Weniger Geld – weniger Neugeborene

Je höher die Arbeitslosigkeit, desto weniger Kinder gebären Frauen. Die Krise in Europa hat demografische Folgen für den Kontinent.

Neugeborenes Baby liegt bei seiner Mutter auf der Brust. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stefan kam heuer in Deutschland zur Welt. Dort ist die Geburtenrate stabil, die Arbeitslosenzahlen sanken gar. Reuters

Die Wirtschaftskrise hat das Wachstum der Geburtenrate in Europa unterbrochen. Diese These wird durch eine Studie des Max-Planck-Instituts erhärtet, die 28 europäische Länder miteinander verglich.

Das Resultat: Die Kinderzahl pro Frau sinkt umso stärker, je höher die Arbeitslosenquote in einem Land steigt. Damit hat die Krise, die 2008 begann, einen europaweiten Aufschwung der Geburtenraten unterbrochen.

Weniger Babys in Krisenzeiten

1:30 min, aus Rendez-vous vom 10.07.2013

Besonders betroffen sind südeuropäische Länder wie Spanien und Kroatien. Ausserdem in Ungarn, Irland und Lettland. In Spanien beispielsweise wuchs die Kinderzahl pro Frau seit Beginn des Jahrtausends und erreichte 2008 einen Wert von 1,47. 2009 sackte sie auf 1,40 ab. Dies, nachdem die Arbeitslosenquote 2008 von 8,3 Prozent auf 11,3 Prozent im Jahr 2009 gestiegen war.

Junge Menschen warten ab

Speziell Menschen unter 25 Jahren verzichten bei steigender Arbeitslosigkeit auf Kinder. Die jungen Leute verschieben zumindest die Familiengründung, wenn sie auf dem Arbeitsmarkt erst gar nicht Fuss fassen können.

Hingegen ändern sich die Raten der ersten Kinder bei den über 40-Jährigen nicht. Bei ihnen konnten die Forscher keinen Zusammenhang zwischen steigenden Arbeitslosenquoten und Geburten feststellen.

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Steigt die Arbeitslosenrate um ein Prozent, sinkt die Geburtenrate bei den 20- bis 24-Jährigen um etwa 0,1 Prozent, in Südeuropa um 0,3 Prozent.

Lediglich zum Halt kamen die wachsenden Geburtenraten etwa in den Ländern Tschechien und Polen, in Grossbritannien oder Italien. In einigen Nationen zeigte sich nur ein schwacher oder gar kein Effekt, wie etwa in Russland oder Litauen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ergab die Analyse keine signifikanten Einflüsse. Dort stieg die Arbeitslosenquote in den letzten Jahren allerdings auch nicht oder nur wenig an. In Deutschland sank sie sogar.

Grundsätzlich gilt: Geburtenratenraten und Arbeitslosenquoten korrelieren in einzelnen Ländern unterschiedlich stark. Weitere Faktoren spielen eine wichtige Rolle – etwa die Familienpolitik oder die Sicherheit der Arbeitsplätze. So senkt Arbeitslosigkeit die Geburtenraten am stärksten in Südeuropa.

Vergleich der Geburtenraten und Arbeitslosenquoten zwischen 2001 und 2011 Max-Planck-Institut