«Chili-Angriff» Bakterium befeuert Ressentiments gegen Chinesen

In Indonesien sorgt ein Zwischenfall auf einem Bauernhof für Aufruhr. Schuld sind vier Chinesen – und die Sozialen Medien.

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Heisse Ohren wegen Chili

Ein paar Chili-Samen, vier Chinesen und ein Bakterium mit dem Namen Erwinia Chrysanthemi sind die Zutaten für eine ausgewachsene diplomatische Krise zwischen Indonesien und China.

Die vier Chinesen hatten die Chili-Samen aus China nach Indonesien importiert und ausserhalb von Jakarta auf einem Bauernhof angepflanzt. Dort jedoch verbreitete sich vor ein paar Wochen das Bakterium mit dem klingenden Namen.

Haufen von grünem und rotem Chili auf einem Markt in Jakarta. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Chili gehört zu Indonesien wie Käse zur Schweiz. Keystone

Erwinia Chrysanthemi ist zwar nicht schädlich für den Menschen, kann jedoch beim Chili zu Ernteausfällen führen. Die indonesischen Behörden beschlagnahmten die infizierten Samen und zestörten die Chili-Pflanzen.

Doch damit nicht genug: Schnell verbreitete sich die Kunde vom «Chili-Angriff» aus China – für Verschwörungstheoretiker und alle, die sowieso denken, dass China Indonesien zerstören wolle, ein gefundenes Fressen.

«  Die Sozialen Medien verbreiten wiedermal Gerüchte. »

Indonesischer Minister

Medien berichteten davon, dass China Chili als biologische Waffe gegen Indonesien einsetze. Die vier Chinesen wurden verhaftet. Die chinesische Botschaft zeigte sich besorgt.

Viele Indonesier misstrauen den Chinesen

Beim angeblichen «Chili-Angriff» geht es nicht bloss um eine scharfe Zutat, sondern um bereits erhitzte Gemüter. So gehören anti-chinesische Ressentiments zur Geschichte Indonesiens – und sie erleben zurzeit eine Renaissance. Ethnische Chinesen sind im Durchschnitt wohlhabender als andere Indonesier. Ausserdem hält sich das Gerücht, sie seien auch weniger patriotisch. Deshalb war die chinesische Minderheit bereits nach dem Sturz von Präsident Suharto im Mai 1998 Ziel von Angriffen. Unlängst geriet zudem ein Gouverneur aus einer chinesischen Familie ins Visier anti-chinesischer Proteste. Inzwischen hat er eine Anklage wegen Blasphemie am Hals.

Inzwischen hatte sich der Sturm längst auf Twitter und Facebook ausgebreitet. «Haben die Leute noch nicht gemerkt, dass chinesische Angriffe auf dieses Land real sind? Drogen, illegale Arbeiter und jetzt Chili-Bakterien», ereiferte sich einer auf Twitter – und erntete Beifall.

Mit diplomatischen Treffen versuchen Chinesen und Indonesier nun den Chili-Brand zu löschen. «Na kommt schon. Die Sozialen Medien verbreiten wieder einmal Gerüchte. Ob wahr oder falsch: Das ist eine Überreaktion», meinte ein indonesischer Minister besänftigend.

Auch wenn er Recht hat – das entfachte Feuer schwelt vorerst weiter.