Ein millionenschwerer Da Vinci im Schliessfach?

Es wird auf mindestens 95 Millionen Euro geschätzt – und lag in einem Schliessfach in Lugano: Die Tessiner Polizei hat ein mutmassliches Gemälde von Leonardo da Vinci beschlagnahmt. Es soll illegal von Italien in die Schweiz geschafft worden sein und war offenbar bereits so gut wie verkauft.

Video «Mutmasslicher Da Vinci im Tessin beschlagnahmt» abspielen

Mutmasslicher Da Vinci im Tessin beschlagnahmt

1:53 min, aus Tagesschau vom 10.2.2015

Ein unschätzbar wertvolles Gemälde, das von dem florentinischen Maler Leonardo da Vinci stammen soll, ist in der Schweiz beschlagnahmt worden. Es soll sich dabei um das Bildnis «Ritratto di Isabella d'Este» handeln. Das Werk soll seit Jahrhunderten verschwunden gewesen sein.

Das 61 mal 45,5 Zentimeter grosse Ölgemälde wurde in Lugano (TI) in einem Tresor in einem Schweizer Finanzinstitut sichergestellt. Die italienische Polizei hatte in der Sache ermittelt.

Rechtshilfegesuch aus Italien

Das Porträt, das die Mäzenin und Marquise Isabella d'Este zeigt, soll demnach unrechtmässig in die Schweiz gebracht worden sein. Seit August 2013 sind Experten der italienischen Finanzpolizei auf den Spuren dieses Bildes. Nach ersten Hinweisen hätte es sich in einer Bank in Lugano befinden sollen. Als die Polizei kam, war das Bild aber schon weg, wie SRF-Korrespondent Alexander Grass berichtet.

«Ritratto di Isabella d'Este» von Leonardo da Vinci Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Ritratto di Isabella d'Este»: Sollte das Da-Vinci-Gemälde bald in einem arabischen Land hängen? ZVG/Kapo TI

Im August 2014 ergaben sich neue Hinweise. Ein Anwalt in Pesaro (I) sollte das Gemälde verkaufen. Die Verkaufs-Verhandlungen waren offenbar schon weit fortgeschritten, die Finanzpolizei nennt einen Preis von 120 Millionen Euro. Nach Informationen des «Corriere della Sera» stammen die Käufer aus der arabischen Welt.

Im Zuge der Ermittlungen erhielt die Staatsanwaltschaft in Pesaro nun offenbar den entscheidenden Hinweis auf den Aufenthaltsort des Gemäldes. Sie stellte daraufhin ein internationales Rechtshilfegesuch an die Tessiner Behörden. Die Tessiner Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei wurden in der Folge ein zweites Mal aktiv und stellten nun das Bild in Lugano sicher.

Wer ist der Besitzer des Bildes?

Unklar sind die genauen Besitzverhältnisse. Laut dem «Corriere della Sera» soll die Besitzerin des Bildes eine italienische Familie mit Wohnsitz in Mittelitalien und in der Schweiz sein. Die Familie nennt eine Kunstsammlung mit 400 Werken ihr eigen, wie es weiter heisst.

Sobald das Gemälde wieder in Italien ist, soll die Urheberschaft endgültig bestätigt werden. Die Staatsanwaltschaft Pesaro ist überzeugt, einem internationalen Kunsthändlerring auf der Spur zu sein. Die Beschlagnahmung erfolgte, weil das Kunstwerk ohne Bewilligung aus Italien ausgeführt worden ist.

Gibt es das Gemälde oder nicht?

Das offenbar jetzt gefundene Gemälde zeigt Isabella d'Este mit einer dünnen Krone im Haar. Eine Zeichnung des Porträts hängt im Louvre in Paris und entstand 1499-1500. In der Beschreibung des Museums heisst es allerdings, dass das dazugehörige Gemälde nie entstanden sei, obwohl Isabella das gewünscht hätte.

Leonardo da Vinci (1452-1519) war Maler, Bildhauer und Wissenschaftler. Er zählt zu den kreativsten Persönlichkeiten der Kunst- und Wissenschaftsgeschichte. Sein berühmtestes Gemälde ist die Mona Lisa.