Studie der Weltbank Wenn Arbeitsmigranten kein Geld mehr heimschicken

Das Wichtigste in Kürze

  • Einen so starken Einbruch bei den Rück-Überweisungen von Arbeitsmigranten an ihre Angehörigen in Entwicklungsländern wie 2016 hat es lange nicht gegeben: Um elf Milliarden Dollar ist dieser Geldfluss zurückgegangen.
  • Insgesamt lag der Betrag im vergangenen Jahr bei 430 Mrd. Dollar.
  • Ausgerechnet bei Überweisungen in die ärmsten Länder Schwarzafrikas sind die Kosten am höchsten. Knapp zehn Prozent des Betrags kassierten Finanzintermediäre (wie Western Union, PayPal oder Moneygramm) als Gebühr.
  • Wenn weniger nach Hause überwiesen wird, könnte es für viele Familien deutlich schwierig werden, Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Nahrung zu bekommen, warnt die Weltbank.

Viele Haushalte in Entwicklungsländern können nur über die Runden kommen, weil ihnen Familienangehörige, die im Ausland arbeiten, regelmässig Geld überweisen. Die Empfänger können oft nur dank dieser Überweisungen Essen kaufen, ihre Kinder in die Schule schicken oder Spitalbesuche finanzieren.

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Studie zu Heimatüberweisungen

Das Original der 44seitigen Analyse der Weltbank kann hier abgerufen werden.

Starker Rückgang

Doch der für viele Arme überlebenswichtige Geldfluss ist nun schon im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen. Die Weltbank warnt vor gravierenden Folgen.

Einen so starken Rückgang hat es nach Angaben der Weltbank seit Jahrzehnten nicht gegeben: 2016 überwiesen Arbeitsmigranten in aller Welt 2,4 Prozent oder elf Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr zurück an ihre Familien in Entwicklungsländern. Dies, obwohl die Zahl der Migranten gleichzeitig zugenommen hat. Insgesamt wurden rund 430 Milliarden Dollar zurücküberwiesen – das ist immer noch ein Vielfaches der öffentlichen Entwicklungshilfe.

Schwaches Wirtschaftswachstum

Als Gründe für den Rückgang nennt die Weltbank vor allem niedrige Rohstoffpreise und das schwache Wirtschaftswachstum in Ländern, in denen Arbeitsmigranten ihr Geld verdienen. Wenn sie dort weniger verdienen, können sie auch weniger an die Familien zuhause überweisen.

Einen gewissen Effekt dürften auch die im Vergleich zum Dollar niedrigeren Devisenkurse von Euro, britischem Pfund oder russischem Rubel gehabt haben. Die Statistik wird in US-Dollar ausgewiesen.

Hohe Transfer-Gebühren

Überdurchschnittlich schrumpften die Rück-Überweisungen in südasiatische Länder wie Indien, Bangladesh oder Nepal. Aber auch Länder Schwarzafrikas waren besonders stark betroffen – mit einem Minus von gut sechs Prozent oder 33 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa den Volkseinkommen von Guinea, Togo und Sierra Leone zusammengezählt.

Geldfluss durch Emigranten


Rücküberweisungen durch Emigranten
(in Millionen US-Dollar)
Anteil am BIP
Indien
68'910
3,3%
China
63'938
0,6%
Philippinen28'4839,8%
Mexiko
26'233
2,3%
Pakistan
19'306
7,2%
Nigeria21'0604,4%
Ägypten
18'3255,5%
Bangladesch15'3887,9%
Vietnam13'0006,7%

Was die Weltbank-Statistik auch zeigt: Ausgerechnet bei Überweisungen in die ärmsten Länder Schwarzafrikas sind die Kosten am höchsten. Knapp zehn Prozent des Betrags kassierten Finanzintermediäre (wie Western Union, PayPal oder Moneygramm) als Gebühr.

Wichtige Einkommensquelle

Für viele arme Länder seien die Rücküberweisungen eine wichtige Einkommensquelle, warnte die Weltbank. Wenn weniger nach Hause überwiesen würde, könnte es für viele Familien deutlich schwierig werden, Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Nahrung zu bekommen.

Immerhin gibt es ein wenig Hoffnung: Die Weltkonjunktur läuft in diesem Jahr etwas besser – das könnte auch den privaten Geldfluss in Entwicklungsländer wieder etwas beleben.