Wird Libyens Öl nun von Rebellen exportiert?

Der nordkoreanische Tanker «Morning Glory» hat laut unbestätigten Berichten den libyschen Hafen Sidra verlassen. Für die Regierung wäre dies eine fatale Wendung: Verliert sie den Export von Öl als Einnahmequelle, bricht der Staat über kurz oder lang zusammen, sagt der SRF-Mitarbeiter vor Ort.

Der nordkoreanische Tanker «Die Morning Glory» im Hafen von Sidra in Libyen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der nordkoreanische Tanker «Die Morning Glory» im Hafen von Sidra in Libyen. Reuters/Archiv

Übereinstimmend mit einem Vertreter der staatlichen Ölgesellschaft behaupten Rebellen in Libyen, der nordkoreanische Öltanker «Morning Glory» sei um drei Uhr morgens ausgelaufen. Er war von den Rebellen mit Rohöl beladen worden, das verkauft werden soll.

Auch Abdelkader Huili vom Energieausschuss des libyschen Parlaments sagte, das Schiff habe bei schlechtem Wetter seinen Bewachern entkommen und das offene Meer erreichen können. Das Verteidigungsministerium in Tripolis bestätigte die Information zunächst nicht. Allerdings sagten mehrere Rebellen und mit ihnen sympathisierende Hafenarbeiter einem Reporter in Sidra, das Schiff sei schon um drei Uhr morgens ausgelaufen. Bewaffnete Boote der Rebellen hätten den Tanker bis in internationale Gewässer begleitet.

Wie reagiert die Regierung?

Im Streit um den Export des Öls steuern die libysche Regierung und die Separatisten auf eine militärische Konfrontation zu. Am Montag ordnete das Parlament in Tripolis eine Militäroperation an, um die von kriminellen Banden und Separatisten besetzten Ölverladehäfen wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen. Das Parlament und die religiösen Autoritäten des nordafrikanischen Landes riefen zudem Revolutionsbrigaden aus der Zeit des Krieges gegen die Truppen von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi zu den Waffen.

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Der Hintergrund der Aktion:

Eine Gruppierung hat im Osten Libyens eine eigene Regierung ausgerufen. Auch diese braucht dringend finanzielle Mittel. Deshalb versuchen nun die Rebellen, Öl illegal zu verkaufen. Der libysche Staat ist seit dem Sturz von Langzeitdiktator Gaddafi instabil und die offizielle Regierung hat sehr wenig Macht.

Ölexport ist die Lebensschlagader

«Wenn die libysche Regierung die Öl-Einnahmen verliert, dann wird sie die Kontrolle über das Land verlieren», sagt Beat Stauffer, SRF-Mitarbeiter in Nordafrika. Der Rückgang der Macht der Regierung sei schon so weit fortgeschritten, dass diese innert Monaten die Mittel nicht mehr haben werde, um den Staatsapparat zu finanzieren.

Bis anhin seien die Rebellen zwar in der Lage gewesen, in erheblichem Ausmass die Ölproduktions- und die Ölverlade-Anlagen zu blockieren. Doch: «Verkaufen konnten sie das Öl nicht in grossem Stil.» Bereits im Januar hatten sie versucht, ein Schiff in den Osten Libyens zu schicken. Es sollte dort mit Öl beladen werden. Das konnte damals aber verhindert worden.

Sollten die neusten Berichte stimmen, ist den Rebellen nun mit dem Auslaufen der «Morning Glory» ein weiterer Schritt zur Beschaffung von Geldmitteln gegelückt.