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Milliarden für einen Corona-Impfstoff – braucht’s das?
Aus 4x4 Podcast vom 05.05.2020.
abspielen. Laufzeit 21:33 Minuten.
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Kampf gegen das Coronavirus Forschung an Antikörpern: Der Weg ist noch lang

Antikörper sind ein mögliches Mittel gegen das Coronavirus. Nur: Nicht alles, was im Labor wirkt, wirkt auch im Körper.

Weltweit melden mehrere Forscher erste kleine Erfolge bei der Suche nach Antikörpern. Sie sollen dereinst als Mittel gegen eine Coronavirus-Erkrankung zum Einsatz kommen.

So berichten niederländische Forscher im Fachblatt «Nature Communications», Link öffnet in einem neuen Fenster, sie hätten einen menschlichen Antikörper hergestellt, der bei Zellversuchen das Coronavirus ausschalten könne. Der Antikörper habe das Potenzial, Covid-19 zu verhindern – oder zumindest zur Behandlung eingesetzt zu werden.

Es könnte sein, dass ein mittelmässiger Antikörper im Laborversuch ausreicht, im Körper aber zu schwache Wirkung zeigt.
Autor: Thomas HäuslerSRF-Wissenschaftsredaktor

Nur: Ob solche Antikörper dann auch im menschlichen Körper wie erhofft wirken, ist offen. «Ganz viele Wirkstoffe, die im Labor funktionieren, funktionieren im Menschen nicht – oder sie stellen sich aufgrund ihrer Nebenwirkungen sogar als schädlich heraus», sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler.

Das wisse man aus früheren Erfahrungen und dies gelte auch für das Coronavirus. «Jeder Antikörper erkennt sein Ziel, das Virus, unterschiedlich gut. Es könnte zum Beispiel sein, dass ein mittelmässiger Antikörper im Laborversuch ausreicht, im Körper aber zu schwache Wirkung zeigt.»

Was sind Antikörper – und wie wirken sie?

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Antikörper sind ein essenzieller Bestandteil des menschlichen Immunsystems. Die winzigen Proteine schützen uns vor verschiedenen Infektionen durch Bakterien und Viren.

Für jeden Erreger bildet das Immunsystem ganz viele verschiedene Antikörper, die unterschiedliche Funktionen haben. Vereinfacht gesagt binden Antikörper an den Erreger und hindern ihn so, in menschliche Zellen einzudringen. Zudem werden Erreger mit gebundenen Antikörpern von bestimmten Immunzellen direkt angegangen und abgetötet.

Kommt ein Mensch später erneut mit dem Erreger in Kontakt, ist sein Immunsystem gewappnet und kann die Infektion abwehren.

Das Problem bei Sars-CoV-2 ist, dass das Virus neu für das Immunsystem ist. Es hat noch keine passenden Antikörper und ist bei der ersten Infektion ungeschützt. Und eine Impfung, die den Körper zur Bildung von Antikörpern anregen könnte, gibt es gegen das Coronavirus bekanntermassen noch nicht.

Unterschiedliche Methoden - unterschiedlicher Schutz

Ein anderer Weg ist die direkte Gabe von Antikörpern. Ein Ansatz ist, die Antikörper direkt aus dem Blut von Patienten zu gewinnen, die sich mit Sars-CoV-2 infiziert hatten. Ihr Immunsystem hat die schützenden Proteine bereits gebildet.

Arbeit an Impfstoff auch in der Schweiz

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In der Schweiz gibt es zurzeit drei vielversprechende Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus. Die Studien dazu befinden sich noch in einer präklinischen Phase, wie Marcel Tanner, Mitglied der beratenden Covid-Task-Force des Bundesrats, sagte.

«Im besten Fall» habe man in 15 bis 18 Monaten einen Impfstoff, der in der Bevölkerung eingesetzt werden kann. Das sei aber nur möglich, sofern es keine Rückschläge bei den klinischen Tests gebe.

Allerdings bieten die beiden Methoden – die Impfung und die Gabe von Antikörpern – nicht den gleichen Schutz. «Bei der Impfung regt der Impfstoff den Körper an, eigene Antikörper zu bilden. Diese können später auch nachproduziert werden», erklärt SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler. «Der Mensch ist dann geschützt, meistens für mehrere Jahre, manchmal lebenslang. Teilweise braucht es dazu Auffrischimpfungen, etwa nach fünf oder zehn Jahren.»

Im Lauf der Zeit werden die gespritzten Antikörper abgebaut – der Schutz ist wieder weg.
Autor: Thomas HäuslerSRF-Wissenschaftsredaktor

Anders sieht es aus, wenn Antikörper gespritzt werden. «Sie vermitteln eine passive Immunität, die vielleicht einen bis drei Monate anhält», so Häusler. «Im Lauf der Zeit werden die gespritzten Antikörper abgebaut – der Schutz ist wieder weg.»

Ein weiter Weg bis zum Medikament

Antikörper können – wie oben erwähnt – künstlich hergestellt werden. Neben den Niederländern publizieren auch andere Gruppen Ergebnisse zu solchen Antikörpern, so etwa eine internationale Gruppe im Fachblatt «Cell», Link öffnet in einem neuen Fenster. Zudem meldeten Gruppen aus Israel, Link öffnet in einem neuen Fenster und Deutschland kleinere Erfolge. So stellte ein Team um den Braunschweiger Virologen Luka Cicin-Sain, Link öffnet in einem neuen Fenster nach eigenen Angaben Antikörper her, die das neuartige Coronavirus am Eindringen in Zellen hindern könnten.

Allerdings ist die Produktion von Antikörpern aufwändig und teuer. Und ist die Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2 im Labor belegt, ist das nur ein erster Schritt. Bis zu einer Anwendung als Medikament sind dann noch viele weitere Schritte notwendig.

4x4 Podcast, 05.05.2020;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    Bevor jetzt wieder die Diskussionen um Impfzwang losgehen:
    Wenn ein grosser Teil der Bevölkerung nicht einmal zu einfachen Hygiene-Massnahmen bereit ist, um das Virus nicht zu verbreiten und unsere Regierung nicht einmal in der Lage ist, eine Maskenpflicht anzuordnen, dann muss man über invasive Methoden erst gar nicht reden. Mal abgesehen davon, dass ein zuverlässiger und sicherer Impfschutz noch in den Sternen steht.
  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    In seinem Corona-Update Nr. 38 spricht Prof. Drosten über die Herdenimmunität. Dahin sei es zwar ein sehr langer Weg - die Kurve flache bei 70% erst ab - allerdings kürze die beschränkte Empfänglichkeit der Bevölkerung (ein Teil werde ja hinreichend geschützt) den Weg wiederum ab. Ausserdem sei nicht ganz auszuschliessen, dass bereits eine unerkannte Hintergrundimmunität durch die Bekanntschaft mit anderen Coronaviren bestehe - sodass weitere Wellen sogar ausbleiben könnten. Spannend bleibts.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Sinn machenderweise, wird nebenher noch nach der effektiven "Ursache-Verursachung" nachgeforscht. Amsonsten geht es einmal mehr um "übelbekämpfung" und nicht um die "Ursachen-Verursachungs-Enstehung" dieses weltweiten, lebensbedrohenden Virus!