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International «Wie es weitergehen soll, weiss niemand»

Der Flüchtlingsstrom nach Italien reisst nicht ab. Die Marine hat in den vergangenen 24 Stunden über tausend Migranten in Sicherheit gebracht. Mehr Gerettete dank 200 Millionen mehr. Aber das vorgesehene Geld war nur für 2013. Und nun?

Jedes Jahr versuchen tausende Flüchtlinge, über das Mittelmeer in die Europäische Union zu gelangen. Italien und Griechenland sind Hauptzielländer für Menschen, die über die Nahost-Region und Afrika in die EU wollen.

Nach dem Flüchtlingsdrama mit mehr als 360 Toten vor Lampedusa im Oktober hatte Italien die Überwachung des Mittelmeerraums verstärkt und 200 Millionen Euro mehr gesprochen. Laut Italienkorrespondent Massimo Agostinis seien wohl auch dank dieser gezielten Überwachung viel mehr Flüchtlinge aus dem Meer gerettet worden.

Die Millionen würden aber eigentlich nur bis Ende 2013 reichen. Und Agostinis ergänzt: «Wie es weitergehen soll, weiss man nicht – auch in Italien nicht.» Die Flüchtlinge werden momentan in grosse Auffanglager in Süditalien oder auf Sizilien gebracht. Dort werden ihre Personalien aufgenommen. Sie kriegen dann eine Art Pass, damit sie sich in der Gegend frei bewegen können.

Keine Perspektiven

Aber das seien nicht Lager, wie man sie sich vielleicht vorstellt, mit hohen Drahtzäunen, so der Italienkorrespondent. «Das sind sehr lotterige Anlagen, aus denen sich die meisten Flüchtlinge früher oder später absetzen.» Sie bekämen in diesen Lagern keine Perspektiven und hätten auch nichts zu tun. Und Agostinis ergänzt: «Viele dieser Flüchtlinge landen dann in der italienischen Landwirtschaft, wo sie Tomaten pflücken, die dann am Ende bei uns auf den Tellern landen. Sie arbeiten für sehr wenig Geld, etwa 20 Euro am Tag – schwarz natürlich.»Nach Angaben des Innenministeriums hat sich die Zahl der ankommenden Flüchtlinge im Jahr 2013 mit nahezu 43'000 mehr als verdreifacht. «Man hat ein paar Millionen gesprochen, aber das was Italien verlangt, nämlich dass Resteuropa mehr Flüchtlinge aufnimmt, tritt nicht ein.» Was Nordeuropa so zu verhindern versuche, passiere dann trotzdem: Die Flüchtlinge tauchen unter und bewegen sich weiter in den Norden.

Über 1000 gerettet

Genau drei Monate nach dem Flüchtlingsdrama vor der Insel Lampedusa hat die italienische Marine in 24 Stunden über tausend Migranten aus Seenot gerettet. Die Flüchtlinge befanden sich an Bord von insgesamt fünf Booten.

Der Rettungseinsatz unter dem Namen «Mare Nostrum», an dem sechs Marineschiffe und mehrere Helikopter beteiligt waren, wurde in der Nacht zum Freitag beendet. Vier Flüchtlingsboote, die kaum noch seetüchtig waren, waren am Donnerstag südlich von Lampedusa gesichtet worden, wie die Marine am Freitag mitteilte.

Die insgesamt 823 Migranten an Bord, darunter Dutzende Frauen und Kinder, wurden von mehreren Marineschiffen aufgenommen. Sie stammen den Angaben zufolge aus afrikanischen und asiatischen Ländern, so aus Ägypten, Tunesien, Pakistan und dem Irak. Zusammen mit weiteren Flüchtlingen sollen sie nach Augusta auf Sizilien gebracht werden.

233 Menschen bereits am Donnerstag gerettet

In Augusta angekommen sind unterdessen 233 Männer und Frauen, die in der Nacht zum Donnerstag mit einem ebenfalls kaum seetauglichen Boot vor Lampedusa unterwegs waren. Diese Migranten aus Eritrea, Nigeria sowie Somalia, Pakistan, Sambia und Mali waren die ersten Flüchtlinge, die im neuen Jahr von Italiens Marine in Sicherheit gebracht worden waren.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Breitenmoser, Embrach
    Wie es weiter gehen soll? Wir müssen weniger stehlen in Afrika. Das würde dem Kontinent schon viel helfen. Die USA und Europa sind hauptschuldig am Elend Afrikas, angefangen beim Kolonialismus über das Klima-Elend bis zum Neokolonialismus von heute. Die Bodenschätze, Reichtümer und Gelder fliessen ungehindert nach Europa. Auch in die Schweiz. Siehe zum Beispiel Glencore: Afrika - Der ausgeraubte Kontinent www.youtube.com/watch?v=Fhd8U17tTAs
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  • Kommentar von Rolf Unternährer, Marbach
    Zwischen 850 Milliarden und einer Billion Dollar pro Jahr fliessen gemäss Schätzungen der OECD durch Falschbuchungen aus Entwicklungsländern ab. Mehr Geld als Entwicklungshilfe in diese Länder fliesst. Deshalb will die internationale Gemeinschaft diese Praktiken unterbinden. Es wird diskutiert, wie man die Finanzströme genauer kontrollieren kann. www.srf.ch/news/wirtschaft/unlautere-finanzstroeme-laugen-entwicklungslaender-aus
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  • Kommentar von S.Frehner, Matzingen
    Afrika hat 1800 Milliarden Dollar (1800 000 000 000 Dollar) gemäss Global Financial Integrity seit 1970 aufgrund von Kapitalflucht verloren. Dieser Betrag hätte gereicht, um die gesamten ausstehenden Auslandschulden der Region zu begleichen. Es wären sogar noch 600 Milliarden Dollar für Armutsbekämpfung und wirtschaftliche Entwicklung übrig geblieben. Die Schweiz und ähnliche Steueroasen mit Bankgeheimnis machen sich zu einem grossen Mass mitschuldig am Elend Afrikas.
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