Anschlag in St. Petersburg Zahl der Todesopfer auf 14 gestiegen

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Schock in St. Petersburg

1:16 min, aus Tagesschau am Mittag vom 4.4.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • In einem U-Bahn-Zug in der russischen Grossstadt St. Petersburg hat sich am Montag ein Anschlag ereignet. Laut der Nachrichtenagentur Interfax handelte es sich um ein Selbstmordattentat.
  • Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf 14 gestiegen, wie die russische Gesundheitsministerin sagte. Fast 50 Menschen wurden verletzt.
  • Nach den Tätern wird noch gefahndet. Nach bisherigem Kenntnisstand soll es sich bei einem Täter um einen 22-Jährigen mit radikal-islamistischen Verbindungen handeln. Laut dem kirgisischen Geheimdienst soll der mutmassliche Attentäter ein gebürtiger Kirgise mit russischem Pass sein.
  • Die Sicherheitsvorkehrungen in St. Petersburg und auch in der Hauptstadt Moskau wurden massiv verstärkt.

Drei weitere Menschen seien in Rettungswagen oder in Spitälern ihren schweren Verletzungen erlegen. 49 Menschen wurden am Dienstag noch in Spitälern behandelt. Zuvor hatte die Behörden von mindestens elf Toten und 45 Verletzten gesprochen.

Der Gouverneur von St. Petersburg, Georgi Poltawtschenko, berichtete, dass unter den Opfern nur drei Ausländer seien: aus Usbekistan, Tadschikistan und Weissrussland. Seinen Angaben zufolge sind keine Staatsbürger westlicher Länder unter den Opfern.

Am Montagnachmittag war eine Bombe in einer fahrenden U-Bahn explodiert. Eine zweite Bombe wurde entschärft. Das staatliche Ermittlungskomitee geht von einem Terroranschlag aus.

Anteilnahme von Merkel und Trump

Der Anschlag hat weltweit Entsetzen und Anteilnahme ausgelöst. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte den «barbarischen und feigen Terroranschlag». Generalsekretär Antonio Guterres drückte den betroffenen Familien sein tiefes Mitgefühl aus. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich in einem Kondolenztelegramm an Putin über die Attacke entsetzt.

US-Präsident Donald Trump verurteilte nach Angaben des Weissen Hauses in einem Telefonat mit Putin die Tat und bot volle Unterstützung bei der Jagd nach den Tätern an. Er habe zudem den Opfern und ihren Angehörigen sowie dem russischen Volk sein tiefstes Beileid ausgesprochen.

Verstärkte Polizei-Präsenz

Alle Zugänge zu den U-Bahnen würden nun zusätzlich bewacht, teilte der Metro-Betreiber mit. Zudem würden Busse und Strassenbahnen stärker überprüft. Auch in der Hauptstadt Moskau patrouillieren zahlreiche Polizisten an den Flughäfen, Bahnhöfen und in den Metro-Stationen.

Die Behörden in Kirgistan teilten mittlerweile mit, der Anschlag sei von einem Selbstmordattentäter aus dem zentralasiatischen Land verübt worden. Für das Attentat sei ein Kirgise verantwortlich. Der 1995 geborene Mann habe «wahrscheinlich» auch die russische Staatsangehörigkeit gehabt.

Putin gedenkt der Opfer in St. Petersburg

1:03 min, aus Tagesschau Nacht vom 3.4.2017

Präsident Wladimir Putin, der am Abend rote Rosen am Eingang der Metrostation Technisches Institut ablegte, sei über alle Entwicklungen informiert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Theorie über einen Selbstmordattentäter kommentierte er nicht.

Putin war wegen einer Konferenz und eines Treffens mit dem weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko in St. Petersburg, hielt sich aber weit weg vom Tatort im Vorort Strelna auf.

Die Stadtverwaltung von St. Petersburg rief eine dreitägige Trauer aus. Zahlreiche Menschen stellten vor den Zugängen der U-Bahn-Stationen und in Moskau in der Nähe der Kremlmauer Kerzen auf und legten Blumen für die Opfer nieder.

Bisher nur Anschläge in Moskau

Russland war in der Vergangenheit mehrmals Ziel von Anschlägen militanter Tschetschenen. Diese konzentrierten sich bislang aber auf die Hauptstadt Moskau. 2010 starben 38 Personen, als zwei Selbstmordattentäterinnen Sprengsätze in der Metro zündeten. Führer der Rebellen hatten wiederholt mit weiteren Attacken gedroht. Tschetschenen kämpfen auch an der Seite des Islamischen Staates (IS) in Syrien. Russland hat in dem Konflikt Präsident Baschar al-Assad militärisch unterstützt.

Einschätzungen von SRF-Korrespondent David Nauer

«St. Petersburg war vom Terror bisher weitgehend verschont geblieben. Die Stadt sieht sich als kultivierte Kulturhauptstadt und grenzt sich ab zu Moskau, das für Staatsmacht und Geld steht und immer wieder Ziel von politischen Terror und politischen Unruhen wurde. Umso grösser ist jetzt der Schock. Aber Korrespondenten berichten auch, dass die Petersburger die Ruhe bewahrt haben und dass es eine Welle der Hilfsbereitschaft gab. Nach der Stilllegung der Metro boten viele Menschen spontan Mitfahrgelegenheiten für gestrandete Passanten an.
In liberalen Kreisen ist die Sorge gross, dass die Regierung, wie in der Vergangenheit nach fast jedem Terroranschlag, die Gesetze nun weiter verschärft. Geheimdienste bekamen damit jeweils mehr Kompetenzen, zulasten der Freiheiten der Bürger. Nun fragen sich viele, warum der Staat so viel Macht braucht, wenn er seine Bürger doch nicht schützen kann. Gewisse Kritiker gehen noch weiter und sagen, Geheimdienste und Polizei seien in den letzten Wochen und Monaten mehr damit beschäftigt gewesen, Oppositionelle zu verfolgen, statt den Terror zu bekämpfen. So etwa kürzlich bei den grossen Kundgebungen gegen Korruption, als die Polizei und der ganze Staatsapparat sehr massiv vorgegangen waren. Ob man diesen direkten Zusammenhang herstellen kann, ist zu bezweifeln. Doch es zeigt, dass die politische Stimmung in Russland ziemlich angespannt ist.»