340 Tage im All: Raumfahrer kehren wohlbehalten auf Erde zurück

Ein Test für spätere Mars-Missionen: Fast ein Jahr lang verbrachten Scott Kelly und Michail Kornijenko auf der Raumstation ISS. Nun sind sie zurück auf der Erde. Ihr langer Aufenthalt sollte Erkenntnisse bringen für eine mögliche bemannte Mars-Mission. Doch in einem Punkt scheiterten sie.

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Landung in Kasachstan (engl. Kommentar)

1:03 min, vom 2.3.2016

340 Tage verbrachten der Amerikaner Scott Kelly und der Russe Michaiil Kornijenko auf der Raumstation ISS. Nun hat sie die Erde wieder: «Die frische Luft fühlt sich herrlich an», sagte Kelly, nachdem er die Sojus-Kapsel verlassen hatte, die ihn zurück auf den blauen Planeten gebracht hatte. Zusammen mit dem Kosmonauten Sergej Wolkow waren die zwei Raumfahrer in der Ex-Sowjetrepublik Kasachstan wohlbehalten gelandet.

Tweet von Scott Kelly vor dem Rückflug

Kellys und Kornijenkos Aufenthalt in der Schwerelosigkeit dauerte doppelt so lange wie sonst übliche Einsätze auf der ISS. Die sogenannte Jahresmission gilt als Test für einen bemannten Flug zum Mars, der in vielen Jahren Realität werden könnte. Doch in einem kleinen, aber nicht unwesentlichen Punkt zeigte sich bereits ein Problem: Die Raumfahrer schafften es nicht, die Sojus-Kapsel eigenständig zu verlassen, wie dies geplant war.

Helfer eines Bergungsteams mussten ihnen buchstäblich unter die Arme greifen. Ihre Muskeln waren durch den Aufenthalt in der Schwerelosigkeit schlicht zu sehr geschwächt. Bei einer Mars-Mission wären die Raumfahrer bei der Landung auf dem roten Planeten auf sich allein gestellt.

Russe hält Rekord für längsten Aufenthalt im All

Kelly ist der erste Nicht-Russe, der einen so langen Flug absolviert hat. Seine Zeit im Weltraum ist zudem US-Rekord. Den bisherigen Weltrekord stellte der Russe Waleri Poljakow 1995 mit 437 Tagen im All auf.

Scott Kelly wird von Helfern getragen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Muss getragen werden: Scott Kelly nach seiner Landung in Kasachstan. Reuters

Der US-Botschafter in Russland, John Tefft, lobte den Teamgeist des russisch-amerikanischem Raumfahrergespanns trotz internationaler Krisen, die die politischen Beziehungen belasten. «In Zeiten, in denen es auf zwischenstaatlicher Ebene Differenzen gibt, bin ich stolz, dass Amerikaner und Russen weiter Seite an Seite an so wichtigen Aufgaben arbeiten», sagte er der Agentur Tass.

Auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde leisten nun Juri Malentschenko (Russland), Timothy Kopra (USA) und Tim Peake (Grossbritannien) weiter Dienst.

Mit dem für den 19. März vorgesehenen Start von Alexej Owtschinin und Oleg Skripotschka (beide Russland) sowie Jeffrey William (USA) vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan wird die Crew der ISS wieder ihre Soll-Stärke von sechs Astronauten erreichen. Russland ist nach dem Aus für die US-Space-Shuttles 2011 das einzige Land, das bemannte Flüge zur ISS organisiert.