Wer nicht hilft, wird entlassen

Die tödliche Krankheit Ebola weitet sich in Westafrika immer mehr aus. Während sich Helfer und Ärzte haufenweise anstecken, bleiben Liberianische Beamte lieber im Ausland. Liberias Präsidentin reagiert mit Entlassungen und hält Löhne zurück.

Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf in einem Konferenzsaal Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Diese Minister sind vor ihr sicher: Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf am Treffen der Afrikanischen Union. Reuters

Inmitten der Ebola-Krise hat Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf mehrere abwesende Minister gefeuert. Dies teilte ihr Büro am Dienstag mit, ohne jedoch Angaben zur Zahl oder der Identität der Betroffenen zu machen.

Sirleaf hatte am 6. August alle Minister und hohen Beamten aufgerufen, die sich gerade im Ausland befanden, binnen einer Woche ins Land zurückzukehren, um bei der Bekämpfung der verheerenden Ebola-Epidemie mitzuhelfen. Minister, die dieser Aufforderung bis zum Dienstag nicht nachgekommen war, wurden entlassen. Bei den hohen Beamten, die nicht zurückgekehrt seien, würde das Gehalt bis zu ihrer Rückkehr einbehalten, teilte das Präsidentenbüro mit.

Helfer ungenügend geschützt

Derweil haben sich haben sich medizinische Helfer in ganz Westafrika in bisher beispiellosem Ausmass mit dem Virus infiziert. Bislang hätten sich mehr als 240 Ärzte, Pfleger und andere Helfer angesteckt, von denen über 120 gestorben seien, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf mit.

Für die hohe Infektionsrate unter den Helfern nannte die WHO etliche Gründe: Oft sei die Ausstattung mit Schutzausrüstung wie Spezialkleidung, Mundschutz oder Handschuhen unzureichend. Zudem seien viele Helfer mit der chaotischen Situation vor Ort völlig überfordert, was das Infektionsrisiko erhöhe. «Überlastetes Personal ist anfälliger für Fehler», erklärte die WHO.

Der Kampf gegen die Epidemie wird nach Angaben der Vereinten Nationen durch die Reduzierung der internationalen Flüge nach Westafrika stark behindert. Dadurch werde es sehr schwer, Helfer und Hilfsgüter in die betroffenen Länder zu bringen, sagte ein UNO-Koordinator für Hilfsoperationen in Sierra Leone. Unterdessen weitet sich der Virus-Ausbruch laut der UNO immer noch aus.

Zusatzinhalt überspringen

Kein Mittel gegen Ebola

Für Ebola gibt es bislang kein zugelassenes Heilmittel. Ärzte können nur die Symptome behandeln. Die Behandlung mit «ZMapp» gilt als vielversprechend. Das Mittel befindet sich aber noch im Experimentierstadium. Zudem hat es in den zurückliegenden Wochen jedoch auch Todesfälle bei Ebola-Patienten gegeben, die das Medikament erhalten hatten.

Hat die WHO zu spät reagiert?

Derweil warf der renommierte Experte und Ebola-Mitentdecker Peter Piot der WHO vor, viel zu spät auf die Epidemie reagiert zu haben. Bereits im März sei gewarnt worden, dass sich seit Dezember 2013 eine Ebola-Epidemie entwickele, sagte der belgische Forscher der Pariser Zeitung «Libération».

«Ungeachtet von Anforderungen durch MSF (Ärzte ohne Grenzen) ist die WHO nicht vor Juli aufgewacht», kritisierte der Mikrobiologe. «Inzwischen hat sie die Führung übernommen, aber das kam spät.» Der 65-Jährige warnte, dass die Ebola-Epidemie noch weit schlimmere Folgen haben könne als bisher.

Für westliche Länder sieht er keine ernste Gefahr. Es sei möglich, dass einzelne Fälle von Ebola auftreten. Moderne Gesundheitssysteme könnten damit aber fertig werden. Ebola-Viren würden sich keineswegs so leicht verbreiten wie etwa Grippe-Erreger.