Die Hüterin der «Dreigroschenoper» ist tot

Die Tochter von Bertolt Brecht, Barbara Brecht-Schall, ist 84-jährig gestorben. Sie war Haupterbin und Nachlassverwalterin des bekannten Dramatikers. In dieser Funktion wachte sie streng über den Umgang mit den Texten ihres Vaters.

Porträt von Barbara Brecht-Schall vor dem Brandenburger Tor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Barbara Brecht-Schall war unter den Theatermachern der deutschen Theater gefürchtet. Imago/Archiv

Ihr Wort war bei den Theatermachern gefürchtet. Als Erbin von Bertolt Brecht entschied sie über die Aufführungsrechte seiner Stücke. Am Montag ist Brecht-Tochter Barbara Brecht-Schall im Alter von 84 Jahren gestorben. Das teilte der Suhrkamp-Verlag unter Berufung auf ihre Familie mit.

Porträt von Bert Brecht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Er galt als einer der einflussreichsten Dramatiker und Lyriker: Bertolt Brecht (1898 - 1956). Keystone

Berliner Ensemble bestürzt

Mit Bestürzung und Trauer reagierte das Berliner Ensemble auf den Tod von Barbara Brecht-Schall. «Als Wahrerin und Hüterin des Erbes ihres Vaters war Barbara Brecht-Schall eine konsequente und mutige, oft schwierige Verhandlungspartnerin», erklärte Claus Peymann, der heute Direktor des Theaters am Schiffbauerdamm, dem Berliner Ensemble, ist.

«Ihre Härte und Unerbittlichkeit, aber auch ihr Herz waren berühmt-berüchtigt», so Peymann. «Barbara Brecht-Schall schützte und verteidigte – eine wahre 'Jeanne d'Arc des Theaters' – das Werk ihres Vaters, eines der bedeutendsten Dramatiker der Moderne.»

So manch' ein Stück verhindert

Brecht-Schall gehörte lange dem Berliner Ensemble an und war die Nachlassverwalterin ihres Vaters. In dieser Funktion wachte sie streng über den Umgang der Theaterleute mit den Texten von Bertolt Brecht – und so manche Aufführung eines Brecht-Stücks verhinderte sie durch ihr Veto.

Zuletzt hatte Brecht-Schall zum Beispiel weitere Aufführungen von Brechts Stück «Baal» in der Regie von Frank Castorf am Münchner Residenztheater wegen Eingriffen in den Originaltext gerichtlich untersagen lassen.

Gatte spielte sich durchs ganze Brecht-Repertoire

Schwarz-weiss Foto einer Person mit einer Melone. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Und der Haifisch, der hat Zähne»: Brechts bekanntestes Stück, die «Dreigroschenoper», wurde mehrmals verfilmt. Imago/archiv

Brecht-Schall war mit dem Schauspieler Ekkehard Schall (1930-2005) verheiratet, der von ihrem Vater 1952 persönlich aus der ostdeutschen Provinz als Darsteller an das Theater am Schiffbauerdamm geholt worden war und über die Jahrzehnte zum Brecht-Schauspieler schlechthin wurde.

Schall spielte sich durch das ganze Brecht-Repertoire. Mehr als 60 Rollen verkörperte er allein am Berliner Ensemble. Privat lebte er mit Brecht-Tochter Barbara unter anderem im brandenburgischen Buckow. Zwei Töchter entstammen der Ehe: Schauspielerin und Regisseurin Johanna Schall und Kostümbildnerin Jenny Schall.