«Alle Welt wollte mich gleichzeitig anrufen»

Hier erzählen Menschen, für die das vergangene Jahr besonders war. Ahnen Sie, um wen oder worum es geht?

Verschiedene Fotos von Ereignissen des Jahres und ein farbiger Kopf im Profil. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Mein 2015»: Menschen erzählen von einschneidenden Erlebnissen in ihrem Jahr. SRF

«Mein 2015»: Wie es funktioniert

In der Serie «Mein 2015» erzählen Menschen von ihren Erlebnissen in diesem Jahr. Unsere Gesprächspartner waren bei den grossen Ereignissen dabei – manche waren sogar direkt daran beteiligt. Andere gerieten eher zufällig in die Fahrspur der Geschichte. Wer hier erzählt, verraten wir zunächst nicht. Erahnen Sie es? Den Link zur Auflösung finden Sie am Ende des Textes.

«Es ist komisch, zuerst denkt man, es ist durchaus möglich, dass es klappt. Wenn es dann aber eintritt, kann man es sich trotzdem nicht wirklich vorstellen. Dieser Tag war ein Wechselbad der Gefühle.

Er fing ganz normal an. Ich bin nicht besonders früh aufgestanden und habe nichts Besonderes unternommen. Gegen Mittag holte mich eine Freundin ab. Wir gingen in ein sizilianisches Café, in dem wir mit Freunden verabredet waren. Wir tranken Tee, lachten und assen Gebäck. Zur gleichen Zeit fing mein Handy an, sich dauernd zu melden – wir hatten für diesen Tag eine Whatsapp-Gruppe eingerichtet.

«  Dann ging alles ganz schnell – ich fühlte mich wie in einem Strudel. »

Am Laptop verfolgten wir mit, wie sich die Situation entwickelte. Um etwa 15.30 Uhr – ich war noch immer in diesem Café – passierte es dann. Plötzlich fiel mein Name. Dieser Moment war sehr bewegend. Dann ging es Schlag auf Schlag. Auf einmal war mein grösster Wunsch Realität und die Zeit schien schneller abzulaufen. Mein Mobiltelefon klingelte pausellos. Alle Welt schien mich gleichzeitig anrufen zu wollen.

Witzigerweise war einer der ersten Anrufer mein Vater. Er war gerade unterwegs und hatte noch keine Ahnung. ‹Du weisst also noch nichts›, fragte ich. ‹Nein›, sagte er. Er war dann aber sehr bewegt und stolz auf mich.

Danach begleiteten mich meine Freunde bis zum Universitätsgebäude. Dann ging alles ganz schnell – ich fühlte mich wie in einem Strudel. Kaum trat ich ins Gebäude, wurde ich von Journalisten umringt. Man hat mir meine Tasche und Jacke abgenommen und im nächsten Moment stand ich bereits auf einem Podest und beantwortete Fragen. Fragen über Fragen. Das ging so weiter bis um 19 Uhr abends – ohne Unterbruch. Ich hatte nicht einmal die Zeit zu realisieren, was um mich herum geschah. Freunde und Bekannte schrieben mir Nachrichten und ich kam nicht nach, ihnen zu antworten.

«  Ich war etwas zerrissen zwischen Freude und Trauer. »

Ob ich gefeiert habe? Natürlich. Ich war allerdings etwas zerrissen zwischen Freude und Trauer, denn wir hatten ja auch einen Sitz verloren. Später bin ich mit Freunden essen gegangen und das war sehr schön.

Generell kann man sagen: Es war ein sehr gutes Jahr für mich. Ich liebe Veränderungen. Es gibt noch viel zu entdecken an meinem neuen Arbeitsort und ich entdecke die deutsche Sprache neu, das wird eine Herausforderung.»

Wissen Sie, wer hier redet? Die Auflösung erfahren Sie hier.