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Wahlen in Grossbritannien «Drastische Konsequenzen für Europa»

Die Konservativen haben gesiegt, Labour verliert – das Resultat ist klarer als erwartet. Nun muss Premierminister David Cameron das versprochene EU-Austritts-Referendum umsetzen. Grossbritannien-Korrespondenten Martin Alioth gibt Auskunft.

Frauen nehmen die Wahlzettel entgegen.
Legende: Die Wähler belohnen Cameron. Er hat in seiner Kampagne auf die Wirtschaft und Arbeitsplätze fokussiert. Keystone

SRF News: Bislang haben die Konservativen zusammen mit den Liberaldemokraten regiert. Müssen sie sich erneut einen Koalitionspartner suchen?

Martin Alioth: Es sieht so aus, als wäre das nicht nötig. Die BBC sagt im Moment eine hauchdünne absolute Mehrheit für die Konservativen voraus. Sollte es nicht ganz reichen, stehen die gedemütigten Liberalen wohl kaum zur Verfügung. Aber in Nordirland finden sich bestimmt ein paar Unionisten, die sich mit Geldgeschenken abspeisen lassen.

Ein Thema der Konservativen im Wahlkampf waren die Arbeitsplätze. Ein weiteres Thema war Grossbritanniens Rolle in Europa. Hat das Wahlresultat nun Konsequenzen?

Es hat drastische Konsequenzen: Das von Cameron versprochene EU-Austritts-Referendum wird nun unter seiner neuen Regierung stattfinden. Er ist durch keinen Koalitionspartner mehr gehemmt. Es kann sogar sein, dass dieses Referendum früher als 2017 stattfinden wird.

Verliererin ist die Labour-Partei. Labour-Chef Ed Miliband sprach von einer enttäuschenden Nacht. Warum diese deutliche Niederlage für Labour?

Es ist offensichtlich, dass der Wahlkampf Labours die Wähler in England nicht überzeugt hat. Die Labour-Partei konnte nur auf Kosten der gedemütigten Liberaldemokraten ein paar Sitze in England und Wales dazu gewinnen. Aber das reichte bei weitem nicht. Zwar sind die Prozentanteile der beiden grossen Parteien vermutlich identisch. Dennoch hat die Labour-Partei bei den Sitzen nie die erhofften Ergebnisse erzielt.

Die SNP, die schottischen Nationalisten, gehört zu den grossen Gewinnern. Wie ist das einzuordnen?

Es ist ein Erdrutsch. Die SNP hat 56 der 59 vorhandenen schottischen Sitze gewonnen. Schottland ist gelb eingefärbt. Das hat Konsequenzen für den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs. Es wird bereits laut über eine Föderalisierung des Vereinigten Königreichs nachgedacht.

Das Gespräch führte Barbara Peter.

Martin Alioth

Porträt Martin Alioth

Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Das wäre ein Traum - GB tritt aus der EU aus und schliesst sich in einer losen Union mit der Schweiz, Island und Norwegen (ohne PFZ) zusammen, die verstärkt den Handel untereinander ankurbeln und sich gegen die EU-Diktatur gegenseitig beistehen. Mit dem Ausstieg von GB würde die EU heftig brökeln und andere Länder würden ebenfalls folgen.
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    1. Antwort von N. Buonaparte, Thurgau
      Abgesehen davon, dass Sie nicht die leiseste Ahnung zu haben scheinen, was Diktatur bedeutet, werden Sie noch lange träumen dürfen, d.h. müssen. Wenn Sie glauben, dass Cameron die EU verlassen will, irren Sie gewaltig. Ja er wird ein Referendum durchführen und es im Namen der GB-Multis bekämpfen wo es nur geht. Und mit Verlaub, CH, N und Island sollen für GB das gleiche wirtschaftliche Gewicht haben wie die EU? Wie gesagt. Träumen Sie weiter.
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    2. Antwort von M. Roe, Gwatt
      Buonaparte: Die Briten werden entweder die EU völlig ändern zu einem Gerechtigkeitsstaat (eben nicht Rechtsstaat) oder sie werden die EU verlassen. Denn "Rechtsstaat" passt nicht zu Grossbitannien, da ein Rechtsstaat nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. Rechststaat heisst nur, dass z.B. auch ein Mörder die Gelegenheit bekommt, sich vor Gericht zu verteidigen (meist mit vom Staat bezahlten Verteidigern). Beim Rechtssystem der meisten englischsprechenden Länder, geht es jedoch um Gerechtigkeit.
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  • Kommentar von Martha Dummermuth, Sattel
    Es ist gut das es die Britten so gemacht haben mit den Wahlen wegen die Labors jetzt die Quittung erhalten haben für das sozialistische Model. Das Volk wird bald einmal sagen können, das es los will von der EU und dann fällt alles in Europa zusammen. Man kann in der Schweiz sagen zum Glück sind wir nicht dabei mit der EU! Es tretten alle Parteichefen zurück, das sollte in der Schweiz auch einmahl pasieren nach den Wahlen mit den Verlierer, nähmlich das sie abtretten und neuen Wind kommt!
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    1. Antwort von Hanspeter Schwarb, Eiken
      Frau Dummermuth, welche Quittung ? Vielleicht ist es Ihnen entgangen aber die Labours waren die letzten 10 Jahre gar nicht an der Macht. Die Politik von Blair in den 90 war zudem auch nicht links sondern im Stile einer FDP Der Name Labour ist ein Etikettenschwindel.
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  • Kommentar von N. Buonaparte, Thurgau
    Herr Alioth. Kein Wort über das antiquierte Wahlsystem? 1.5 Mio Stimmen für die SNP = 56 Sitze, 3 Mio Stimmen für UKIP = 1 Sitz? Wie lange die Briten das noch hinnehmen ist eher die Frage als EU ja oder nein. Überhaupt ist eines klar. der wahre Sieger ist "die" City. Daran wird auch ein Referendum nichts ändern. Die City braucht die EU. Es bleibt alles beim alten. Die Engländer scheinen kapiert zu haben, dass die City das Sagen hat, und sicher nicht das bei manchen verhasste Brüssel.
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