Zugunglück in Spanien: Justiz ermittelt gegen Bahnchefs

Lange Zeit galt der Lokführer als Alleinschuldiger. Doch nun geraten auch andere Personen ins Visier der Ermittler.

Der Ermittlungsrichter erklärte den Präsidenten des Schienennetztes (Adif) Gonzalo Ferre und dessen zwei Vorgänger zu Beschuldigten und lud sie zu Vernehmungen vor.

Wie aus einer veröffentlichten Anordnung hervorgeht, müssen führende Mitarbeiter des Staatsunternehmens, die für die Sicherheit zuständig waren, ebenfalls als Beschuldigte vor dem Richter in Santiago de Compostela aussagen.

Nach Ansicht des Ermittlungsrichters trug der Lokführer die Hauptschuld an dem Unglück am 24. Juli. Dieser war damals mit einem Hochgeschwindigkeitszug mit 192 km/h in eine Kurve eingebogen, in der nur Tempo 80 zugelassen war. Der Zug entgleiste, 79 Menschen starben, 150 wurden verletzt.

Der Richter sieht nach eigenen Worten aber auch Anzeichen dafür, dass die Sicherheitsvorkehrungen in der Kurve und die Ausschilderung des Tempolimits unzureichend gewesen seien.

Adif verwaltet das Schienennetz. Gegen die ebenfalls staatliche Bahngesellschaft Renfe, die den Zugverkehr betreibt, wird nicht ermittelt.