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International Waffenruhe in Syrien: Die Ruhe vor dem Sturm?

Lange haben die Menschen in Syrien auf etwas Erholung von der Gewalt gewartet. Seit Montagabend schweigen die Waffen. Doch die Kampfpause ist fragil.

Legende: Video Fragile Waffenruhe in Syrien abspielen. Laufzeit 1:01 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 13.09.2016.

Die für Syrien ausgehandelte Feuerpause scheint in der ersten Nacht weitgehend gehalten zu haben. Aktivisten und Beobachter meldeten bisher keine groben Verstösse gegen die von den USA und Russland vereinbarte Waffenruhe.

Nach deren Beginn am Montagabend sei es in grossen Teilen des Landes ruhig geblieben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Mit Beginn der Feuerpause zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs seien auch die Kampfflugzeuge vom Himmel über der besonders umkämpften nordsyrischen Metropole Aleppo verschwunden, sagte ein Sprecher der lokalen Hilfsorganisation Weisshelme.

Gefechte nahe Damaskus

Die Beobachtungsstelle berichtete in der Nacht aber auch von vereinzelten Gefechten. Regimekräfte hätten Rebellengebiete in der nordwestlichen Provinz Idlib beschossen. In der Stadt Kuneitra an der Grenze zu Israel habe es anhaltende Schusswechsel zwischen Regierungseinheiten und Aufständischen gegeben.

Menschen flanieren an einem Shop vorbei.
Legende: In Damaskus kann man sogar in den Souvenir-Shops einkaufen gehen. Keystone

Ein Aufständischer in der Region Aleppo sprach von Kampfflugzeugen, die nördlich der Stadt das Feuer mit Maschinengewehren eröffnet hätten. Ein syrischer Militärangehöriger sagte, bewaffnete Gruppen hätten in Aleppo auf Wohngebäude geschossen und drei Mörsergranaten auf einen von der Regierung kontrollierten Bezirk am Stadtrand gefeuert.

Ausserdem habe es Schüsse auf von Rebellen kontrollierte Gebiete nahe der Hauptstadt Damaskus gegeben. Die Verletzungen der Feuerpause seien aber nicht schwerwiegend gewesen.

Sieben-Tage-Frist gilt für alle

Die von Russland und den USA ausgehandelte Feuerpause soll für alle Kräfte gelten, die nicht von den Vereinten Nationen als Terroristen eingestuft werden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist explizit von der Vereinbarung ausgenommen.

Die Armee von Machthaber Baschar al-Assad kündigte an, die Kämpfe gegen Rebellen während sieben Tagen einstellen zu wollen. Man behalte sich jedoch das Recht vor, Vergeltung für jegliche Verletzung der Waffenruhe von anderer Seite zu üben. Dies berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf die Militärführung.

Gemeinsam gegen Terrorgruppen

Die moderate Opposition in Syrien hatte die Feuerpause begrüsst, aber «Garantien» dafür gefordert, dass sich die syrischen Truppen an die Absprachen halten. Sie befürchtet, das Regime könnte die Feuerpause nutzen, um Gebiete zurückzuerobern.

Hält die Waffenruhe für sieben Tage, wollen die USA und Russland nach eigenen Angaben gemeinsam militärisch gegen Terrorgruppen in Syrien vorgehen. Die Feuerpause ist Voraussetzung dafür, dass Millionen Menschen in belagerten und umkämpften Gebieten wie etwa Aleppo humanitäre Hilfe erhalten.

Über 300'000 Tote

Seit Kriegsbeginn im Jahr 2011 sind in Syrien über 301'000 Soldaten und Zivilsten ums Leben gekommen. Diese Zahl gibt die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bekannt. Die Stelle geht davon aus, dass die Dunkelziffer noch weit höher liegen könnte.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    France 24: Syria rebels prevent civilians from leaving Aleppo: monitor; dramatische Entwicklung in Aleppo. Die Terroristen zeigen ihr wahres Gesicht, sie missbrauchen die Zivilisten als menschliche Schutzschilde, sogar das Sprachrohr der "Rebellen", die SOHR, bestätigt dies.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Die "Rebellen" haben seit dem Waffenstillstand mehrere militärische Offensiven gestartet, die weissen Helme der Terrorgruppe Jabhat Fateh al-Sham werden hier leider weiterhin als lokale Hilfstruppe verharmlost; immerhin einige menschliche Bilder von den 1.7 Millionen regierungstreuen Einwohnern Aleppos, welche unter den Verbrechen der "Rebellen" zu leiden haben ( Opfer ohne Lobby ). Laut Hilfsorganisationen werden Zivilisten von den Dschihadisten daran gehindert Rebellen - Aleppo zu verlassen.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    In Syrien lebten die Menschen vergleichsweise "annehmbar". Ein Teil wurde unterdrückt und für gewisse Regierungsgegner war das Leben die Hölle. Doch wenn Assad weg wäre, wäre das Leben in Syrien für die Mehrheit die Hölle. Kulturelle Vielfalt wäre dann Geschichte in diesem Land. Ein Rückfall in religiösen Extremismus mit Konformität für die Verbliebenen. Das kann bei aller berechtigter Kritik an dem Assad-Clan niemals das Ziel sein. Reform von innen ist fast immer besser.
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