Barcelonas sitzt seit Wochen in U-Haft wegen des Verdachts auf Korruption und Geldwäscherei. Superstar Lionel Messi wurde wegen Steuerhinterziehung zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Und auch seinem Rivalen Cristiano Ronaldo droht wegen des gleichen Straftatbestandes eine ähnliche Strafe.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Fifa-Chef stellt Ethik-Kommission auf den Kopf

    Aus 10vor10 vom 11.5.2017

    Gianni Infantino gibt sich als Reformer und räumt beispielsweise bei der Ethik-Kommission kräftig auf. Von fünfzehn Mitgliedern bleiben genau zwei im Amt, der Rest wird ausgewechselt. Ein Anti-Korruptionsexperte kritisiert dieses Vorgehen – die Fifa sei immer noch undemokratisch.