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International «Weiss sie denn nicht, wo die Waffen herkommen?»

Der amerikanische Senator John McCain kritisiert Deutschlands Ukraine-Politik mit harschen Worten. Die Kanzlerin verhalte sich so, wie sich Europa in den 30er Jahren gegenüber Nazi-Deutschland verhalten habe.

Der amerikanische Senator John McCain
Legende: Hat an der deutschen Weigerung, Waffen an die Ukraine zu liefern, gar keine Freude: der US-Senator John McCain. Reuters

Kurz vor dem Treffen von Angela Merkel mit Kremlchef Wladimir Putin hat US-Senator John McCain die deutsche Kanzlerin scharf angegriffen. Er verglich ihre Ablehnung von Waffenlieferungen an Kiew mit der Appeasement-Politik gegenüber Nazi-Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg.

«Ihr Verhalten erinnert mich an die Politik der 30er Jahre», sagte McCain laut Vorabmeldung in einem Interview für die ZDF-Sendung «Berlin direkt». Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat ist der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im US-Senat.

«Ich habe nichts anderes erwartet»

Das Verhalten Europas im Ukraine-Konflikt sei für ihn eine riesige Enttäuschung, «aber ich habe nichts anders erwartet», sagte McCain demnach. Wenn man sich die Haltung der deutschen Regierung anschaue, könne man meinen, sie habe keine Ahnung oder es sei ihr egal, dass Menschen in der Ukraine abgeschlachtet würden.

«Ich würde die Kanzlerin fragen, wie viele Menschen müssen noch in der Ukraine sterben, bevor wir ihnen helfen, sich zu verteidigen?», sagte der einflussreiche republikanische Senator. «Weiss sie denn gar nicht, wo die Waffen für die Separatisten und die Truppen herkommen?»

Legende: Video Einschätzungen SRF-Korrespondent Arthur Honegger abspielen. Laufzeit 1:10 Minuten.
Aus 10vor10 vom 06.02.2015.

Prominenter Befürworter von Waffenlieferungen

McCain warf Merkel Untätigkeit vor: «Will sie einfach nur zuschauen, wie ein Land in Europa zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg zerstückelt wird?»

Angesichts der eskalierenden Gewalt in der Ostukraine wird in den USA erneut über Waffenlieferungen an die ukrainische Armee diskutiert. McCain ist einer der prominentesten Befürworter.

US-Aussenminister John Kerry sagte bei einem Besuch in Kiew, Präsident Barack Obama werde «bald» darüber entscheiden. Bislang lehnte Obama Waffenlieferungen an die Ukraine ab.

Die Argumente für und gegen Waffenlieferungen an die Ukraine

Pro
Contra
Hilfe zur Selbsthilfe beziehungsweise Hilfe zur Selbstverteidigung: Vor allem Politiker und Militärs aus den USA haben sich zuletzt offen für diese Option ausgesprochen. Es sei zwar richtig, dass der Konflikt nicht mit militärischen Mitteln allein lösbar sei, meint beispielsweise der frühere US-Botschafter bei der Nato, Ivo Daalder. Die militärische Unterstützung der Ukraine sei aber der einzige Weg, um die notwendige Voraussetzung für eine diplomatische Lösung zu schaffen. Schliesslich hätten bislang nicht einmal die scharfen Wirtschaftssanktionen Erfolg gezeigt.Gegner von Waffenlieferungen an die Ukraine befürchten vor allem eine weitere Eskalation der Gewalt mit noch mehr Toten. Der russische Präsident Wladimir Putin könnte einen solchen Schritt nutzen, um künftig ganz offen die Separatisten zu unterstützen, argumentieren sie. Folge wäre dann ein sogenannter Stellvertreterkrieg, bei dem sich der Westen und Russland indirekt gegenüberstehen würden.

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59 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Müller, Bern
    Den Chinesen die Ostukrainischen Kohleflöze zur Pacht anbieten, wenn sie sich dafür den Sanktionen anschliessen?
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  • Kommentar von M. Pestalozzi, Zürich
    Wenn man an McCains Vergangenheit als Kriegsgefangener in Vietnam denkt, überraschen diese simplistischen Aussagen schon etwas. Damals brachte die mitlitärische Unterstützung 10 Jahre lang grosses Leid auf allen beteiligten Seiten. Die US zogen sich schliesslich zurück, heute kann man Vietnam als "befreundetes Land" bezeichnen. In der Ukraine muss (wie es damals in Vietnam notwendig gewesen wäre) vieles geklärt werden. Waffenlieferungen helfen da kaum.
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  • Kommentar von Marcel Gasser, Steffisburg
    Aus dem Artikel: McCain warf Merkel Untätigkeit vor: «Will sie einfach nur zuschauen, wie ein Land in Europa zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg zerstückelt wird?» - An dieser Aussage sieht man die Unfähigkeit dieses Geheimdienstlers. Wie war das noch gleich mit Jugoslawien? Es waren nicht die Russen, welche die verschiedenen Aufständischen und Seperatisten militärisch, logistisch und medial unterstützt haben. Die NATO-Staaten hatten an diesem Gemetzel einen erheblichen Anteil.
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