Zika-Virus: Weltgesundheitsorganisation in Alarmbereitschaft

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erwägt, das Zika-Virus als weltweiten Gesundheitsnotfall zu erklären. Der Organisation zufolge könnte es in Brasilien an die 1,5 Millionen Ansteckungen geben.

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Zika-Virus: Alarmierendes Ausmass laut WHO

1:25 min, aus Tagesschau vom 28.1.2016

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will am kommenden Montag entscheiden, ob wegen des gefährlichen Zika-Virus in Lateinamerika ein weltweiter Gesundheitsnotfall ausgerufen werden muss. «Wir sind extrem alarmiert», sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf. Der Erreger verbreite sich in einigen Gegenden nahezu explosionsartig aus, betonte sie bei einer Sitzung des WHO-Exekutivrates.

Demnach gibt es in Brasilien möglicherweise 1,5 Millionen Zika-Ansteckungsfälle. Zugleich warnt die UNO-Organisation vor Panik. «Das ist nicht Ebola», sagte der WHO-Direktor und Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten, Marcos Espinal.

Eine Stechmücke auf einem Arm. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mehr als 200'000 Angehörige der Armee, Marine und Luftwaffe kämpfen gegen die Verbreitung der Stechmücken. Keystone

160‘000 Soldaten im Einsatz

Die Krankheit wird durch Mücken verbreitet. Der Kampf gegen die Überträger ist daher entscheidend. Das brasilianische Militär will deshalb mit einer Grossoffensive Stechmücken als Überträger des Virus bekämpfen. Verteidigungsminister Aldo Rebelo betonte am Mittwochabend bei der Vorstellung des Programms: «Wir müssen alle Kräfte des Staates und der Gesellschaft bündeln.»

In Brasilien soll in 356 Städten und Gemeinden sowie tausenden Schulen über die Gefahr aufgeklärt und Moskitos und deren Eiablageplätze vernichtet werden. 160'000 Soldaten, 30'000 Angehörige der Marine und 30'000 Soldaten der Luftwaffe werden dafür eingesetzt.

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Brisant auch wegen Olympia

Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist besorgt wegen des im Olympia-Gastgeberland Brasilien grassierenden Zika-Virus. Man werde «alles dafür tun, um die Gesundheit aller Teilnehmer zu garantieren», sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Er verwies aber auch darauf, dass die Spiele im brasilianischen Winter stattfinden (5. bis 21. August).

Schädelfehlbildungen bei Ungeborenen

Der Erreger steht im Verdacht, schwere Schädelfehlbildungen bei Ungeborenen zu verursachen, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft damit infiziert: Die Babys kommen mit einem viel zu kleinen Kopf auf die Welt (Mikrozephalie). Geistige Behinderung ist die Folge.

Seit vergangenem Jahr wurden in Brasilien 4180 Mikrozephalie-Fälle bekannt – 68 Babys starben. Das brasilianische Gesundheitsministerium sieht einen klaren Zusammenhang mit dem zuvor kaum bekannten Zika-Virus.

Virus stammt aus Uganda

Das Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschliessend vereinzelt auch in Asien auf und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien.

Erst seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm. Vor der starken Ausbreitung galt das Zika-Virus als eher harmlos – typische Symptome sind leichtes Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Hautrötungen. Nicht jeder Infizierte erkrankt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Kampf gegen Zika-Virus

    Aus Tagesschau vom 28.1.2016

    Lateinamerika verstärkt den Kampf gegen das Zika-Virus. Nächste Woche beraten die Gesundheitsminister aller Länder über das weitere Vorgehen. .

  • Zika-Virus erreicht die Schweiz

    Aus 10vor10 vom 26.1.2016

    Das von Stechmücken übertragene Zika-Virus grassiert derzeit in zahlreichen Ländern des amerikanischen Kontinents. Nun wurde das Virus bei zwei Schweizer Tropenrückkehrern nachgewiesen. Das Bundesamt für Gesundheit sieht jedoch vorerst keinen Handlungsbedarf.

  • Mit Pestiziden gegen das Zika-Virus

    Aus Tagesschau vom 26.1.2016

    In Brasilien versucht die Regierung mit allen Mitteln, das Zika-Virus unter Kontrolle zu bringen – mit Aufklärung, vor allem aber mit Tausenden Litern von Pestiziden.

  • Reisewarnungen wegen Zika-Virus

    Aus Tagesschau vom 24.1.2016

    In Lateinamerika breitet sich der Zika-Virus aus, der von einer Mücke übertragen wird. Gefährdet sind vor allem Schwangere, denn die Kinder können mit Fehlbildungen am Kopf geboren werden. Tropenmediziner raten von Reisen in die betroffenen Gebiete ab.