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Kriegsverbrecher-Prozess Vom Opfer zum Mörder

Dem ugandischen Rebellenkommandanten Dominic Ongwen werden in Den Haag unter anderem Mord, Folter und sexuelle Versklavung vorgeworfen.

Legende: Video «Prozess gegen ugandischen Kriegsverbrecher» abspielen. Laufzeit 1:24 Minuten.
Vom 06.12.2016.

Um was geht es? Es ist der erste Prozess des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag zum Terror der «Lord's Resistance Army» (LRA) von Joseph Kony in Uganda. Dominic Ongwen, der etwa 40 Jahre alte Angeklagte, war einer der Stellvertreter Konys. Dieser hatte in den 1980er-Jahren den Kampf in Uganda gestartet, um einen Gottesstaat zu errichten. Der Terror der Miliz im Norden des Landes dauerte bis 2005. Sie ist allerdings noch im Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik aktiv. Durch den Terror der christlich-fundamentalistischen LRA wurden Zehntausende Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben.

Wie lautet die Anklage? Die Anklage ist eine Chronik unvorstellbarer Grausamkeiten. Mord, Folter, sexuelle Versklavung, erzwungene Schwangerschaften, Einsatz von Kindersoldaten. «Viele Opfer waren sehr jung», sagte die Anklägerin Fatou Bensouda. Sie zeigte zusätzlich Videos und Fotos von brutal zerstückelten Leichen, auch von kleinen Kindern. Dem Ex-Kommandanten werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in 70 Fällen zur Last gelegt, die im Norden Ugandas begangen wurden.

Wer ist der Angeklagte? Dominic Ongwen hatte sich 2015 nach zehn Jahren auf der Flucht vor US-Truppen in der Zentralafrikanischen Republik ergeben. Vor Gericht wies er alle Vorwürfe zurück. «Die LRA hat das getan, die LRA bin nicht ich, die LRA ist Joseph Kony», sagte der Angeklagte. «Im Namen Gottes weise ich alle Anklagepunkte zurück.» Er sei selbst ein Opfer der Miliz. Als 14-Jähriger war Ongwen von Konys Männern entführt und zum Kämpfen gezwungen worden. Später stieg er auf bis zum Kommandanten. «Er war einer der brutalsten», wie Anklägerin Bensouda sagte. «Dominic Ongwen ist ein Mörder und Vergewaltiger.»

Wer sind die Kronzeugen? Mehr als 4000 Opfer nehmen an dem Prozess gegen Ongwen teil. Opfer haben im Vorfeld Zeugnis abgelegt von sadistischen Initiationsriten, mit denen sich die LRA Kindersoldaten gefügig gemacht haben soll. Die Anklage will 74 Zeugen aussagen lassen, darunter frühere Kindersoldaten. Rund 5800 Beweisstücke sollen vorgebracht werden, dazu zählen Fotos, Videos und Aufzeichnungen von mitgehörtem Funkverkehr.

10 Kommentare

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  • Kommentar von rené studer (rené studer)
    1)da gibt es noch x tausende mehr! die ganze vergangene wie auch aktuelle kriegstreiber verbrecherbande und ihre gehilfen, aus wirtschaft, finanz, rüstung, geheimdienste, politik... gehören vor diese tribunale, um weiteren gangster gleich zu zeigen was ihnen blüht. aber es sind genau die organisatoren dieser kriege, welche alibimässig, handverlesen einige hängen um von ihren eigenen verbrechen abzulenken. allein die tatsache friedensnobelpreisträger, (Henry Kissinger, Barack Obama)
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Da der Mann ja selber früher ein Opfer war, kann ich nicht verstehen, dass er solche Greueltaten unschuldigen Menschen zugefügt hat. Seine Ausreden die andern wären es gewesen, finde ich traurig. Der Mann hat keinen Charakter.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Unter solchen Artikeln tauchen immer wieder Meinungen auf, demnach der Kolonialismus Schuld sei und Europa stehe in der Pflicht, Afrika besser zu machen (im Klartext: gebt Geld). Soll mir doch bitteschön jemand den Zusammenhang zw. Kolonialismus und dieser Art neuzeitlichem Barbarismus aufzeigen. Dass sie arm sind? Andere armen Völker schützen ihre Kinder mit ihrem eigenen Leben, diese greifen sie an, missbrauchen sie, verbrauchen sie. Aber ich lasse mit mir sprechen...
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    1. Antwort von Kim Hansson (Freddy Tobler)
      Die ganze Kultur und Geschichte wurde bei der Kolonialisierung absichtlich zerstört wurde um schon nach einer Generation das gewünschte Resultat zu erreichen: kein Volk, sondern eine zusammenrottung von Individuen zum beherrschen, denn das ist einfacher. Aber das wichtigste ist das im Neoliberalismus Afrika noch genau so ausgebeutet wird wie früher. Zu lösen ist das sicher nicht mit Geld schicken. Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, aber wo denke ich hin- der Westen weiss was richtig ist. NOT!
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    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      @Hansson: Sie haben mich nicht überzeugt. Weite Teile Asiens, Süd-Amerikas wurden kolonialisiert. Sogar Ost-Europa lebte im XX.Jh. unter fremder Herrschaft. In diesen Ländern wurde die "ganze Kultur und Geschichte absichtlich zerstört". Trotzdem wenden sich die asiatischen und indigenen Völker (die Aborigines gehören wohl auch in diesem Kontext dazu), die Ost-Europäer schon ja nicht gegen die ihrigen. Wieso nur Afrika? Wirtschaftl. Ausbeutung? Machen Sie Witze? Wer ist denn davon verschont?
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    3. Antwort von Sandro Baumgartner (Sandro Baumgartner)
      Ähhm in Kambodscha wurden ca.2.7Millionen Menschen getötet Frauen/Kinder in Deutschland 6Millionen Juden etc.Frauen/Kinder im Irakkrieg starben 1Million.......... aber man sieht nur das was man sehen will.
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