Eine Fünf, zwei Nullen und viel Aufhebens darum

Die Europäische Zentralbank schafft die 500-Euro-Note ab. Da stellen sich einige Fragen: Was kostet die Massnahme? Was nützt sie? Und was hat Osama bin Laden damit zu tun?

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Bildlegende: Werden sukzessive verschwinden; 500-Euro-Scheine. Keystone

Seit Wochen wurde darüber diskutiert, am Mittwoch fiel dann die Entscheidung: Die 500-Euro-Note wird abgeschafft. Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Schritt der europäischen Währungshüter.

Wer entscheidet über die Ausgabe von Banknoten im Euroraum?

Die Hoheit über die Banknoten im europäischen Währungsraum liegt bei der EZB. In ihrem obersten Führungsgremium, dem EZB-Rat, reicht für Änderungen eine einfache Mehrheit. Vertreten sind dort die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums (Mario Draghi als Präsident, Vítor Constâncio als Vize) und die Notenbankschefs der 19 Euroländer.

Warum wird die 500-Euro-Note aus dem Verkehr gezogen?

Die Verantwortlichen versprechen sich von diesem Schritt, der Terrorfinanzierung und der Schwarzarbeit entgegenzuwirken. EZB-Präsident Mario Draghi hat persönlich darauf hingewiesen, dass die 500er-Note «ein Instrument für illegale Aktivitäten» sei.

Ist das Argument stichhaltig?

Dass die Abschaffung grosser Banknoten oder – was ebenfalls diskutiert wird – Obergrenzen für Bargeldzahlungen Terror und Kriminalität eindämmt, überzeugt nicht alle Experten. Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank etwa hält entgegen: Ihm sei nicht bekannt, dass in Ländern mit einer Bargeldobergrenze wie Italien oder Frankreich die Kriminalität geringer wäre. Kriminelle könnten etwa auf die Cyber-Währung Bitcoin ausweichen. Andere Experten betonen, dass Geldwäsche sowieso mehrheitlich bargeldlos geschehe.

Wird der 500er direkt aus dem Verkehr gezogen?

Nein. Der Rat der EZB hat beschlossen, dass die die Ausgabe «gegen Ende 2018» eingestellt wird. Bis dann soll die neue Generation der 100- und 200-Euro-Scheine eingeführt sein. Die im Umlauf befindlichen 500er-Noten sollen indes gesetzliches Zahlmittel bleiben und können zum Beispiel als Wertanlage genutzt werden. Wie die EZB mitteilt, kann der Schein für einen unbegrenzten Zeitraum umgetauscht werden.

Wie kostspielig ist die Einstellung des 500ers?

Da bald keine neuen 500er mehr gedruckt werden, muss ihr Wert schrittweise durch kleinere Scheine ersetzt werden. Die Zahl der im Umlauf befindlichen Noten multipliziert sich entsprechend. Experten weisen darauf hin, dass mit dem Austausch erhebliche Kosten anfallen. Je mehr kleinere Noten produziert werden, desto höher sind die Druck-, Transport- und Lagerungskosten.

Was bedeutet die Massnahme für den Verbraucher?

Zunächst hat sie keine praktischen Folgen, weil Geschäfte den 500er weiterhin akzeptieren müssen. Kommt dazu, dass erfahrungsgemäss eher wenige Europäer mit der Note zu tun haben. Nicht umsonst haben die Spanier den grossen Schein salopp als «Bin Laden» bezeichnet – weil sie ihn wie den Terrorführer alle gekannt, aber nie zu Gesicht bekommen haben. Eine Ausnahme: Den Kauf eines gebrauchten Autos wickeln Europäer gern mit grossen Scheinen ab.

Welches ist die wertvollste Banknote der Welt?

Der wertvollste Geldschein, mit dem noch bezahlt wird, ist die 10'000-Dollar-Note von Singapur (Wert: 7130 Franken). Ihre Tage sind aber offiziell gezählt; seit 2014 zieht das Land die Scheine aus dem Verkehr. Der Grund: Das Nachbarland Indonesien hatte sich am 10'000er gestört, der der Geldwäsche Tür und Tor öffne. Die wertvollste Note, die nach wie vor gedruckt wird, ist die Schweizer 1000er-Note. Noch im Februar dieses Jahres liess die Schweizerische Nationalbank (SNB) verlauten, dass sie keine Pläne hege, die violetten Scheine abzuschaffen.

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