«Armstrong muss sein Netzwerk offenlegen»

Knallhart kalkuliert. Verharmlosend. Und kein Wort über die Hintermänner. So beurteilt der Direktor von Antidoping Schweiz das Geständnis von Lance Armstrong in einer US-Talkshow. Wichtig sei es trotzdem, sagt Matthias Kamber im «Tagesgespräch» von Radio SRF.

Der Direktor von Antidoping Schweiz, Matthias Kamber. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Antidoping-Direktor Kamber: «Es war eine Bühne für Armstrong». Reuters

Der perfekt einstudierte Auftritt von Radrennfahrer Lance Armstrong in der Show der US-amerikanischen Beichtmutter Oprah Winfrey hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. «Es war eine Bühne für Lance. Es gab keine hartnäckigen Fragen», stellt  Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz, fest.

Laut Kamber war es klar, dass für Armstrong angesichts der Beweislage nur noch ein Geständnis in Frage kam. Der Radprofi habe seine Rolle verharmlost. Er habe sich als «Rädchen» dargestellt, obwohl er nichts verhindert, sondern die  Doping-Kultur geradezu perfektioniert habe. Als «Schwachsinn» bezeichnet es Kamber, wenn der einflussreiche Armstrong jeglichen Druck auf Teammitglieder abstreite, obwohl er diese mit Klagen eingedeckt habe.

Keine weiterführenden Erkenntnisse

Bei der Bedeutung des Geständnisses für den Kampf gegen Doping sieht Kamber zwei Seiten. Zum einen zeige sich, dass mit einer unabhängigen, starken Antidoping-Agentur auch grösste Sportler überführt werden könnten

Zum anderen aber habe die Beichte keine neuen Erkenntnisse gebracht, die weiterhelfen könnten. Kamber denkt dabei allem voran an das Netzwerk, dass der grosse Untersuchungsbericht klar bejaht hat: «Ich möchte mehr über das Umfeld und das ganze System von Ärzten und Funktionären wissen. Das muss man aufdecken und es auch den jungen Sportlern zeigen», forderte Kamber. Nur so könne es mit dem Radsport wieder aufwärts gehen.

Sportverbände sollen zurückgebunden werden

Im Kampf gegen Dopingsünder bekräftigt Kamber die Bedeutung von unabhängigen, nationalen Dopingagenturen. Der Einfluss der internationalen Sportverbände bei den Kontrollen müsse beschränkt werden: «Denn diese finden ihre Aushängeschilder gut und machen Geld und Politik damit».

Biologischer Pass als grosse Chance

Einen grossen Fortschritt sieht er im biologischen Pass, der seit bald zwei Jahren in der Schweiz zur Verfügung steht.  Laut Kamber geht es also nicht um immer mehr, sondern um qualitativ bessere und gezieltere Doping-Kontrollen. Sie müssten in Präventionsprogramme für junge Ausdauerathletinnen und –athleten eingebettet werden, die man während Jahren begleite.

Der zweite Teil des Armstrong-Interviews bei Winfrey ist für heute Nacht angesagt. Den Vorschauen zufolge geht es dabei aber vor allem um Armstrongs Mutter und Kinder, seine Stiftung und Sponsoren.

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Armstrongs Geständnis

1:03 min, aus Tagesschau vom 18.1.2013