Wie Facebook und Twitter bei der Suche nach Vermissten helfen

Da viele Angehörige ihre Liebsten nicht auf dem Handy erreichen, suchen sie auf Social Media nach diesen. Dank Twitter und Co. hat die Suche indessen System – und zeitigt erste Erfolge. Über diverse Plattformen werden getrennte Menschen via Hahstags wieder zusammengeführt.

#nicefindpeople, #RechercheNice und #Nice06 bieten all jenen Menschen eine Anlaufstelle, die nach dem Tumult in Nizza nach ihren Kindern, Geschwistern und Freunden suchen. Können sie ihre liebsten via Handy nicht erreichen, empfangen sie – so die Hoffnung – vielleicht auf Social Media ein Lebenszeichen.

Mittlerweile suchen so viele Menschen nach Angehörigen, dass sie auf Twitter, Facebook und Co. Synergien nutzen. Im Web werden Fotos und Personenbeschriebe geteilt, verschiedene Plattformen bieten sich zum Austausch an.

Tweet vermisster Jugendlicher

Die Helfer hinter den Accounts werden je länger je mehr mit Anfragen überrannt – es sind inszwischen so viele, dass die solidarischen User ganze Listen unauffindbarer Menschen posten.

Tweet Vermisstenliste

Die Suchaktionen haben bereits erste Erfolge gezeitigt. So hat die Geschichte um ein Kleinkind ein gutes Ende genommen, das über Facebook gesucht worden war:

«Wir haben unser achtmonatiges Baby in einem blauen Kinderwagen verloren. Wenn es jemand gesehen oder mit sich genommen hat», schrieben die Eltern und gaben ihre Kontaktdaten an.

Prompt wurde die Botschaft mehrere Tausend Male geteilt (bis jetzt 22'000 Mal). Und nach Stunden der Angst der Eltern und des bangen Hoffens der Community folgte die Erleichterung: Ein User verkündete im Namen der Eltern: «Trouvé!» und «Merci.»

Post Baby

Auch die Vermissten selbst können – um ihre Familien zu beruhigen – im Internet aktiv werden. Facebook hat dafür eigens die Funktion freigeschaltet, die schon nach den Terroranschlägen Paris aktiviert worden war.

Weiter können sie über #PortesOuvertesNice nach einer Zuflucht suchen. Der Hashtag wurde insbesondere in der Nacht tausenfach geteilt. Einwohner von Nizza haben auf diesem Weg jenen Zuflucht geboten, die nach der Attacke auf der Strasse verloren waren.

Kopf (und Seele) hinter #NiceFindPeople

Kopf (und Seele) hinter #NiceFindPeople
Sarah Meagher, Kopf (und Seele) hinter #NiceFindPeople lebt weit weg von Nizza, wie sie gegenüber SRF News angibt. Auf die Frage hin, warum sie sich denn so engagiere, sagt sie: «Ich habe den Account eingerichtet, weil ich ein Mensch bin. Und weil ich gedacht habe, dass es eine gute Idee sei, anderen Menschen dabei zu helfen, ihre Liebsten wiederzufinden.» Sie habe Hunderte von Fotos und Personenbeschreibungen bekommen und einigen davon helfen können. Deshalb sei sie sehr glücklich.

Tweet vermisster Knabe

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Deutscher Journalist als Augenzeuge

    Aus Tagesschau vom 15.7.2016

    Der deutsche Journalist Richard Gutjahr war zufällig vor Ort, als das Attentat passierte. Im deutschen Fernsehen ARD hat er die Ereignisse geschildert.