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Panorama Autofreier Sonntag in Paris: «Das ist ja lächerlich»

Das Zentrum von Paris autofrei, in anderen Quartieren Tempo 20: Nach dem Willen der Politik hätte es am Sonntag so sein sollen. Ein Zeichen wollte man setzen im Kampf gegen die Luftverschmutzung und für neue Klimaziele. Unser Korrespondent schwang sich aufs Fahrrad, aber autofrei war Paris nicht.

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Legende: Die Champs-Élysées ausnahmsweise mal ohne die übliche Blechlawine.

Einmal freihändig um den Arc de Triomphe. Dann einbiegen in die Champs-Élysées – auf der Gegenspur die Strasse runtersausen in Richtung Place de la Concorde. Das war mein Traum. Eine Utopie – nicht nur für mich.

«Es ist lächerlich», sagt ein älterer Mann. «Ich wollte die Champs-Élysées für mich alleine haben.» Hatte er aber nicht. Trotz des Aufrufs aller 20 Bürgermeister der Stadt, das Auto in der Garage zu lassen, war Paris heute nicht autofrei. Ganz im Gegenteil. Am Tag ohne Autos brausen ununterbrochen Autos an uns vorbei durch die Stadt.

Weiter unten hat die Polizei die Champs-Élysées dann gesperrt für Autos. Ein Automobilist ärgert sich. Er habe das nicht gewusst – und es interessiere ihn auch nicht. «Keine Ahnung, was das soll.» Andere freuts. Jérome ist mit der ganzen Familie gekommen. Hat zum ersten Mal die Vélos aus dem Keller genommen. Auch eine junge Frau freut sich. «Super. Ein guter Anfang.»

Paris – die Hauptstadt der Velos?

Paris – Capital du Vélo. In nur fünf Jahren will das die linke erste Bürgermeisterin Anne Hidalgo schaffen – mit bescheidenen 150 Millionen Euro Investitionen und mit Tempo 30 in allen Quartieren. Das Netz der Velowege soll von aktuell 700 Kilometer auf 1400 Kilometer ausgebaut werden. Die Schnellstrassen auf beiden Seiten der Seine sollen gesperrt werden, damit Fussgänger und Velofahrer die Stadt zurück erobern können. So will es der Plan du Vélo der Stadt, der fünfte in 30 Jahren.

Auf der Place de la Concorde steht Olivier Razemon, Velo-Aktivist seit Jahrzehnten. Ein Tag ohne Autos, einmal im Jahr, an einem Sonntag, das bringt in seinen Augen nichts. «Erst wenn die Stadt den Mut hat, einen Tag in der Woche das Autofahren zu verbieten, erst dann ändert sich das Verhalten in dieser Stadt.»

Bürgermeisterin Hidalgo sieht ihren autofreien Tag als Teil einer «Erziehungsbewegung», wie sie der Zeitung «Le Parisien» sagte. Sie hofft, dass die nächste Auflage im kommenden Jahr dann auch einen grösseren Teil der Stadt umfasst – das hatte der vom Staatspräsidenten ernannte Polizeipräfekt diesmal noch verhindert.

Tweet der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo

Charles Liebherr

Charles Liebherr

Seit 2014 ist Charles Liebherr Frankreich-Korrespondent von Radio SRF. Er studierte in Basel und Lausanne Geschichte, Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Politologie. Davor war er beim Schweizer Radio unter anderem als Wirtschaftsredaktor tätig.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
    Paris wäre eine schöne Stadt wenn da nicht so unglaublich viele Autos wären. Wer an der Champs-Elysees einen Kaffee trinkt sitzt direkt an einer x-Spurigen Autobahn. Autos sind in einer (Gross-)Stadt einfach nicht das geeignete Fortbewegungsmittel - zu laut, zu dreckig, zu gefährlich und brauchen zu viel Platz pro transportierte Person. Die Lösung sind Parkhäuser am Stadtrand und ausgebauter ÖV und Velos. Innenstädte sollten autofrei sein. Es geht.
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