Wird jetzt gegen Sepp Blatter ermittelt?

Der Schweizer Bundesanwalt tritt heute gemeinsam mit der US-Justizministerin vor die Medien. Für den Fifa-Präsidenten könnte es ungemütlich werden.

Warner steht hinter Blatter, beide lächelnd und im Anzug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Warner stand bei Blatters Wiederwahl stets hinter dem Fifa-Präsidenten – aus Dankbarkeit? Keystone

Sepp Blatter steht unter Druck. Dem Fifa-Präsidenten wurde zwar bisher kein korruptes Verhalten nachgewiesen. Doch letzten Freitag hat die Sendung «10vor10» ein Dokument präsentiert, wonach er dem ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner TV-Übertragungsrechte zu einem zu tiefen Preis überlassen haben soll.

«Pikant daran ist, dass nur Blatter jenen Vertrag unterschrieben hat. Die restlichen Mitglieder des Fifa-Exekutivrats blieben aussen vor», sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann. Der Verband hätte dadurch Schaden genommen, so der Vorwurf.

Das könnte allenfalls den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsführung erfüllen und wäre somit ein Fall für die Schweizerische Bundesanwaltschaft. Diese schwieg bisher dazu und verweist auf eine Medienkonferenz, die heute stattfinden soll.

Bundesanwalt Michael Lauber wird demnach am Nachmittag in Zürich zusammen mit der US-Justizministerin Loretta Lynch vor die Medien treten. Mit Spannung wird erwartet, ob die Bundesanwaltschaft von einem Offizialdelikt ausgeht und aktiv wird.

Auflösung des Vertrags nach sechs Jahren

Die Fifa selbst hatte als erste Reaktion auf den «10vor10»-Beitrag mitgeteilt, dass sie keinen Kommentar abgebe. «Dann hat sie aber doch eine Klarstellung verschickt», erklärt Ammann. Darin halte sie fest, dass der erwähnte Vertrag «nur die Hälfte der Wahrheit» sei.

Die Fifa habe sich in einem Zusatzdokument die Hälfte der Einnahmen aus dem Weiterverkauf der TV-Rechte gesichert. Ausserdem sei dieser Vertrag 2011, da sich Warner nicht an ihn gehalten habe, aufgelöst worden.

«Das war allerdings erst sechs Jahre nach Abschluss des Vertrags», ergänzt der Wirtschaftsredaktor. Zahlreiche weitere Fragen seien noch offen: «Etwa, ob es allenfalls weitere Zusatzvereinbarungen gegeben hat und ob Warner das Geld für die Übertragungsrechte – insgesamt 600'000 Dollar – überhaupt überwiesen hat.»

Warner, damals Präsident des Fussballverbands der Karibik, habe die Rechte an den Weltmeisterschaften in Südafrika und Brasilien für 20 bis 30 Millionen Dollar an diverse TV-Stationen weiterverkauft. Als Dank soll er Blatters Wiederwahl unterstützt haben.