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International Waffenruhe in Syrien: Schwanken zwischen Hoffnung und Skepsis

Die Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz ist ganz im Zeichen der Einigung auf eine Waffenruhe in Syrien gestanden. Neben deren problematischen Umsetzung waren der Kampf gegen den Terrorismus im Nahen und Mittleren Osten Themen der Gespräche.

Von der Leyen an Rednerpult
Legende: Klare Worte von von der Leyen zu Syrien: «Wer wirklich Frieden will, der muss nicht wochenlang warten.» Keystone

In München hat die internationale Sicherheitskonferenz begonnen. Bis Sonntag beraten mehr als 30 Staats- und Regierungschefs sowie etwa 60 Aussen- und Verteidigungsminister über den Syrien-Konflikt und andere Krisenherde.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nannte die Terror-Organisation IS und die Flüchtlingskrise als die beiden grossen Herausforderungen unserer Zeit.

Die Vereinbarung auf eine Waffenruhe in Syrien bezeichnete von der Leyen als einen «Funken Hoffnung». Aber: «Die angekündigte Waffenruhe muss sich in den Strassen von Aleppo erfüllen. Denn wer wirklich Frieden will, der muss nicht wochenlang warten», sagte die Ministerin in ihrer Rede zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz.

Feuerpause innert eine Woche

Russland, die USA und wichtige Regionalmächte wie der Iran, die Türkei und Saudi-Arabien hatten sich in der Nacht zu Freitag in München auf das Ziel einer Feuerpause in Syrien geeinigt. Innert einer Woche sollen demnach die Waffen schweigen.

Legende: Video Assad will ganz Syrien zurückerobern abspielen. Laufzeit 0:35 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 12.02.2016.

Problematisch sein dürfte die Tatsache, dass die Abmachung zu Einstellung der Feindseligkeiten von keiner der beiden Bürgerkriegsparteien unterschrieben wurde. Zudem erklärte Syriens Präsident Bashar al-Assad, er wolle das ganze Land zurückerobern. Auf Kritik stiess auch, dass keine sofortige Feuerpause vorgesehen ist und Russland seine Luftangriffe auf Rebellen zunächst fortsetzen will.

Skeptischer Stoltenberg

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bezweifelte in München, ob die russischen Angriffe tatsächlich den Dschihadisten gelten würden: Russland habe in der Vergangenheit vor allem gemässigte Rebellen und nicht den IS angegriffen. «Luftangriffe russischer Flugzeuge gegen andere Oppositionsgruppen in Syrien haben die Bemühungen für eine Friedenslösung untergraben», sagte Stoltenberg.

Die Münchner Konferenz war sich aber einig, dass jetzt schnell humanitäre Hilfe in belagerte Orte in Syrien gelangen soll. In Genf wurde eine neue Task Force für humanitäre Hilfe zusammengerufen, die sich um die Hilfsoperationen für die notleidende Bevölkerung kümmern soll.

Geeint gegen den Terror

Die Staatsoberhäupter von Jordanien, Irak und Afghanistan riefen an der Münchner Sicherheitskonferenz zu einem gemeinsamen, globalen Kampf gegen den Terrorismus auf. Jordaniens König Abdullah II. nannte diesen Kampf einen «Weltkrieg mit anderen Mitteln».

«Alle unsere Völker werden bedroht durch die Ideologie der Gewalt und der Geringschätzung des menschlichen Lebens», sagte er mit Blick auf die Terrormiliz Islamischer Staat und betonte, im Kampf gegen den Terror müsse man deshalb «zusammenarbeiten als wahrhaft globale Allianz».

Assad muss zurücktreten

Der saudi-arabische Aussenminister Adel al-Dschubair machte jedoch das eigentliche Ziel seiner Regierung deutlich: In scharfen Worten forderte er den Rückzug des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Es müsse in Syrien einen Wandel geben, denn Assad sei «der wirksamste Magnet für Extremisten und Terroristen», sagte al-Dschubair in der bayerischen Hauptstadt.

Saudi-Arabien gilt als wichtiger Unterstützer der Rebellen. Dem wahabitischen Regime geht es aber vor allem darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der Erzrivale im Nahen Osten – und Unterstützer des alewitischen Assad-Regimes.

Die Münchner Sicherheitskonferenz in Zahlen

30
Staats- und Regierungschefs aus 30 Ländern werden erwartet. Zudem mehr als 60 Aussen- und Verteidigungsminister aus aller Welt.
46Die Konferenz dauert 46 Stunden – von Freitagnachmittag 15 Uhr bis Sonntagmittag 13 Uhr.
52Es handelt sich um die 52. Ausgabe der Sicherheitskonferenz.
600Es werden 600 Teilnehmer erwartet. Hinzukommen hunderte Journalisten. Im Tagungshotel kümmern sich 900 Mitarbeiter um die Gäste.
3000Hochbetrieb in der Bäckerei des Tagungshotels: Im «Bayrischen Hof» werden 3000 Brötchen für die Konferenz gebacken.
3700Um die Sicherheit kümmern sich 3700 Polizisten vor Ort – auch wegen mehrerer angekündigten Gegendemonstrationen.
4000Zur Hauptkundgebung gegen die Konferenz werden 4000 Demonstranten erwartet.
5500Sitzen und diskutieren macht durstig: Der «Bayrische Hof» rechnet mit dem Verzehr von 5500 Flaschen Wasser, 5000 Flaschen Softgetränke, 2000 Flaschen Bier und 700 Flaschen Wein.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Die fast vollständige Einkesselung Aleppos ist eine humanitäre Katastrophe und ein Sieg Putins. Er hat den syrischen Bürgerkrieg genutzt, um den ohnmächtigen Westen vorzuführen und seine Ziele durchzusetzen.
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    1. Antwort von Peter Mueller (Elbrus)
      Präsident Putin und die Russische Armee haben vor allem bewiesen, dass Ihre Strategie richtig war. Da wurde nicht versucht mittels Drohnen zu operieren und sondern man nahm was Wirkung erzielt. Zerstörte systematisch die Logistik des IS - die Amerikaner hatten 18 Monate dafür und waren nicht in der Lage auch nur 15 % der Russischen Ziele zu treffen. Drohnen sind der grosse Verlierer der Waffensysteme. 2 Bomben a 300 kg und 2 Std Anflug reichen nicht aus um Wirkung zu erzielen.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Die Waffen der US-Sympathisanten töten ganz human, die Waffen der Assad-Sympathisanten inhuman und bestialisch. Sie grotesk wird versucht, uns die Lage zu verkaufen. Angriffskrieg ist vor allem für die betroffenen Bürger schlimm. Die Aggressoren können sich zurückziehen, wenn es brenzlig wird. Die Anführer aller Rebellengruppen (auch der IS) wurden von KSA und Helfern rechtzeitig ausgeflogen. Kurden und andere Minderheiten, die sich mit ihrem Leben verteidigen, haben nirgends eine Stimme.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Gerne wiederhole ich meinen Kommentar von heute Vormittag: Die Deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen kommt mir scheinheilig vor. Sie hat selbst Deutsche Kampfjets nach Syrien geschickt. Dort fallen nicht nur Bomben aus Russland, sondern auch aus den USA, der Türkei, dem KSA, GB und F. Weder sie, noch andere ausländische Machthaber haben den Präsidenten Syriens abzusetzen. DAS GEHT NUR MITTELS DEMOKRATISCHEN WAHLEN. Westliche Politiker sollten wenigstens diesen Grundsatz einhalten.
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