Welle der Solidarität auf griechischen Inseln

Alleine letzte Woche sind 23‘000 Bootsflüchtlinge in Griechenland angekommen. Und der Ansturm geht weiter, genauso wie die Dramen der vielen Ertrunkenen im Meer. Wie geht ein Land, das selber riesige Probleme hat, damit um?

Menschen stehen am Strand und winken mit farbigem Plastik in den Händen aufs Meer hinaus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viel Empathie mit den Flüchtlingen: Griechische Inselbewohner weisen Flüchtlingsbooten den Weg an Land. Keystone

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Mehr Flüchtlinge

Seit Jahresbeginn haben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bis Ende August bereits mehr als 350'000 Flüchtlinge den gefährlichen Weg über das Mittelmeer genommen. Mehr als 2640 Menschen starben bei den Fluchtversuchen. Im gesamten Jahr 2014 waren rund 219'000 Flüchtlinge gezählt worden, die über das Mittelmeer kamen.

Der Flüchtlingsandrang in der Ägäis nimmt immer grössere Dimensionen an. Auf der griechischen Insel Lesbos harren seit Tagen mehr als 15'000 Flüchtlinge aus. Und jeden Tag kommen Hunderte von Neuankömmlingen aus der Türkei hinzu.

Nach vorläufigen Daten der EU-Grenzschutzagentur Frontex trafen allein in der vergangenen Woche mehr als 23'000 Bootsflüchtlinge in Griechenland ein. Das sei ein Anstieg um fast 50 Prozent.

Bevölkerung übernimmt Regierungsaufgaben

Die Lage der Flüchtlinge ist desolat. Wegen der schweren Finanzkrise im Land haben die Behörden auf den Ostägäisinseln kein Geld, um den Menschen zu helfen. Es gibt kaum Toiletten, viele Migranten müssen im Freien schlafen. «Griechenland ist masslos überfordert», sagt die Journalistin Rodothea Seralidou in Athen.

«  Obwohl Griechenland selber massive Probleme hat, zeigt sich insbesondere die einfache Bevölkerung auf den Inseln sehr solidarisch mit den Flüchtlingen. »

Rodothea Seralidou
Journalistin in Athen

Nichtregierungsorganisationen und die Bevölkerung würden Arbeiten der Regierung übernehmen, die eigentlich der Staat machen müsste – Wasser, Lebensmittel und Windeln verteilen etwa. «Obwohl Griechenland selber massive Probleme hat, zeigt sich insbesondere die einfache Bevölkerung auf den Inseln sehr solidarisch mit den Flüchtlingen», sagt Seralidou.

Noch würde Empathie mit den Flüchtlingen vor Ängsten überwiegen. Diese versuchten rechtsextreme Gruppierungen wie die Goldene Morgenröte aber zu schüren und politisches Kapital aus der Flüchtlingsmisere zu schlagen. «Sie sagen etwa, dass viele Islamisten unter den Flüchtlingen seien und dass dies eine tickende Zeitbombe für Griechenland und die EU darstellen», weiss Seralidou.

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Die Glückskette ruft zu Spenden für die Flüchtlinge auf. Diese können auf das Konto 10-15000-6 (Vermerk «Flüchtlinge»), auf www.glueckskette.ch oder via App «Swiss Solidarity» überwiesen werden.

Eigene Flüchtlingsgeschichte ist präsent

Dass insbesondere die Inselbewohner zusammenrücken und sich solidarisch mit den Flüchtlingen zeigen, habe mit der Geschichte des Landes zu tun, erklärt die Journalistin. Griechenland habe eine eigene Flüchtlingsgeschichte. 1922 seien viele Griechen aus der Türkei auf die griechischen Inseln geflohen und aufgenommen worden. Das sei vielen Leuten immer noch sehr präsent.

Trotzdem kämen viele Inseln selber an die Grenzen des Möglichen. Die griechischen Behörden versuchen die Lage auf den Inseln zu entschärfen, indem sie Flüchtlinge mit Fähren nach Piräus auf das Festland zu bringen. Allein am späten Dienstagabend und Mittwochvormittag sollten mehr als 4200 Migranten die Inseln auf diesem Weg verlassen haben. Von dort wollen die meisten über die Balkanroute nach Westeuropa.

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