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Angriff auf den Champs-Elysées Was wir wissen – und was nicht

Paris wird erneut von einem Anschlag erschüttert. Offen ist, wer der getötete Täter genau war und ob er Komplizen hatte. Die Politik rätselt, wie sich der Angriff auf die Wahl auswirken wird.

Legende: Video Anschlag in Paris abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.04.2017.

Die Tat: Am Donnerstagabend schiesst ein Mann auf den Champs-Elysées mit einer Kalaschnikow auf einen stehenden Polizeiwagen. Ein Polizist stirbt, zwei weitere Beamte sowie eine deutsche Passantin werden verletzt.

Der Täter: Die Polizei erschiesst den flüchtenden Täter kurz nach dem Angriff. Er war offenbar polizeibekannt. Die Staatsanwaltschaft äussert sich zunächst nicht zur Identität des Angreifers. Polizisten durchsuchen noch am Donnerstagabend dessen Wohnung im Pariser Umland, wie es aus Ermittlerkreisen heisst. Dort wurden unter anderem Schusswaffen gefunden.

Die Behörden hatten den Mann Anfang des Jahres bereits im Visier: Es habe Hinweise auf Äusserungen gegeben, dass er Polizisten umbringen wollte, sagte der Chefermittler. Die Untersuchung habe jedoch zunächst keine ausreichenden Beweise erbracht. Der Angreifer war 2005 schon einmal wegen eines Angriffs auf Polizisten zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Komplizen: Das Innenministerium geht zunächst von nur einem Angreifer aus. Man könne aber nicht ausschliessen, dass es Komplizen gebe. Ein von den belgischen Behörden gesuchter Mann hat nach ersten Erkenntnissen keine Verbindung zu dem Angriff. Er hatte sich in der Nacht der Polizei in Antwerpen gestellt.

Der Hintergrund: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Attacke noch am Donnerstag für sich. Im Auto des Angreifers wird zudem ein Schreiben gefunden, das die Terrormiliz verherrlicht.

Das Motiv: Über das Motiv ist zunächst nicht viel bekannt. Präsident François Hollande hat das französische Sicherheitskabinett versammelt. Er sprach von einem Terrorakt. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Die Bedeutung für die Präsidentschaftswahlen: Die erste Runde der Präsidentschaftswahl soll wie geplant am Sonntag stattfinden. Das Innenministerium will mehr als 50'000 Polizisten zum Schutz einsetzen. Mehrere Kandidaten sagen Wahlkampfauftritte ab. Offen ist nach Ansicht von politischen Beobachtern, ob die Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen aus der Attacke politischen Nutzen ziehen kann.

Die Reaktionen: Premierminister Bernard Cazeneuve hat seine Landsleute nach dem Anschlag aufgerufen, sich nicht einschüchtern zu lassen und rief zur Einheit auf.

Frankreich-Mitarbeiter Rudolf Balmer in Paris: «Klima der Angst»

Einmal mehr ist es einem Mann gelungen, auf Menschen zu schiessen. Offenbar war es nicht seine Absicht, Passanten zu treffen, die auf den Champs-Elysées waren. Das bestätigen Augenzeugen. Er hatte es auf Polizisten abgesehen. Trotzdem ist die Bevölkerung schockiert von diesem Angriff. Leute, die heute zur Arbeit fahren mussten, fragten sich: Kann mir das auf dem Weg zur Arbeit auch passieren? Kann mich jemand im Café erschiessen? Diese Unsicherheit schafft ein Klima der Angst und der Irrationalität, das Auswirkungen haben kann auf die Wahlen am Sonntag. Man hofft, dass es den Behörden gelingt, die Wahlen so zu organisieren, dass die Bürger in Ruhe und ohne Furcht zur Urne gehen können.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Alles Unklar. Dass kurz vor den Wahlen, wo 25-30% der Wähler unentschieden sind, mit einem Anschlag, Razzien und Gerichtsverhandlungen eine psychologische Stuation geschaffen wird, ist nicht abwegig (siehe Gladio-Terror). Schaden dürfte dies dem Linksaussenkandidat Melenchon. Das ist nur eine Hyppthese unter mehreren, aber leider ist dies gewissen Kreisen zuzutrauen, wie man weiss. Zu glauben, heute würde auf Staatsterrorismus verzichtet, ist naiv und wider den Fakten.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Ein Teil der Strategie des Daesh (IS) ist erklärtermassen, dass er jeden, der sich irgendwie dazu berufen fühlen mag, dazu aufruft, in seinem Namen Anschläge im Westen zu verüben. Ein direkter Kontakt zwischen dem Täter und der eigentlichen Organisation ist dabei gar nicht nötig, damit der Täter vom Daesh als Teil ihrer Bewegung anerkannt wird. Daher wird es kein typisches Tatmuster des Daesh geben, das es erlauben würde, die Zugehörigkeit eines Anschlags zum Daesh zweifelsfrei auszuschliessen.
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Denn jeder selbstberufene, autonom handelnde Attentäter kann genau so vorgehen, wie er es für richtig hält. Wenn ein solcher Täter also meint, in einem Schreiben politische Forderungen stellen zu wollen, dann wird ihn niemand davon abhalten.
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  • Kommentar von elize naude (elize)
    @esther siefert: waswollen sie mit ihre aussage sagen...?
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