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International ZKB-Chefökonom: «Griechenland braucht noch zwei bis drei Jahre»

Griechenland wird sich frühestens in zwei Jahren wieder selber und mit tragbaren Zinsen auf dem Kapitalmarkt finanzieren können. Zu diesem Schluss kommt ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis. Denn trotz Fortschritten sei das Land noch zu wenig interessant und vertrauenswürdig für Investoren.

Äusserungen der griechischen Führung, das Land werde Ende Jahr den Euro-Rettungsschirm verlassen und bereits im Sommer wieder an den Kapitalmarkt zurückkehren, haben einiges Erstaunen ausgelöst.

Der Chefökonom der Zürcher Kantonalbank (ZKB), Anastassios Frangulidis, relativiert die optimistischen Töne aus Athen: Die bei der Übernahme des EU-Ratspräsidiums gemachten Ankündigungen seien wohl vor allem mit den im Mai anstehenden Wahlen ins europäische Parlament zu erklären.

Zinsen bei Alleingang noch zu hoch

«Ich kann es mir durchaus vorstellen, dass Griechenland in etwa zwei bis drei Jahren in der Lage sein wird, sich selbständig zu finanzieren», sagt Frangulidis. Wohl gebe es bereits heute Investoren, die Griechenland Kredite geben würden – allerdings nur zu sehr hohen Zinsen. Griechenland werde deshalb noch einige Zeit die Hilfe der internationalen Geldgeber wie EU und Internationaler Währungsfonds benötigen.

«Irland hat bewiesen, dass es möglich ist. Portugal wird es vielleicht im Verlauf des Jahres beweisen», erklärt Frangulidis. Griechenland dagegen brauche noch ein bisschen mehr Zeit, um das vollständige Vertrauen der privaten Investoren wieder zurückzugewinnen.

Bevölkerung wieder zuversichtlicher

Frangulidis ist aufgrund der jetzigen Entwicklung zuversichtlich, dass die griechische Bevölkerung weiterhin mitmachen und den pro-europäischen Weg weitergehen wird. Das Volk habe bereits sehr viel auf sich genommen und realisiere allmählich, dass vielleicht das Schlimmste vorüber sei. Die Gefahr einer unkontrollierten Insolvenz des Landes und des Austritts aus der Eurozone sei deutlich kleiner geworden.

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Laut dem Ökonomen hat Griechenland eine Chance, aus der Krise zu kommen. Dazu müsse es aber für die mangels genügend Ersparnissen dringend benötigten Investitionen interessanter werden.

Griechenland muss laut Frangulidis aber auch wettbewerbsfähiger werden – und zwar nicht nur auf der Basis tieferer Löhne, sondern auch mit besseren Rahmenbedingungen. «Dazu gehören auch eine effizientere Verwaltung, weniger Korruption und offenere Märkte», so der gebürtige Grieche.

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