Wahl in Niedersachsen läuft schleppend an

Niedersachsen wählt einen neuen Landtag. Bisher ist das Wählerinteresse gering. Das, obwohl die Wahl als richtungsweisend gilt.

Eine Hand steckt einen Wahlzettel in eine Wahlurne (keystone) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Wahl in Niedersachsen hat erheblichen Einfluss auf die Bundespolitik. Keystone

Im flächenmässig zweitgrössten deutschen Bundesland Deutschlands sind 6,1 Millionen Bürger aufgerufen, ein neues Landesparlament zu wählen. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der amtierenden christlich-liberalen Koalition unter CDU-Ministerpräsident David McAllister und Rot-Grün voraus.

Bis Sonntagmittag gab erst knapp ein Viertel der Wahlberechtigten die Stimme ab. Um 12.30 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei rund 23,0 Prozent und damit etwa auf demselben Niveau wie vor fünf Jahren. Damals hatte Wahlbeteiligung am Ende mit 57,1 Prozent ein historisches Tief erreicht.

Vor allem das Abschneiden der FDP (Liberale) könnte darüber entscheiden, ob McAllister im Amt bleibt oder SPD-Herausforderer Stephan Weil neuer Regierungschef wird. Weil ist derzeit noch Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover und in Deutschland kaum bekannt.
 

Die Wahl gilt auch als wichtiger Stimmungstest vor der deutschen Bundestagswahl im Herbst. Sollte die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und nicht mehr in den Landtag kommen, dürften die Tage von Wirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler als FDP-Bundesvorsitzender gezählt sein.

Es geht auch um Steinbrück

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Rösler soll sowieso gehen

Gemäss einer Umfrage für die ARD wollen 42 Prozent der Befragten, dass Philipp Rösler als Bundesvorsitzender der FDP zurücktritt, unabhängig vom Wahlergebnis in Niedersachsen. 25 Prozent finden, er solle auf jeden Fall bleiben. 14 Prozent sind der Ansicht, er solle die Konsequenzen ziehen, wenn die FDP am Sonntag die 5-Prozent-Hürde verpasst.

Aber auch Debatten um SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück könnten wieder aufflammen, wenn die SPD den Machtwechsel in Hannover verpassen sollte. Sollte Rot-Grün den Wechsel schaffen, würden sich auch neue Machtverhältnisse im Bundesrat ergeben, in dem SPD und Grüne dann eine sogenannte gestalterische Mehrheit hätten.
 
McAllister rechnete am Sonntag weiter mit einem knappen Ausgang. «Es ist ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen», sagte der Regierungschef, nachdem er in seinem Heimatort Bad Bederkesa bei Cuxhaven gewählt hatte. SPD-Herausforderer Weil sagte bei der Stimmabgabe: «Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.»

Auch Altkanzler Gerhard Schröder und seine Frau Doris Schröder-Köpf gaben bereits am Vormittag ihre Stimme ab. Letztere bewirbt sich erstmals für die SPD um ein Landtagsmandat.

CDU will Wahlsieg wiederholen

Um die 135 Sitze im Landtag bewerben sich 659 Kandidaten. Bei der Wahl vor fünf Jahren hatte die CDU 42,5 Prozent Stimmen bekommen und war damit stärkste Kraft. Die SPD kam auf 30,1 Prozent, die FDP auf 8,2 Prozent und die Grünen auf 8,0 Prozent. Die Linke schaffte 2008 mit 7,1 Prozent erstmals in Niedersachsen den Sprung ins Parlament.
 
Nach den aktuellen Umfragen dürfte weder die Linkspartei noch die Piraten den Einzug in den Landtag schaffen.

Ergebnis Landtagswahlen Niedersachsen 2008 Vor vier Jahren eroberte die schwarz-gelbe Koalition eine knappe Mehrheit. Dieses Jahr sind Liberale und Linke gefährdet, an der 5-Prozent-Hürde zu scheitern. Das würde dem rot-grünen Lager helfen.