Zirkus der Hoffnung Die heilende Kraft von Musik, Tanz und Akrobatik

Die Künstlerschule der kambodschanischen Stadt Battambang gibt Kindern aus armen Verhältnissen eine Zukunft. Sie werden hier zu Malern oder Musikern – und einige von ihnen zu Zirkusartisten.

Ein Zirkus als Chance
Der Zirkus der Künstlerschule «Der Glanz der Kunst»: Gegründet wurde die Schule von kambodschanischen Rückkehrern Mitte der 1980er-Jahre nach den dunklen Jahren des Regimes der Roten Khmer. Täglich zeigen die jungen Artisten ihr Können dem Publikum in der Stadt Siem Reap. Sie nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise durch Kambodscha, seine sozialen Probleme und Herausforderungen.

Das Zirkuszelt der Artistenschule, davor ein Verkaufswagen mit Knabberzeug und Getränken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: SRF/Karin Wenger

Traditionen und Facebook
Die Zirkuskünstler sind Reisende, die aus einem Trampolin und einer Matte ein Schiff zaubern und von dort mit Seilen und Sprungbrettern abheben und über den Köpfen der Zuschauer durch die Arena fliegen. Auf einer magischen Reise erzählen sie dem Publikum Geschichten aus Kambodscha – einem Land, das noch tief in Traditionen verankert und von grosser Armut geprägt ist, und vor dem auch Jeans und Facebook nicht Halt gemacht haben.

Artisten in voller Aktion in der Manege. Bild in Lightbox öffnen.

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Gleich und doch verschieden
Der Zirkusdirektor sagt: «Alle unsere Zirkusartisten kommen aus armen Verhältnissen. Doch auf der Bühne verbreiten sie eine Freude, die ansteckend ist. Das neuste Programm ‹Same Same but Different› dreht sich um die Unterschiede zwischen kambodschanischer und westlicher Kultur. Es geht um die Frage, wie die Globalisierung und die Touristen unser Land verändern, unsere Kultur beeinflussen; und um die Frage, ob wir die Veränderungen annehmen oder abweisen sollen.»

Artisten stehen in der Manege und nehmen den Applaus in Empfang. Bild in Lightbox öffnen.

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Vor allem Touristen im Publikum
Die meisten Zuschauer im Zirkus sind ausländische Touristen. Schliesslich ist die Stadt Siem Reap Ausgangspunkt, um die weltbekannten Tempel von Angkor Wat zu besichtigen. Die Gründer der Artistenschule hatten die Jahre des kambodschanischen Bürgerkriegs in einem Flüchtlingslager in Thailand verbracht. Sie haben miterlebt, wie Künstler und Zirkusartisten unter der Herrschaft der Roten Khmer umgebracht wurden. Im Flüchtlingslager lernten sie Kunst als etwas Heilendes kennen – und gründeten nach ihrer Rückkehr die Schule in Battambang.

Zuschauer verfolgen den Auftritt der Artisten. Bild in Lightbox öffnen.

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Hok Sithong ist der Star in der Manege
Star der Manege ist der 25-jährige Hok Sithong. Er war zehn Jahre alt, als er in der Zirkusschule jonglieren lernte. Der Zirkus habe sein Leben sehr verändert, erzählt er. Hok Sithong, der mit der Leichtigkeit einer Wildkatze Stangen hochklettert, wuchs bei seiner Grossmutter auf. Seine Eltern hatten den Jungen nach ihrer Scheidung in der armen Nachbarschaft zurückgelassen. In der Künstlerschule lernte er mehr als bloss das Alphabet. Heute ist er stolz darauf, als Zirkuskünstler so viel Geld zu verdienen, dass er auch seine Grossmutter unterstützen kann.

Ein junger Kambodschaner in blauem Pullover lächelt in die Kamera. Bild in Lightbox öffnen.

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Die heilende Kraft der Kunst
Am Nachmittag wird für die Abendvorstellung geprobt: Die Schule wird neben Spenden auch mit den Einnahmen aus den Vorstellungen finanziert. Insgesamt hat die Schule «Phare Ponleu Selpak» rund 1200 Schülerinnen und Schüler. Nur wenige von ihnen schaffen es, sich das Leben mit dem Zirkus zu verdienen. Die heilende Kraft von Musik, Tanz und Akrobatik sei nötig, auch wenn der grösste Teil der Bevölkerung die Roten Khmer nicht mehr erlebt habe, sagt der Zirkusdirektor.

Artisten üben ihren Auftritt in der Manege, ohne Publikum. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: SRF/Karin Wenger

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Lebenslänglich für Rote-Khmer-Anführer

    Aus Tagesschau vom 7.8.2014

    In Kambodscha sind die letzten beiden noch lebenden Anführer des Rote-Khmer-Regimes wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslangen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Die Schreckens-Herrschaft hatte zwar nur vier Jahre gedauert. Aber zwischen 1975 und 1979 kamen gegen zwei Millionen Menschen durch Folter, Mord, Zwangsarbeit und Hungersnöte um.

  • Video «Grossstadt Angkor» abspielen

    Grossstadt Angkor

    Aus Einstein vom 1.11.2007

    Radaraufnahmen aus dem Weltall zeigen: Die Tempelanlagen von Angkor Wat in Kambodscha standen inmitten einer riesigen Stadt aus Holz und Bambus. Die grösste vorindustrielle Stadt der Welt war das Zentrum eines gleichwohl mächtigen und rätselhaften Volkes: der Khmer.