Zum Inhalt springen

Header

Audio
Tickets zurückgeben? Fehlanzeige.
Aus Espresso vom 07.05.2020.
abspielen. Laufzeit 05:22 Minuten.
Inhalt

Konzert-Verschiebung Tickets zurückgeben? Fehlanzeige!

Veranstalter drücken Konsumenten ihre AGB auf und behaupten, das sei nun geltendes Recht.

Eine «Espresso»-Hörerin und ihr Mann sind begeisterte Konzertgänger. Vor allem Opern sind ihre grosse Leidenschaft. Deshalb hatten sie für sich und ein befreundetes Ehepaar Billette gekauft für einen Konzertabend im KKL Luzern im März dieses Jahres.

Unter dem Titel «Die schönsten Opernchöre» singen berühmte Chöre Stücke aus den grossen Opern. Die vier Tickets kosteten insgesamt knapp 600 Franken. Veranstalter ist Obrasso-Concerts, ein Zentralschweizer Familienunternehmen.

SKS empfiehlt Betreibung als letztes Mittel

Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), kennt ähnliche Fälle, in denen Veranstalter auf stur schalten. Sie empfiehlt, beim Veranstalter schriftlich den Betrag zurückzufordern und wenn das nichts bringt: «Als äussersten Schritt können die Konsumenten einen Veranstalter auch betreiben.» Das bringe ihrer Erfahrung nach meist den gewünschten Erfolg.

Hilfreiche Links der SKS dazu:

«Rückgabe oder Tausch ist ausgeschlossen»

Mit der Corona-Pandemie wurde der erste Konzert-Termin verschoben, auf den 6. Juni. Noch sind die vier Konzertliebhaber guten Mutes, alle halten sich den Abend frei und hoffen, dass das Konzert stattfinden wird. Dann der nächste Behörden-Entscheid: Bis mindestens Ende August dürfen keine Konzerte in grossen Sälen stattfinden.

Für «Die schönsten Opernchöre» des Veranstalters Obrasso-Concerts heisst das: Dieser Anlass im KKL Luzern findet ein Jahr später statt, im März 2021. Die «Espresso»-Hörerin versucht daraufhin, die vier Billette zurückzugeben: «Müssen wir diese Verschiebung akzeptieren? Wer weiss, was am 20. März 2021 ist? Ob wir alle noch leben?»

Der Veranstalter Obrasso schreibt den Ticketbesitzern, eine Rückgabe der Tickets sei ausgeschlossen, das sei so in seinen AGB geregelt.

Auch als «Espresso» anklopft und fragt, warum Obrasso sich nicht an das geltende Recht halte, welches Kundinnen und Kunden die Wahl lässt, ob sie das Ticket behalten oder zurückgeben wollen, schreibt das Unternehmen: «Mit der Anwendung unserer AGB bieten wir unseren Kunden Gewähr, alle fair und gleich zu behandeln. Mit dem Kauf von Konzerttickets stimmen die Kunden unseren AGB zu. Diese versprechen, dass Tickets für das Verschiebedatum ihre Gültigkeit behalten und nicht zurückgenommen werden.»

Auch KKL stützt die kundenunfreundliche Handhabung

Die Musikfans sind enttäuscht. Das Ehepaar hat nun schriftlich interveniert bei Obrasso und besteht darauf, dass die vier Tickets rückerstattet werden. Der Fall werde nun geprüft, hiess es als Antwort.

«Espresso» wollte auch noch vom renommierten Konzerthaus in Luzern, dem KKL, wissen, wie es sich zu dieser kundenunfreundlichen Geschäftspraxis des Veranstalters stellt. Hierzu liess die Medienstelle verlauten: «Verschiebungen sind unseres Erachtens rechtlich zulässig und es erfolgt in solchen Fällen keine Rückerstattung. Wie kulant gehandelt wird, hängt vom jeweiligen Veranstalter ab. Solange die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden, ist es nicht am KKL Luzern hier einzuschreiten.»

Ob die rechtlichen Vorgaben eingehalten sind oder nicht, müsste ein Richter entscheiden. Und solange niemand den Rechtsweg beschreitet, berufen sich Veranstalter weiterhin auf ihre AGB.

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Espresso, 07.05.2020, 08:13

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Georg Schneider  (Merguez)
    Interessant. Habe bei einem kleinen Club, den die grossen Veranstalter wohl spöttisch als Saftladen bezeichnen würden ein Konzertticket gekauft gehabt. Nach dem BR-Entscheid erhielt ich sehr bald eine Mail: Verschiebung in den Oktober plus dann ein Getränk als Entschädigung oder ich bekomme umgehend das Geld (minus 5 % Gebühr) zurückerstattet. Meine Wahl. Es geht also auch kundenfreundlich. Freu' mich auf Oktober!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Lucas Müller  (lucas.mueller)
    Es handelt sich nicht um eine Verschiebung, sondern um eine Absage. Jemand muss echt träumen zu meinen die Konzerte finden noch statt und das ist auch kriminell. Laut Recht müssen die das Geld zurückgeben. AGB löst das Gesetz nicht ab. Die kommen ihrer Leistungspflicht nicht nach also.....Auch eine Verschiebung muss man nicht hinnehmen, wer weiss ob man an diesem Tag kann. Etwaige Klauseln in den AGB, die eine Rückgabe des Tickets nur bei genereller Absage gestatten, sind unwirksam.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Baumberger  (bambich)
      Neben dem rechtlichen Aspekt gibt es etwas, was diese Veranstalter zu ignorieren scheinen: kein, aber wirklich keiner der Kunden und andere, die davon hören, wird je wieder ein Ticket dort kaufen. D.h. der Schaden, den sich diese arroganten Firmen selber langfristig zufügen, dürfte die kurzfristige Überlegung bei weitem übertreffen. Wie man es viel besser machen kann, zeigen die Hotels weltweit. Und diese haben die Kosten auch wenn die Gäste annullieren, der Veranstalter hingegen nicht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
      Ich habe auch Billette für KKL Konzerte gekauft. Ich hoffe auf Verschiebung. Erst wenn die Verschiebedaten auch definitiv abgesagt werden, d. h., das Konzert nicht mehr nachgeholt wird, verlange ich Rückerstattung. Ich hoffe aber, dass die Konzerte, die anlässlich des 250. Geburtstages von Beethoven auf dem Programm stehen, nicht abgesagt, sondern verschoben werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Lucas Müller  (lucas.mueller)
      Das ist so. Die schaden einem selber. Man muss in so eine Situation nicht nur das Gesetz respektieren unabhängig von der eigenen AGB, sondern auch Kulanz zeigen. Dann kommen die Kunden auch wieder. Die denken sich halt wegen sagen wir mal 100Fr. nimmt sich niemand ein Anwalt, da man dieser zuerst selber bezahlen muss.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen